Natur im Osterzgebirge

Grüne Liga, Gelbe Füchse – BUND(e) Jugend Biotoppflege-Spätsommer im Bärensteiner Bielatal

Schon bevor das Herbstlaub seine Farbenpracht ins Bielatal zaubern wird, geht es auf den Biotoppflegeflächen bereits mächtig bunt zu. Die Perücken-Flockenblumen der Bergwiesen sind nochmal zu Höchstform aufgelaufen – bis sie in den Mägen weißer und schwarzer Schafe verschwanden.

Herde der Schäferei Drutschmann im Bielatal

Eine Fülle rosaroter Himbeeren erfreute genau in Mundhöhe die Befreier der von dichtem Gestrüpp überwucherten Bäumchen des Waldprojekts. Und jetzt reifen so viele pausbäckige (und fast madenfreie!) Äpfel an den Streuobstbäumen wie lange nicht. Wann gab es das letzte Mal eine solche spätsommerliche Üppigkeit im Ost-Erzgebirge?

Erläuterungen vorm Waldeinsatz der Firma YellowFox

Zum dichten, hohen, filzigen Zweitaufwuchs gehört aber auch: so deutlich wie selten zuvor zeigt sich, dass eine einfache Heu(lager)mahd auf den Grünlandflächen nicht ausreicht, um die Lebensraumbedingungen für die bunte Artenvielfalt zu erhalten. Zum Glück gibt es für einige Flächen noch (oder wieder) die Option Schafsnachbeweidung, so auf der „Müllerwiese“ neben der Biotoppflegebasis durch die Schäferei Drutschmann oder im FND Schilfbachtal durch den Milchschafhof Bärenstein. Großes Dankeschön an die unverdrossenen Schäferinnen und Schäfer!

Wo es keine Tiere mehr gibt, die die Landschaft lebendig halten und die Biodiversität erhalten, müssen es die Naturschützer auf den Wiesen selber tun. Dank erfreulich vieler freiwilliger Helfer gelingt dies zumindest punktuell noch hier und da. Ende August rückten die deutschen und tschechischen Teilnehmer des HeuHoj-Camps der wild wuchernden Vegetation im Bielatal zu Leibe; dann kam Anfang September das Nachmäh-Wochenende der Grünen Liga Osterzgebirge (ebenfalls mit tschechischen Freunden), danach die alljährliche Feuerlilienwiesenaktion der Madagaskar-AG-Schüler, und zwei Wochen später ein Einsatz mit 25 jungen engagierten Menschen der BUND-Jugend aus ganz Deutschland.

Einsatz der Madagaskar AG auf der Feuerlilienwiese am Geisingberg

Naturschutzeinsatz beim BUND-Jugendtreffen im Bielatal

Und dennoch: auf der Mehrzahl der Naturschutzwiesen wird im nächsten Frühling ein dichter Teppich überständigen, sicherlich von nassem Schnee zusammengepressten Grasfilzes die Frühblüher und die konkurrenzschwachen Kräuter am Austreiben hindern.

Nicht viel anders sieht es beim Waldprojekt am Hiekenbusch (zwischen Bielatal und Bärenstein) aus. Der sommerliche Regen hat zwar eine neuerliche Borkenkäferexplosion verhindert. Aber auf den freien Flächen wandeln sich die Stickstoffvorräte früherer überreichlicher Gülledüngung und die Niederschläge in einen Dschungel von Brennnesseln und Himbeersträuchern um. In manchen Teilbereichen waren wir dieses Jahr dreimal drin, um die Bäumchen vorm Überwuchert-werden zu retten. Jedes Mal hatte man das Gefühl, dass zuvor überhaupt noch keine Pflege stattgefunden hätte. Die Unterstützung durch Mitarbeiter der Kesselsdorfer Firma YellowFox war jetzt im September hochwillkommen und dringend nötig.

Die Bereitschaft so vieler unterschiedlicher Menschen, für die Biologische Vielfalt im Ost-Erzgebirge Muskelkater und Blasen an den Händen in Kauf zu nehmen, kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden! Doch es zeigt sich gleichzeitig auch: all diese Aktionen müssen organisiert, der Grasfilz aufwendig gemäht werden, bevor ihn die fleißigen Helfer beräumen können. Diese Vorarbeiten lasten auf immer weniger Schultern, und zwar zumeist ebenfalls ehrenamtlichen Schultern. Wenn es gelänge, mehr (finanzielle) Ressourcen in die Organisation und die praktischen Vorarbeiten von Freiwilligen-Naturschutzeinsätzen zu stecken, hätten wir sicher bessere Chancen, die Herausforderungen anzunehmen, die das zunehmend tropisch anmutende Klima für die Biotoppflege mit sich bringt.

Minimalpflege reicht nicht mehr, damit die Natur im Ost-Erzgebirge bunt bleibt.

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