Natur im Osterzgebirge

FND Wiesen oberhalb “Krachwitz” bei Glashütte

Unterschutzstellung: Verordnung des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zur Festsetzung von Flächennaturdenkmalen, vom 19. Februar 2013

Gemarkung: Glashütte

Flurstücke: 526 (teilweise) + 531/6 (teilweise)

Größe: ca. 1,3 ha

Lage: süd- bis südostexponierte Hangwiesen nördlich der Mündung des Steinbächels in die Prießnitz, am westlichen Ortsende von Glashütte, oberhalb der von den Einheimischen “Krachwitz” genannten Siedlung (der Name soll auf die kinderreichen Familien zurückgehen, die früher hier Wohnungen bekamen); 405 – 435 m üNN; Südwestende des allgemein als “Sonnenleite” bezeichneten Prießnitzhanges

Kurzcharakteristik: Der Biotopkomplex besteht aus zwei getrennten Wiesen, die nur über einen schmalen Korridor miteinander verbunden sind. Beide Flächen beherbergen ein abwechslungsreiches Mosaik mehr oder weniger magerer Glatthaferwiesen, wobei die obere Wiese im allgemeinen etwas mehr Nährstoffe und Feuchtigkeit aufweist als die teilweise extrem hagere untere Krachwitzwiese. Hier wird am linken Oberhang ein großer Abschnitt im Sommer so stark ausgebrannt, dass kaum mehr als Polytrichum-Moos gedeihen kann. In diesem Bereich blühen alljährlich im Mai aber auch sehr viele Pech-Nelken Silene viscaria. Außerdem finden sich hier Färber-Ginster Genista tinctoria und Nickendes Leimkraut Silene nutans.

Kriechender Hauhechel oberhalb Krachwitz

Im gesamten oberen Teil der unteren Krachwitzwiese sowie an einem steileren Hangabschnitt im Osten der oberen Wiese (am jetzt stark verwachsenen Wanderweg) konzentriert sich die größte Artenvielfalt, unter anderem mit folgenden Pflanzen: Ruchgras Anthoxantum odoratum, Gewöhnlicher Hornklee Lotus corniculatus, Kleines Habichtskraut Hieracium pilosella, Gewöhnliches Kreuzblümchen Polygala vulgaris, Zittergras Briza media, Skabiosen-Flockenblume Centaurea scabiosa, Rundblättrige Glockenblume Campanula rotundifolia, Gewöhnliches Ferkelkraut Hypochaeris radicata, Feld-Thymian Thymus pulegioides, Kriechende Hauhechel Ononis repens, Körnchen-Steinbrech Saxifraga granulata sowie Heide-Nelke Dianthus deltoides

Demgegenüber weisen – durch die Brache bis Ende der 1990er Jahre sowie die heutige suboptimale Pflege bedingt – größere Teile der oberen Wiese nur ein eingeschränktes Blütenspektrum auf. Hier dominieren Rot-Schwingel Festuca rubra, Rotes Straußgras Agrostis capillaris, Glatthafer Arrhenatherum elatius und Wolliges Honiggras Holcus lanatus.

Der nördliche Zipfel der oberen Wiese liegt nach wie vor brach und ist mittlerweile weitgehend verbuscht.

An die untere Wiese grenzt im Westen ein mehr oder weniger bewaldetes Privatgrundstück mit einem Restbestand Weiße Waldhyazinthe Plathantera bifolia, außerdem Wiesen-Schlüsselblume Primula veris und einige Pflanzen Großblütiger Fingerhut Digitalis grandiflora. 

Pflege/Nutzung: Während der untere Teil der oberen Fläche noch bis Ende der 1990er Jahre von einem privaten Schafhalter zumindest partiell genutzt wurde, lag der überwiegende Teil längere Zeit brach, was zu einer starken Verbuschung sowie der Verfilzung der Grasnarbe geführt hatte. Besonders auf den ganz mageren Bereichen (mit weitgehend offenliegendem Boden) wuchsen Birken und Zitter-Pappeln auf.

