Natur im Osterzgebirge

FND Bielaquellwiese an der Sportlersiedlung Altenberg

Unterschutzstellung: Verordnung des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zur Festsetzung von Flächennaturdenkmalen, vom 19. Februar 2013

Gemarkung: Altenberg

Flurstücke: 387, 388, 389, 390

Größe: ca. 2,1 ha

Lage:. Östlich des ehemaligen Philipp-Müller-Lagers entspringt in einer größeren Geländemulde der linke Quellarm der Kleinen Biela. Der große, weitgehend unmeliorierte Quellbereich ist von Steinrücken umgeben (dahinter gering genutztes Grünland) und wird im Norden von Fichtenforst begrenzt. Höhenlage 720 – 735 m üNN

Kurzcharakteristik: Aufgrund des nährstoffarmen Quarzporphyr-Untergrundes sowie der hier vergleichsweise wenig intensiven landwirtschaftlichen Nutzung zu DDR-Zeiten konnte sich unterhalb der Sportlersiedlung (ehem, Philipp-Müller-Lager) ein sehr vielgestaltiges und artenreiches Mosaik aus Borstgrasrasen, Kleinseggenrasen sowie mageren Berg- und Feuchtwiesen erhalten. Umgeben und durchsetzt wird der Komplex von Steinrücken sowie Feuchtgebüschgruppen.

Es herrschen Braun-Podsol- und Pseudogley-Böden vor.  Der ständig vom Grundwasser durchnässte Standort auf der vorderen kleinen Teilfläche in Bachnähe zeichnet sich durch Niedermoorböden aus, deren organische Schichten bis zu einem halben Meter Tiefe erreichen.

Der hohe naturschutzfachliche Wert wird durch die großflächigen Bestände magerer Pflanzengesellschaften mitsamt deren charakteristischer Arten bestimmt. Borstgrasrasen (ca. ein Drittel der Gesamtfläche) gibt es in dieser Ausdehnung und floristischen Reichhaltigkeit nur noch an wenigen Orten im Ost-Erzgebirge. Auch der größte Teil des Bergwiesenbereichs (knapp die Hälfte der Fläche) geht durch Aushagerungseffekte infolge der beständig durchgeführten  Pflege immer mehr zu einem Borstgrasrasen über. Bemerkenswert ist insbesondere der gut ausgeprägte feuchte Borstgrasrasen in Bachnähe mit Sparriger Binse Juncus squarrosus und  Pfeifengras Molinia caerulea.

In den sehr mageren und kurzhalmigen Borstgrasrasen gedeihen zahlreiche ansonsten heute seltene Pflanzen, vor allem: Arnika Arnica montana, Geflecktes Knabenkraut Dactylorhiza maculata (evtl. auch Hybride mit D. majalis?), Quendel-Kreuzblümchen Polygala serpyllifolia, Wald-Läusekraut Pedicularis sylvatica, Busch-Nelke Dianthus seguieri, Niedrige Schwarzwurzel Scorzonera humilis. Beeindruckend ist außerdem die Vielfalt an sonstigen typischen Arten der Borstrasrasen und mageren Bergwiesen: Borstgras Nardus stricta, Drahtschmiele Deschampsia flexuosa, Zittergras Briza media, Ruchgras Anthoxanthum odoratum,  Dreizahn Danthonia decumbens, Vielblütige Hainsimse Luzula multiflora, Pillen-Segge Carex pillulifera, Gewöhnliches Kreuzblümchen Polygala vulgaris, Blutwurz-Fingerkraut Potentilla erecta, Harz-Labkraut Galium saxatile, Berg-Platterbse Lathyrus linifolius, Wald-Ehrenpreis Veronica officinalis.

Hinzu treten die  verbreiteten Bergwiesenarten Bärwurz Meum athamanticum, Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia, Kanten-Hartheu Hypericum maculatum, Alantdistel Cirsium heterophyllum, Schmalblättrige Hainsimse Luzula luzuloides, außerdem auch etliche “normale” Wiesenpflanzen Rot-Schwingel Festuca rubra, Rotes Straußgras Agrostis capillaris, Wiesen-Sauerampfer Rumex acetosa, Weiches Honiggras Holcus mollis, Gras-Sternmiere Stellaria graminea. Die letzteren konzentrieren sich vor allem in weniger genutzten/gepflegten Randbereichen.

