Natur im Osterzgebirge

Exkursion „Baumdenkmale im Osterzgebirge“

Im Rahmen des slowakisch deutschen Partnerschaftsprojektes zur Entwicklung von ehrenamtlichen Netzwerken zum Erhalt alter Bäume im Biosphärenreservat Polana und im Osterzgebirge fand diese Exkursion vom 07. bis 12 Mai 2026 statt. Gefördert wurde das Projekt von 2021 bis 2023 vom sächsischen Umweltministerium im Programm „Nachhaltig aus der Krise“, von 2024 bis 2026 durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Schon seit längerer Zeit besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Comenius Universität Bratislava. So fanden bereits 2010, 2011 sowie 2022 und 2025 gemeinsame Exkursionen statt. Alte Bäume sind Teil unserer Geschichte, sind Landmarken und Orte geselligen Beisammenseins wie beispielsweise Dorflinden, Tanzlinden oder auch Treffpunkt, Rastplatz oder ebenso Erinnerungsort an historische Ereignisse. Heute sind diese Bäume leider teilweise in Vergessenheit geraten. Alte Bäume sind auch Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren und anderen Pflanzen, spenden dem Wanderer Schatten und Kühle, laden zur Rast am Wege, erfüllen genauso auch wichtige ökologische Funktionen. Sie bedürfen schon Aufgrund ihres Alters, aber auch durch Stress und Witterungsextreme, Befall von Schadpilzen, unsachgemäße Behandlung und vieles mehr unserer Aufmerksamkeit und Pflege. So werden durch freiwillige Baumpaten diese Methusaleme regelmäßig kontrolliert, um so erforderlich, Pflegemaßnahmen anzuregen oder auch Jungbäume nachzupflanzen.

Grau, neblig und regnerisch zeigt sich der 07. Mai im Erzgebirge. Am Mittag erreicht der Reisebus unserer slowakischen Gäste das Altenberger Haus der Tourismusinformation mit der Naturschutzstation. In eben dieser wurden die Gäste mit Imbiss und Grußworten empfangen. Die geplante Wanderung zum Kahleberg musste leider infolge anhaltenden Starkregens bei dichtem Nebel entfallen. So fuhren wir in das Winfriedhaus in Schmiedeberg, wo unsere slowakischen Gäste ihre Zimmer bezogen. Im Saal des Hauses fanden die ersten Fachreferate und Gespräche statt.

Am 08. Mai fuhren wir gemeinsam im slowakischen Reisebus in den Nationalpark Sächsische Schweiz. Ein erstes Gespräch fand an der Prachtbuche Berggießhübel mit Revierförsterin Anett Wehner statt. Diese mächtige Rotbuche ist stark von Pilzen befallen, ihre Krone wurde bereits eingekürzt. Auf dem Parkplatz in Schmilka erwartete uns bereits Ronny Goldberg von der Nationalparkverwaltung. Nach seinem Einführungsreferat stiegen wir forschen Schrittes über steile Bergpfade zum Großen Winterberg auf. Gut 400 Höhenmeter galt es zu überwinden. Von der Kipphornaussicht bot sich trotz bedeckten Himmels ein schöner Rundblick über die Lausitz, das Elbsandsteingebirge und Pirna bis zum Osterzgebirge. Ein Mittagsimbiss erwartete uns am Kiosk mit Freisitz direkt neben der vormaligen Ausflugsgaststätte mit Fremdenzimmern, die sich genau auf den Basaltsäulen des Winterberg-Gipfels erhebt. Einst fand im Saal des Lokals der „Tanz auf dem Vulkan“ statt, wimmelten Sommerfrischler im Haus und den Terrassen, doch seit Jahren steht der Gebäudekomplex leer, verfallen die Mauern, ragen die Bäume aus den öden Fensterhöhlen. Nach regen Diskussionen zur Waldentwicklung sowie den Besonderheiten der Geologie, dem jungtertiären Basaltdurchbruch durch mächtige Sandsteinschichten stiegen wir nach Schmilka ab. Nach kurzer Rast an der Schmilkaer Mühle fuhren wir zur beeindruckenden „Schmorsdorfer Linde“, einem Nationalerbe-Baum, dem auch ein eigenes Museum gewidmet ist. Dieser mächtigen, noch immer vitalen Linde wird ein Alter von bis zu 1000 Jahren zugesprochen. Nun ging es zurück nach Schmiedeberg, wo Frau Zahradnikova ein abendfüllendes Referat zum Thema „Why trees die (or not)“ hielt.

