Natur im Osterzgebirge

PR Černá louka – Schwarze Wiesen

aus: AOPK 1999

130 Hektar umfassender Komplex von Berg- und Nasswiesen, z.T. anmoorige Quellmulden, seit langem brachliegende Teile mit Pioniergehölzgruppen; im Westen auch Teile der historischen Steinrückenflur von ehem. Ebersdorf einbezogen; Höhenlage 690 – 760 m üNN; Unterschutzstellung 1998

Nutzungsgeschichte:

Schwarzes Kreuz (Foto: Pöhler)

Das Naturschutzgebiet umfasst Teile der nach 1945 (fast) vollständig zerstörten deutsch-böhmischen Dörfer Streckenwald und Ebersdorf. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts verlief zwischen beiden Orten die Dresden-Teplitzer Poststraße, eine damals bedeutende Verkehrsroute. Von Fürstenwalde kommend, querte sie am “Schwarzen Kreuz” den Schwarzbach und damit die Landesgrenze. Auf dem weiteren Weg nach Südosten müssen nach längeren Niederschläge die Wegeverhältnisse schwierig gewesen sein. Die Legende weiß sogar von einer mit Schätzen beladenen Kutsche zu berichten, die hier unauffindbar versunken sein soll …

Karte von 1898 (rot eingetragen die heutige NSG-Grenze)

Von den Einheimischen wurden damals wohl nur zwei (kleinere) moorastige Flächen in Grenznähe als “Schwarze Wiesen” bezeichnet. Ein anderer Nassbereich trug die Bezeichnung “Weiche” (allgemeiner mundartlicher Begriff für Moore).

Das 1833 gegründete Adolfsgrün entwickelte sich zu einem Fremdenverkehrsort. Während die Häuser in Ebersdorf komplett und Streckenwald fast komplett geschleift wurden, übernahmen ab den 50er/60er Jahren tschechische Erholungssuchende die Gebäude des jetzt Adolfov genannten Ortes und bauten Wochenendhäuschen.

Die Menschen wurden vertrieben, die Häuser zerstört – die flurprägenden Steinrücken sind geblieben von Ebersdorf.

Hinter der offiziell nicht passierbaren Staatsgrenze gelegen, blieben große Teile der Fluren einstmals deutschböhmischer Dörfer sich selbst überlassen. Die Flächen wurden in sehr “extensiver” Form als Grünland genutzt, Nassbereiche fielen völlig brach. Allerdings wurden zwischenzeitlich auch rabiate Meliorationsmaßnahmen durchgeführt, der Schwarzwiesenbach als tiefer Entwässerungsgraben ausgebaut. Einige Bereiche wurden auch aufgeforstet. In den 1990er Jahren gab es so gut wie überhaupt keine landwirtschaftliche Nutzung mehr. Diese setzte erst wieder mit dem Beitritt Tschechiens zur EU und den damit zugänglichen Fördergeldern ein.

1998 Erfolgte die Ausweisung eines 130 Hektar großen Ausschnitts des abgeschiedenen Grünlandkomplexes, in dem sich trotz der langen Brachephase noch zahlreiche gefährdete Pflanzenarten erhalten konnten, vor allem aber störungsempfindliche Tiere wie das Birkhuhn optimale Rückzugsorte gefunden hatten.

Grabenstau

In zwei Projekten (2001-03 und 2008-10) wurde der Schwarzwiesenbach wieder renaturiert und versucht, mit Grabenverbaumaßnahmen für besseren Wasserrückhalt zu sorgen. Einige Teilflächen werden heute auch wieder im Sinne botanischen Artenschutzes gemäht, so zum Beispiel im Rahmen des alljährlichen HeuHoj-Camps der Grünen Liga Osterzgebirge.

Naturraum:

Foto: Menzer

Das Naturschutzgebiet erstreckt sich beiderseits des Schwarzwiesenbaches, eines auf dem Erzgebirgskamm entspringenden Zuflusses des Schwarzbaches, welcher die Staatsgrenze bildet. Im südöstlichen Teil, zwischen Zechberg/Rudný vrch (796 m) und Schauplatz/Na Vyhlídce (794 m), beinhaltet das PR den Quellbereich auf der Wasserscheide, aus dem in der Gegenrichtung auch der Sernitzbach/Ždírnický potok seinen Anfang nimmt.

