Natur im Osterzgebirge

Nasswiese am Sportplatz Bärenstein

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die gesamte Müglitzaue zwischen Huthaus und Schlossmühle Bärenstein unbebaut – mit einem hohen Anteil artenreichen Grünlands. Von diesen bunten Bachauenwiesen ist so gut wie nichts mehr übrig geblieben – außer einem Nassbereich zwischen Sportplatz und Kalkberg. Auch dieser sollte zwar dereinst verschwinden und einer Hybridpappelaufforstung weichen, aber diese war nur teilweise erfolgreich.

Aufgrund der hier vorkommenden seltenen Arten – Fieberklee, Breitblättrige Kuckucksblume, Schmalblättriges Wollgras – begann Anfang der 1990er Jahre ein Beschäftigungsgesellschaft, auf Initiative der Naturschutzbehörde, hier mit sporadischer Pflegemahd. !996 übernahm die Grüne Liga Osterzgebirge die aufwendigen Arbeiten. In Jahren mit durchschnittlichen oder gar überdurchschnittlichen Niederschlägen kann die Beräumung des Nasswiesengrases zu wahren Schlammschlachten ausarten! Der schwere Grünschnitt muss auf Plastikplanen nicht nur durch die nasse Wiese selbst, sondern anschließend auch noch eine steile Böschung zum Straßenrand hinauf gezogen werden. Hier erfolgt die Verladung in einen großen Container einer professionellen Abfallfirma, die die Biomasse in ein Kompostierwerk bringt. (Früher waren die Binsen von Nasswiesen gefragter Stalleinstreu – dafür gibt es heute keinerlei Bedarf mehr).

2005

Vor noch nicht allzulanger Zeit galt die “Sportplatzwiese” als der sportlichste Höhepunkt aller Heulagerarbeiten. Dieser wurde extra für einen Heulager-Sonnabend aufgehoben, damit möglichst viele Leute mithelfen konnten beim schweren Planen-Ziehen. So mancher blieb dabei in einem der Sumpflöcher mit dem Gummistiefel stecken, ab und zu versank auch jemand bis zur Hüfte!

Inzwischen zeigt sich die zunehmende Trockenheit aber auch – und ganz besonders – bei der Sportplatzwiese. Mahd und größtenteils auch die Beräumung konnten 2018 und 2019 in Turnschuhen erfolgen. Der Biomasseanfall war nur noch halb so hoch wie früher, die Beräumung war nach einer guten Stunde (mit ca. 20 Leuten) erledigt.  Die Sportplatzwiese scheint ihren Schrecken verloren zu haben.

Die Gummistiefel kamen dann nur beim anschließenden Gummistiefel-Fußball-Turnier auf dem angrenzenden Bärensteiner Sportplatz zum Einsatz.

Dank der Pflege hat sich die Zahl der blühenden Exemplare Breitblättriger Kuckucksblumen von 25 im Jahr 1996 auf etwa 750 im Jahr 2018 erhöht (2019 sicher ähnliche Größenordnung, aber nicht gezählt). Auffällig war in diesem Jahr auch hier das völlige Ausbleiben des Schmalblättrigen Wollgrases, das ansonsten aspektbildend auftrat. Das in weitem Umfeld größte Vorkommen des Fieberklees konzentriert sich auf den nässesten Teil der Wiese, am Fuße der Hangkante. Von den Sportplatzwiesenberäumern wird dieser Teil alljährlich in offenen Schlammboden verwandelt, wenn sie hier Schwung nehmen, die schwer beladenen Plasteplanen den Steilhang hinaufzuziehen. Offenbar schadet dies dem offenen Schlammboden liebenden Fieberklee nicht. Der Teppich umfasst 20 oder 30 m2. Allerdings kommen nur einzelne Exemplare der alten Heilpflanze ab und zu zur Blüte.