Ende der 1990er Jahre erfolgten mehrere Entbuschungsaktionen der Grünen Liga Osterzgebirge sowie die Wiederaufnahme der Mahd in wichtigen Teilbereichen. Auf der oberen Wiese versuchte sich seit 2000 die Agrargenossenschaft Cunnersdorf (die die oben angrenzenden Flächen bewirtschaftet) an einer mehr oder weniger naturschutzgerechten Pflegemahd, während die untere Wiese noch bis 2005 von freiwilligen Kräften der Grünen Liga gemäht wurde. Wegen der schlechten Erreichbarkeit der Fläche konnte das Gras nicht abtransporiert werden und wurde nur am unteren Wiesenrand aufgestapelt. Die daraus resultierenden Eutrophierungseffekte spiegeln sich heute in der angrenzenden Vegetation wider.

Gegen Mitte des Jahrzehnts kaufte ein privater Landwirt die Flächen. In Kooperation mit der Agrargenossenschaft versucht er, die Krachwitzwiesen zu mähen. In manchen Jahren erfolgt offensichtlich lediglich ein Beweidungsgang mit Rindern (so 2010), was allerdings bisher keine besonders negativen Auswirkungen auf den Pflanzenbestand zu haben scheint. Schwerwiegender ist, das bei der Mahd mit großer landwirtschaftlicher Technik gerade die besonders artenreichen Randbereiche sowie steilere Hangabschnitte nicht mit erfasst werden. Hier können sich daraufhin konkurrenzstarke Gräser zulasten der Zielarten ausbreiten oder Gehölze aufwachsen.

Anzustreben wäre eigentlich ein Heuschnitt im Sommer mit flächenangepasster Technik plus Nachbeweidung mit Schafen und/oder Ziegen. Dies ist unter den gegenwärtigen Bedingungen offenbar kaum möglich.

Beeinträchtigungen: Die gegenwärtige Nutzung/Pflege der Flächen ist sicher nicht optimal und wird über kurz oder lang zu einer Beeinträchtigung der Artenvielfalt führen.

Schutzbedürftigkeit: Ohne jährliche Mahd würden die Wiesen wieder verbuschen und die lichtbedürftigen Pflanzen wieder zurückgehen. Um die Pflege zu optimieren, ist eine Unterschutzstellung als FND sinnvoll und notwendig.

Schutzzweck:

  • Erhaltung von regionaltypischen, artenreichen submontanen Glatthaferwiesen, Biotoptyp “Magere Frischwiese” (Rote Liste Sachsen: von vollständiger Vernichtung bedroht) sowie “sonstige extensiv genutzte (artenreiche) Frischwiese” (RLS: gefährdet); Erhaltung gefährdeter Pflanzengesellschaften: Glatthafer-Frischwiese Arrhenatheretum elatioris (RLS: stark gefährdet); Erhaltung einer Fläche des FFH-Lebensraumtyps 6510 (Flachland-Mähwiese) im NATURA-2000-Gebiet “Müglitztal (SCI 043E)
  • Erhaltung gefährdeter Pflanzenarten: Gewöhnliches Kreuzblümchen Polygala vulgaris (RLS: gefährdet), Zittergras Briza media (RLS: gefährdet), Skabiosen-Flockenblume Centaurea scabiosa (RLS gefährdet), Nickendes Leimkraut Silene nutans (RLS: “Vorwarnliste”)
  • Erhaltung des Lebensraumes gefährdeter Tierarten, u.a. Großer Perlmutterfalter Argynnis aglaja (RLS: gefährdet)
  • Erhaltung der Wiese als wichtiges Element im regionalen Biotopverbund (Biotopverbundplanung 1999); u.a. potentiell auch Ausbreitungsraum gefährdete Arten der Nachbarbiotope
  • Erhaltung der blütenbunten Wiese wegen ihrer Schönheit, unter anderem zum Zwecke der Erholung (regionaler Wanderweg)

aus: Schmiede, Ralf (2004): Vegetationskundliche Analyse und naturschutzfachliche Bewertung ausgewählter Grünlandbiotope im Osterzgebirge; Diplomarbeit, TU Dresden

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