Im weiteren Verlauf nimmt der Schwarzwiesenbach aus zahlreichen, zum Teil moorigen Quellmulden zusätzlich Wasser auf. Dazwischen erstrecken sich Bergwiesen bzw. – nach jahrzehntelanger Nutzungsaufgabe – von Bergwiesenresten durchsetzte Grünlandbrachen.

Den geologischen Untergrund bilden verschiedene kristalline Gesteine, die früher überwiegend als “Rot-Gneise” klassifiziert wurden, heute aber eher als Granodiorite aufgefasst werden. Im südlichen Teil hingegen ist der metamorphe Gneis-Charakter des Gesteins deutlich ausgeprägt. Hier quert außerdem ein Quarzporphyr-/Rhyolith-Gang von Westsüdwest nach Ostnordost.

Böhmischer Nebel am Schwarzen Kreuz (Foto: Pöhler)

Verbunden mit dem im Vergleich zu den westlicheren, höhergelegenen Kammbereichen etwas milderen Klima ermöglichten die Bodenverhältnisse eine zwar bescheidene, aber über Jahrhunderte offenkundig meist auskömmliche landwirtschaftliche Nutzung. Wahrscheinlich überdurchschnittlich oft tritt in dem Gebiet der sogenannte Böhmische Nebel auf. Bei Südwinden werden die im Nordböhmischen Becken erwärmten Luftmassen am steilen Südabhang des Erzgebirges zum raschen Aufsteigen gezwungen, wobei die enthaltene Feuchtigkeit kondensiert. An den etwas tiefer gelegenen Einsattelungen des Gebirgskammes – wozu der südlich der Schwarzen Wiesen gelegene Geierspass (ca. 760 m üNN) gehört – wird dieser Nebel dann nach Norden gedrückt. Diese Witterung kann tagelang anhalten, oft verbunden mit nasskaltem, stürmischen Wind.

Vegetation:

Abgesehen von den zwei mit Nadelgehölzen aufgeforsteten Bereichen (an der Staatsgrenze sowie an der Straße) prägt ein abwechslungsreiches Mosaik unterschiedlicher Grünlandvegetation das Schutzgebiet.

Dominanz von Zittergras-Segge (Foto: Pöhler)

Durch langjährige Brachezeiten haben jedoch viele Bergwiesen einen Großteil ihrer einstigen botanischen Fülle verloren und präsentieren sich als eher artenarme Rotschwingel-Rotstraußgras-Gesellschaft oder auch mit Teppichen von Weichem Honiggras. In den feuchteren Ausbildungen bildet die Zittergras-Segge dichte Dominanzbestände.

Dennoch haben sich innerhalb dieser Brachevegetation auch noch zahlreiche, meist relativ kleinflächige Bärwurz-Bergwiesen und sogar Borstgrasrasenfragmente (auf Mager-Buckeln)  erhalten können. Hier gedeihen unter anderem Arnika, Wald-Läusekraut, Feuer-Lilie und Busch-Nelke, wobei die beiden letztgenannten aufgrund ihrer Mahdempfindlichkeit bis zu einem gewissen Grad sogar von der Brache profitiert haben dürften.

Bach-Greiskraut auf den Schwarzen Wiesen

Ungemähte Feuchtwiesen entlang des Baches bzw. der Gräben haben sich zu Hochstaudenfluren entwickelt, wo insbesondere das Bach-Greiskraut auffällt. Hier und da konnten sich auch noch seltene Feuchtwiesenarten wie Trollblume und Breitblättrige Kuckucksblume erhalten. Noch recht zahlreich findet man hier u.a. Bach-Nelkenwurz, Moor-Klee und Kleinen Baldrian. Moorige Stellen beherbergen noch vereinzelt Fettkraut und Fieberklee, wohl sogar auch Moos-Beere als echte Hochmoorart.

Infolge der Nutzungsaufgabe konnten vielerorts Pioniergehölze Fuß fassen, insbesondere Sal-Weiden und Moor-Birken. An Besonderheiten kommen Kriech- und Lorbeer-Weide vor.

Bei einer Untersuchung wurden 40 Moosarten festgestellt, davon zwei der roten Liste Tschechiens.

