Natur im Osterzgebirge

„Natur im Garten“ – Selbsterfahrungsbericht

Wer gern in (Nieder-)Österreich im Urlaub ist, hat die Schilder an Gartenzäunen und -toren sicherlich schon gesehen: „Natur im Garten“. Meistens befindet sich dahinter tatsächlich ein schöner Garten, den man sich gern einmal angucken würde.

Neugierig geworden, haben wir uns erst einmal über das Projekt „Natur im Garten“1 informiert. Ende der 1990er Jahre wurden Kernkriterien formuliert, wie z.B. der Verzicht auf chemisch-synthetische Pestizide und Dünger. Auf die Verwendung von Torf muss auch verzichtet werden. Im privaten Bereich sollte man, auch um dem Klimawandel entgegenzuwirken, verschiedene Naturgartenelemente haben, z.B. Wildgehölze, eine Wildblumenwiese, standortgerechte Bäume und heimische, ökologisch wertvolle Blumen und blühende Stauden.

Dazu wird eine ökologische Bewirtschaftung erwartet, also ein Komposthaufen, ein Gemüse- und Kräutergarten, Obst und Beerensträucher. Auf Nützlingsunterkünfte, eine Regenwassernutzung, Mulchen und Gründüngung achtet man in diesem Gärtnerstadium ja quasi schon allein.

Immer wenn sich uns die Chance bot, haben wir natürlich die Gelegenheit genutzt und einen „Offenen Garten“ besichtigt. Die Eindrücke, die man dort bekommt, kann man kaum in Worte fassen. Je nach Lage und Ausrichtung haben wir Erholungsgärten, Gemüsegärten, Waldgärten oder Gärten mit einem zentralen Naturteich zum Schwimmen (nebst Ringelnatter) entdeckt. Manchmal bieten die privaten Eigentümer auch noch einen Kaffee oder selbstgebackenen Kuchen oder ein Achtel vom regionalen Wein an und stehen für alle Fragen zur Verfügung.

Dass unser Interesse an der recht schön gestalteten Plakette geweckt wurde, kann man sicherlich verstehen. Letztendlich erfüllte unser privater Hausgarten schon sehr viele der Vorgaben von „Natur im Garten“. Aber leider arbeitete damals die Initiative ausschließlich in Österreich.

Ein paar Jahre später öffnete sich das Projekt zu einem europäischen Netzwerk2. Zuerst gab es „Natur im Garten“ in anderen österreichischen Bundesländern, dann in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und weiteren Ländern.

Nachdem wir hörten, dass es nunmehr auch in Sachsen3 einen Ableger des Vereins gibt, nahmen wir Kontakt auf. Wir bewerteten für uns, inwieweit wir die Bedingungen erfüllten und überwiesen eine entsprechende Gebühr. Zwei Berater, die die Gärten in der Regel begutachten, und auch das hochwertige Emaille-Schild bekommt man selbstverständlich nicht umsonst.

Der Begutachtung von unserem Garten fieberten wir schon etwas entgegen. Wir haben eben keinen kurzen englischen Rasen, keine Rosen im Spalier stehend, keine Radieschen in Reih und Glied. Aber im Gartenteich entdeckten wir erst in diesem Jahr einen Molch, beim Umsetzen vom Kompost fanden wir schon Ringelnattern und Blindschleichen, wir freuen uns über Tigerschnegel genauso wie über ein Nest von Erdbienen oder Hornissen, hin und wieder schaut tatsächlich auch ein Reh im Garten vorbei – und jetzt gerade sind die Glühwürmchen kaum zu zählen.

Nach einer fast 3-stündigen Begehung in unserem Garten, freudigen Gesichtern der Gutachter, aber auch guten Hinweisen zur Pflege von diversen Bäumen und Sträuchern und auch nach kritischen Anmerkungen -bspw. ist der Gartenteich aus Plastik, oder es könnte noch mehr Regenwasser genutzt werden- hielten wir dann die Plakette von „Natur im Garten Sachsen“ stolz in unseren Händen.

Wir würden uns freuen, wenn die Grundidee von „Natur im Garten“ weitere Mitstreiter hier in Sachsen bekommt. Allein in Niederösterreich findet man über 20.000 Plaketten an den Gartenzäunen. Parks (also Kommunen) und Kindertageseinrichtungen und Schulen machen dort gleichfalls mit, auch Gärtnereien und Baumschulen. Um den Pflanzen und Tieren zu helfen und dem Klimawandel entgegen zu wirken, ist naturnahes und ökologisches Gärtnern und eben die Plakette „Natur im Garten“ ein Mosaiksteinchen, was wir in der Hand haben. Freunde und Bekannte sitzen gern bei uns im Grünen – ein Schaugarten für die Öffentlichkeit werden wir letztendlich aber nicht werden.

Heiko Frey

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