Natur im Osterzgebirge

Lipská Hora, Aktivwochenende zur Biotoppflege im Böhmischen Mittelgebirge vom 10. bis 12. September 2021

Bereits zum 13. Mal fand nun dieses, schon traditionelle Aktivwochenende, zu dem ARNIKA PRAHA eigeladen hatte, statt. Aus bis zur Unkenntlichkeit völlig von Heckenrosen, Weißdorn, Schlehen, Hartriegel, Feldahorn … überwucherten, verbuschtem Gelände war Dank der unermüdlichen Rodungs- und Mäharbeiten eine artenreiche Bergwiese, bestanden mit uralten Obstbäumen längst vergessener Sorten, entstanden.

Das Treffen stand unter den Zeichen sich ständig ändernder Coronaregeln. Darf man nach Tschechien einreisen? Welche Sanktionen drohen? 14 Tage Quarantäne, Strafen, Gerichtsprozesse? Maskenpflicht, Meldepflicht, was wann und wo? Beantragung der Einreise? Eine allgemeine Verunsicherung hatte um sich gegriffen. Dazu kamen noch Unklarheiten, an welchem Wochenende im September wir uns treffen können.

Nach verregnetem Sommer umfängt mich spätsommerliche Wärme und Sonne satt. Ich fahre durch die frühherbstliche Erzgebirgslandschaft auf den Grenzübergang zu. Reisepass, Impfnachweise, von den tschechischen Behörden genehmigte Einreisegesundheitspapiere liegen griffbereit im Handschuhfach, sind auch auf dem Handy hinterlegt. Im Schritttempo rollt das Auto am Grenzhäuschen vorbei. Weit und breit kein Beamter, der Schalter geschlossen, die Schranke weit geöffnet. Das war die ganze Kontrolle. Nun rollt das Auto hinab in dunstig, brütend heißen Egergraben. Im Nachmittag schleppe ich meine Zeltausrüstung im Schweiße meines Angesichts den steilen, in gleißender Sonne und in flimmernder Hitze liegenden Wiesenhang hinauf. Jana und Čestmir begrüßen mich freudig, schwanzwedelnd jagt ihr großer, schwarzer Hund über die Wiese.

Den Nachmittag verbringe ich botanisierend, Pflanzen fotografierend auf der Wiese, steige hinauf zum Lipská hora. Dessen Hänge sind von der Hitze völlig ausgedörrt, die Krautschicht unter den schütteren Flaum- und Traubeneichen prasseldürr. Am Gipfel hängen die Blätter der Mehlbeere schlaff in der Hitze. Weit dehnt sich das Panorama. Über dem Řip als auch über dem Erzgebirge quellen Gewitterwolken.

Bis zum Abend fand sich die kleine tschechisch – sächsische Gruppe zusammen. Statt wie in den zurückliegenden Treffen mit 40 bis 50 Leuten waren wir nur um die 20 Personen. Borges hatte kurzfristig mit dem Auto der Grünen Liga Osterzgebirge den Hänger mit all dem erforderlichem Arbeitsgerät nebst Wasserkanistern herangekarrt. Ja, sogar die Trockentoilette hatte er aufgeladen. Das Lagerfeuer prasselt, leckere Suppe kocht im Kessel darüber. Zikaden zirpen, ein Käuzchen ruft. …

Klar und ungewöhnlich warm dämmert der Morgen. Schon vor Sonnenaufgang bin ich auf einen der Hochsitze am Feld gestiegen um auf den Sonnenaufgang anzusitzen. Violett, Rot und Orange flammt der Horizont, gleißend Gelb und Orange leuchten die Ränder der Reihen kleiner Haufenwolken. Glutrot schiebt sich die Sonne genau hinter einem der Basaltkegel hervor. Ein traumhaft schöner Sonnenaufgang, violett liegt ein Nebelstreif über dem Land, ein Sprung Rehe zieht über das Feld.

Nach gutem Frühstück jaulen die Motorsensen, werden die Rechen geschwungen, das Mahdgut auf Planen zur Dorfstraße gezogen. Von Westen quellen blauschwarz die Wolken, Dunkelheit senkt sich herab und schon prasselt der Regen. Nachdem der stärkste Guss vorbei, nehmen wir die Arbeit wieder auf. Schon bald dampft das Mittagessen im Kessel über dem Feuer. Nebel wallen. Im Nachmittag klart es auf. Warm scheint die Sonne auf das dampfende Land. Bis zum Abend haben wir das Werk vollbracht. Die große Wiese ist gemäht. Nun sitzen wir um das Lagerfeuer, genießen den ruhigen, warmen Sommerabend. Grillen und Zikaden zirpen, Nebel steigt auf. Die sinkende Sonne zaubert ein phantastisches Abendwolkenfarbenspiel. Bald funkeln unzählige Sterne.

Wolkig und neblig dämmert ein trüber Morgen. Frühstück am Feuer, Geräte einpacken. Ja, so schnell verflog die Zeit der Gemeinsamkeit. Immer wieder tröpfelt es aus tiefer, nebliger Wolkenmasse. Klatschnasse Zelte werden in die Rucksäcke gestopft. Zum Abschied besuchen wir das Museum im Schloss Stalka und steigen auf eine von Steppenkräutern und -gräsern bewachsene Bergkuppe auf. Allen ein herzlicher Dank für das gelungene Treffen und bis zum 14. Lipska Hora Treffen im Herbst 2022.

Dr. Volker Beer

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