Tierwelt:

Das großflächige Mosaik strukturreichen Grünlands, verbunden mit Störungsarmut aufgrund der abgeschiedenen Lage, bietet gute Voraussetzungen für zahlreiche Vogelarten des (Halb-)Offenlandes. Dazu gehören unter anderem Wachtelkönig, Braunkehlchen, Wiesenpieper, Wachtel. Schwarzstörche suchen die Schwarzen Wiesen zur Nahrungsaufnahme auf. Seit einigen Jahren sind auch regelmäßig Kraniche zu beobachten, Brut nicht ausgeschlossen. Wie anderswo auch, sind die Bestandesentwicklungen der hier einstmals relativ häufigen Arten Birkhuhn, Bekassine und Kiebitz jedoch inzwischen ausgesprochen kritisch.  Insgesamt wurden in dem Gebiet bisher über 50 Vogelarten nachgewiesen.

Moschusbock

Ebenfalls sehr vielfältig ist die Wirbellosenfauna. Mehr als 100 Schmetterlings- und 150 Käferarten wurden nachgewiesen. dem naturkundliche normalinteressierten Wanderer begegnen unter anderem Schwalbenschwanz, Mädesüß-Perlmutterfalter, Moschusbock und Pappelblattkäfer recht häufig. Es leben hier aber auch etliche seltene Insekten, darunter der Hochmoorlaufkäfer Carabus menetriesi  (in Deutschland vom Aussterben bedroht), der Ziegelrote Flinkläufer Trechus rubens  und der Zweifleckige Rindenläufer Dromius fenestratus. Gut untersucht wurde die Gruppe der Schwebfliegen, wobei hier für die Tschechische Republik drei neue Arten gefunden wurden (Cheilosia loewi, Cheilosia nigripes, Spazigaster ambulans).

 

Naturerlebnismöglichkeiten:

Weg zwischen Adolfov und Schwarzem Kreuz (Foto: Gerold Pöhler)

Der besondere Wert des Naturschutzgebiets beruht unter anderem in seiner Abgelegenheit und Ruhe. Einblicke erhält man von den randlich verlaufenden Wanderwegen, unter anderem der heute (nach der Grenzöffnung) wieder recht beliebten Strecke Fürstenwalde – Adolfov/Adolphsgün, die beim Schwarzen Kreuz den Schwarzbach und damit die Staatsgrenze quert. Geschnitten wird das Reservat in seinem südöstlichen Teil durch die Kammstraße Fojtovice/Voitsdorf – Krásný Les/Schönwald, für Radtouren sehr geeignet (aber leider auch bei Motorradfahrern beliebt). Südwestlich von Adolfov zweigt von dieser Straße ein markierter Wanderweg ab, der übr den Erzgebirgskamm in Richtung Telnice/Tellnitz führt. Vom Waldrand am Zechberg/Rudný vrch bietet sich ein schöner Überblick über die Landschaft des Müglitz-Einzugsgebiets, einschließlich der Schwarzen Wiesen.

Naturschutzeinsatz beim HeuHoj-Camp der Grünen Liga Osterzgebirge auf den Schwarzen Wiesen

Zeichnung: Silvia Köhler

weitere naturkundlich interessante Ziele in der Umgebung:

NSG Grenzwiesen Fürstenau und Fürstenwalde: ähnliche Landschaft, jedoch viel stärker genutzt (und teilweise naturschutzgerecht gepflegt)

– Bergwiesen an den Skihängen von Ober-Tellnitz/Zadní Telnice

– Spuren der zerstörten Dörfer Ebersdorf/Habartice und Streckenwald/Větrov

Tellnitzer Tal

– naturnahe Buchenwälder im Tellnitzer Tal und anderen Abschnitten des Erzgebirgs-Südabhanges

Mückentürmchen/Komáří hůrka: beliebter Aussichtspunkt mit Blick über das Nordböhmische Becken zum Böhmischen Mittelgebirge; Sessellift; historische Bergbaulandschaft

 

Literatur:

Grahl, Bernd: Von Zinnwald nach Nollendorf – Eine Wanderung durch das östliche Erzgebirge (Selbstverlag)

Kuncová, J. a kol. (1999): Ústecko. Chráněná území ČR, Agentura ochrany přirody a krajiny ČR, Praha

Weber, Jens (2007): Quellen der Müglitz; in: Naturkundliche Wanderziele im Ost-Erzgebirge (Naturführer Ost-Erzgebirge, Band 3); hrsg. Grüne Liga Osterzgebirge

salvia-os.cz/cerna-louka

https://www.osterzgebirge.org/gebiete/21_11.html

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