Am 09. Mai stand das östliche Osterzgebirge auf unserem Exkursionsprogramm. Wir fuhren zur Kalkhöhe bei Cunnersdorf, wo nach einer Stippvisite an der Cunnersdorfer Linde das Wildapfelprojekt im Mittelpunkt des Exkursionstages stand. Simone Heinz und Anke Proft führten uns zu einem mächtigen Exemplar des Holzapfels (Malus sylvestris). Nach eingehender Fachdiskussion folgten wir einem Feldweg und da stand er, der kleine aber feine Präsentations- und Verkaufsstand zum Holzapfel. Holzapfelgelee, Holzapfeltee sowie die Weltneuheit von Holzapfeleis mit Holzapfelstückchen galt es zu verkosten oder auch zu erwerben. Ebenso war auch Holzapfelobstler im Angebot. Im Anschluss gab uns Thomas Lochschmidt Einblicke in die alten Apfelsorten, deren Bäume die „Alte Eisenstraße“ säumen. Die Früchte werden alljährlich geerntet und zu Apfelsaft verarbeitet. An einem eigens für die Exkursion angelegten Bodenprofil wurde dokumentiert, dass trotz der heftigen Regenfälle der letzten Tage der Unterboden staubtrocken ist. Nachwirkungen zurückliegender trockener Sommer und flauer Winterniederschläge der letzten Jahre. Zum Abschluss dieses Exkursionstages gab und Maik Biber Einblicke in den schönen alten Baumbestand des Schlossparks Naundorf. Bevor wir zum Quartier zurückkehrten, stiegen wir auf den wunderschön restaurierten Aussichtsturm „Ottos Eck“ und genossen den Rundblick über das östliche Osterzgebirge.

Am 10. Mai stand nun das westliche Osterzgebirge auf unserem Exkursionsplan. Zuerst besuchten wir Frauenstein, wo uns der Vertreter des leider erkrankten Dr. Ernst verschiedene Baumdenkmale und die Besonderheiten des Hangwaldes an der Burgruine präsentierte. In der Bergstadt Sayda wurden wir durch Herrn Bürgermeister Wanke mit einem Grußwort am Heimatmuseum „Hospital St. Johannis“ empfangen. Anschließend führte ich durchs Museum und gab Einblicke in die Geschichte der Besiedlung des Erzgebirges sowie der Bergstadt. Nach dem Museumsrundgang führte unser Weg zur „Alten Mortelgrundstraße“ die von etwa 80- bis 120-jährigen Rotbuchen, Berg- und Spitzahornbäumen und Eschen gesäumt ist. Hier stellte ich die Allee und den Naturraum unseren Gästen vor. Vor einem Jahr wurden in einem Freiwilligeneinsatz im Rahmen der Projektarbeit Baumlücken durch Neupflanzung von Bäumen geschlossen.

Wir diskutierten über den Baumbestand der Allee und kontrollierten die Jungbäume, die alle gut angewachsen waren. Eingebettet zwischen Feldern führt der unbefestigte Weg hinab in den nun von Wald dominierten Mortelgrund. Im oberen Teil des Mortelgrundes entspringt der Mortelbach in Quellhorizonten und einem Quelltopf auf der Wiese oberhalb zweier kleiner Teiche, deren einer einst das Stadtbad der Bergstadt war. Nun ging es zur Mittagsrast zum „Kleinen Vorwerk“ vorbei an Hecken und Gebüschen, einem idealen Lebensraum für Lurche, Reptilien, eine Vielzahl von Vögeln, Kleinsäugern genauso wie für Insekten, Spinnen und die verschiedensten Gräser und Kräuter.

Im Nachmittag besuchten und besichtigten wir in Seiffen das „Verlegerhaus“. Nein, es handelt sich nicht um einen Buchverlag, sondern um einen Zwischenhändler für all die verschiedenen Holzspielzeug- und Schnitzerzeugnisse, Raachermannl, Engel, Pyramiden, Schwibbögen … die in und um Seiffen in einer Vielzahl von kleinen Handwerksbetrieben hergestellt wurden und noch immer hergestellt werden. Gemeinsam führten wir die Erstaufnahme einer prächtigen alten Kastanie auf dem Grundstück durch. Im Anschluss erwartete uns eine reich gedeckte Kaffeetafel vor dem Haus. Am Abend zeigte ich im Winfriedhaus verschiedene Filme über die zurückliegenden gemeinsamen Exkursionen.

Der letzte Exkursionstag stand ganz im Zeichen der Wissenschaft. Im Hörsaal des historischen Altbaus der Fachrichtung Forst der Elite-Universität „TU Dresden“ in Tharandt fanden die hochkarätigen Fachvorträge nebst Diskussionen statt. Referenten der Comenius Universität Bratislava als auch der TU Dresden stellten ihre neuesten Forschungsergebnisse vor. Ebenso erfolgte eine Auswertung der zurückliegenden Projektphasen. Am Nachmittag beendete ein von den Herren Dr. Dittrich und Dr. Pietzarka durchgeführter Rundgang durch den Forstbotanischen Garten diese gelungene Exkursion. Ein herzlicher Dank allen Organisatoren, Referenten und Mitwirkenden für diese rundum gelungene Exkursion.

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