Durchsetzt werden die Borstgrasrasen von Kleinseggenrieden, mit fließenden Übergängen. Charakteristische Arten sind u.a. verschiedene Seggen (v.a. Carex panicea, C. nigra), Sumpf-Veilchen Viola palustris und Kleiner Baldrian Valeriana dioica.

Im Nordwesten herrschen, neben Feuchtgebüschen mit Ohr- und Grauweiden Salix aurita, S. cinerea), Binsensümpfe vor. Hier dominiert, gefördert durch wiederholte Brachephasen, die Spitzblütige Binse Juncus acutiflorus. Nur wenige Arten vermögen die dichten Teppiche zu durchdringen: Sumpf-Pippau Crepis paludosa, Sumpf-Kratzdistel Cirsium palustre, Sumpf-Schafgarbe Achillea ptarmica

Pflege: Seit vielen Jahren erfolgt die Betreuung der Flächen in zuverlässiger Weise durch den Pflegetrupp des Fördervereins für die Natur des Osterzgebirges (heute: Naturbewahrung Osterzgebirge GmbH). Zur alljährlichen Mahd der relativ großen, ebenen Wiese in der Südosthälfte kommt angepasste Mähtechnik zum Einsatz. Der sehr sumpfige, nördliche Teil hingegen erfordert Handmahd, die allerdings nicht jährlich durchgeführt wird.

Beeinträchtigungen: Die nur alle zwei Jahre erfolgende Mahd des Binsensumpfes fördert die Dominanzstrukturen der Spitzblütigen Binse. Gleichzeitig breiten sich die Weidengebüsche immer weiter aus.

In der Vergangenheit kam es wiederholt auch zu Müllablagerungen im Gebiet.

Schutzbedürftigkeit: Um den sehr seltenen Borstgrasrasenkomplex mitsamt seiner botanischen Vielfalt auch in Zukunft bewahren zu können, ist die Fortführung der aufwendigen Pflege unbedingt erforderlich. Dies darf nicht nur von stets wechselnden (und tendenziell immer schwieriger werdenden) Fördermittelbedingungen abhängig gemacht werden. Der Schutzstatus eines Flächennaturdenkmals soll die Erhaltung dieser Wiese sichern.

Schutzzweck:

Erhaltung von gefährdeten Biotopen: Borstgrasrasen (RLS: vom Aussterben bedroht), Bergwiese (RLS: stark gefährdet), Kleinseggenried basenarmer Standorte (Rote Liste Sachsen:gefährdet), Binsensumpf (RLS: gefährdet), sonstiges artenreiches Feuchtgrünland (RLS: gefährdet);

Erhaltung gefährdeter Pflanzengesellschaften: Polygalo-Nardetum (RLS: vom Verschwinden bedroht), Juncetum squarrosi (RLS: stark gefährdet), Galium saxatile-Nardus stricta-Violion-Gesellschaft (RLS: gefährdet), Festuca rubra-Meum athamanticum-Gesellschaft (RLS: stark gefährdet), Carici canescentis-Agrostietum caninae (RLS: stark gefährdet), Crepis paludosa-Juncus acutiflorus-Gesellschaft (RLS: gefährdet)

Erhaltung des Lebensraumes gefährdeter Pflanzenarten: Arnika Arnica montana (RLS: stark gefährdet), Niedrige Schwarzwurzel Scorzonera humilis (RLS: stark gefährdet), Geflecktes Knabenkraut Dactylorhiza maculata (RLS: stark gefährdet), Wald-Läusekraut Pedicularis sylvatica (RLS: stark gefährdet), Busch-Nelke Dianthus seguieri (RLS: stark gefährdet), Quendel-Kreuzblümchen Polygala serpyllifolia (RLS: gefährdet),  Gewöhnliches Kreuzblümchen Polygala vulgaris  (RLS: gefährdet),  Zittergras Briza media (RLS: gefährdet), Berg-Platterbse Lathyrus linifolius (RLS: gefährdet), Kleiner Baldrian Valeriana dioica (RLS: gefährdet)

Erhaltung des Lebensraumes gefährdeter Tierarten: Kreuzotter Vipera berus (RLS: stark gefährdet)

Erhaltung eines Ausschnittes der historischen Kulturlandschaft, in der artenreiche Borstgrasrasen einstmals große Flächen einnahmen

aus: Schmiede, Ralf (2004): Vegetationskundliche Analyse und naturschutzfachliche Bewertung ausgewählter Grünlandbiotope im Osterzgebirge; Diplomarbeit, TU Dresden

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