im Bärensteiner Bielatal – unter tropischen Bedingungen
Vor einem Jahr waren die damaligen Zehntklässler der Altenberger „Madagaskar AG“ zu Besuch bei den Partnern auf der Insel im Indischen Ozean. Dort, unweit des südlichen Wendekreises, herrschte um diese Zeit „Winter“ mit durchaus angenehmen klimatischen Bedingungen.

Das war nun beim „Madagaskar-AG-Camp“ anders, das dieses Jahr wieder vor den Schulferien im Bärensteiner Bielatal stattfand. Temperaturen weit über dreißig Grad und tropische Schwüle machten das Camp zu einer echten Herausforderung. Hinzu kamen Wolken blutgieriger Bremsen.
Dennoch engagierten sich die Schülerinnen und Schüler wieder bei einem abwechslungsreichen Programm:
– Freitag, 26. Juni: Besuch im Botanischen Garten Teplice. Die dortigen Gewächshäuser beherbergen eine umfangreiche Sammlung madagassischer Pflanzen (und auch einige Tiere). Es lassen sich sehr schön die Unterschiede zwischen der Passatwind-feuchten Regenwald-Ostseite der Insel und dem extrem trockenen Südwesten mit seiner skurrilen Dornenbuschvegetation verdeutlichen. Eine neue Mitarbeiterin bot diesmal sogar Führung auf Deutsch.
– Sonnabend, 27. Juni: zum nunmehr schon vierten Mal widmeten sich die Jugendlichen dem Projekt, das bei allen Umfragen immer die höchsten Begeisterungswerte erreicht: Müllberäumung aus dem Bergloch hinter der alten Weiß-Tanne im Bielatal. Während beim ersten Einsatz vor reichlich drei Jahren noch Verpackungen mit aufgedruckten Haltbarkeitsdaten „2019“ obenauf lagen, sind wir inzwischen in den Müllschichten aus der späten DDR-Zeit angelangt. Um der potentiellen Gefährdung, die so ein Bergloch mit sich bringt, vorzubeugen, hatten wir eine professionelle Seilsicherung gebaut. Doch der Enthusiasmus der AGler wurde diesmal ziemlich „ausgebremst“. Bei weit über dreißig Grad Schwüle stürzten sich die Blutsauger voller Energie auf die Müllsammler …
– Sonntag, 28. Juni: Bei der Hitze konnte man fast zusehen, wie die Sonne alle Feuchtigkeit aus der Vegetation saugte. Innerhalb weniger Tage verwandelte sich die Farbe der Wiesen von saftig-grün und heumäßig braun. Die ersten Kirschbäume begannen, ihr Laub abzuwerfen (Ende Juni!). Deshalb war es sehr wichtig, beim Waldumbauprojekt Hiekenbusch die im letzten Jahr gepflanzten Bäumchen zu gießen. Aber auch hier lauerten die Bremsen …
Am Nachmittag wurde in der Galerie Geißlerhaus die Ausstellung zum Baumdenkmalprojekt der Grünen Liga „Fotoporträts der ältesten Osterzgebirgler“ eröffnet. Schülerinnen und Schüler der Madagaskar AG hatten diese zuvor mit aufgebaut. Die ausstellung ist noch bis 30. August im Bärensteiner Geißlerhaus zu sehen.
– Montag, 29. Juni: Zum alljährlichen Standardprogramm der Madagaskar AG gehört die Mahd der Wiese neben der Raupennestklinik. Aus dem einstigen Zierrasen soll eine bunte Bergwiese werden. Gar nicht so einfach, wie sich herausgestellt hat! Aber nach vier Jahren zeigen sich nun doch schon die ersten Erfolge. Gemäht und beräumt wird immer in zwei Einsätzen jeweils etwa die Hälfte der Fläche (die andere Hälfte folgt im Spätsommer), dann mit Stahlharken die Rasennarbe aufgelockert und Heusamen (Scheunenkehricht) von den Bielatalbiotopen ausgesät. Diesmal waren die von der Klinikleitung spendierten Getränke + Eis besonders willkommen!
– Dienstag, 30. Juni: Der letzte Dienstag vor den Ferien ist immer der „Genialsozial“-Tag. Schülerinnen und Schüler in ganz Sachsen können sich für den Tag eine Arbeitsstelle suchen, und der dort erarbeitete Lohn geht in einen großen „Genialsozial-Topf“ der Sächsischen Jugendstiftung. Um dieses Geld können sich dann Entwicklungsprojekte bewerben. Vor zehn Jahren wurde damit unter anderem die „Analasoa-Bibliothek“ in Anjahambe gebaut. Für einige Jugendliche war wieder die Grüne Liga Osterzgebirge die „Arbeitgeberin“. Biotoppflegearbeiten im Bärensteiner Bielatal rundeten damit das diesjährige Madagaskar AG Camp ab.
Mit seinen Tropentemperaturen wird das Madagaskar AG Camp wohl in eindrucksvoller Erinnerung bleiben. Oder müssen wir uns an diese Bedingungen als neue Sommernormalität auch in Mitteleuropa gewöhnen? Übrigens rückt mit dem Klimawandel nicht nur die Südhitze nach Norden – mit ihr reisen neue Zeitgenossen in unsere Klimazone: Während der Müllsammelaktion am Bergloch wurde einer der Schüler von einer Spinne gebissen, die heftigen, wespenstichartigen Schmerz verursachte! Wir konnten das Tier leider nicht dokumentieren, aber aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es sich um eine Nosferatu-Spinne – aus dem Mittelmeergebiet zugewandert, in Sachsen vermutlich erst seit kurzem zu Hause.
Vor nicht allzu langer Zeit hieß es auch, in Madagaskar gäbe es keine gefährlichen Giftspinnen. Inzwischen wurde eine Art aus der Gattung der Schwarzen Witwen entdeckt, die heftige Schmerzen verursachen kann. Von dieser in Madagaskar gebissen zu werden dürfte so unwahrscheinlich sein wie beim Madagaskar-AG-Camp im Bielatal Bekanntschaft mit einer Nosferatu-Spinne zu machen!
