Natur im Osterzgebirge

Der Wild-Apfel- Eine besondere Baumart in der Kulturlandschaft Osterzgebirge

Projektjahr 1 geht dem Ende entgegen, Zeit im Jahresend-Blätt‘l darüber zu berichten. Beim Zurückschauen erinnert man sich natürlich immer auch an die Beantragungsphase eines solchen Projektes. Diese ist oft langwierig und nicht selten verwirrend.  Wenn selbst langjährige Erfahrungen nicht weiter helfen bleibt manchmal nur der Rückzug eines Projektantrages. Mit unserem Wild-Apfelprojekt konnten wir im Januar beginnen und berichteten darüber im Grünen Blättl. Zuerst wurde ein Arbeitsplan erstellt, um die Fülle der Aufgaben anzugehen.  Aber bald wurde aus Plänen Ungewissheit und Spontanität, denn unerwartet überfiel uns CORONA und hat uns alle in unterschiedlicher Intensität das ganze Jahr begleitet.  Ab März gab es staatlich angeordnete Beschränkungen, die sich auch auf unsere Arbeit auswirkten. So waren persönliche Kontakte stark eingeschränkt.  Die Gespräche mit Flächeneigentümern sind für uns aber unverzichtbar, besonders wenn es um die Zustimmung für geplante Projektmaßnahmen geht. Trotzdem ist es uns gelungen innerhalb des Jahres ca. 300 Wild-Apfel-Standorte zu beschildern inbegriffen vorheriger Standortsichtung, Feststellung von Flurstücken und Eigentümern, Erstellung von Kartenmaterial, Fotodokumentation und Verarbeitung der vorliegenden Daten. Über die Art und Weise der Beschilderung „unserer“ Bäume haben wir uns sehr viele Gedanken gemacht und sind letztendlich bei der Variante gelandet, die nun bereits teilweise im Projektgebiet zu sehen ist. Aber darüber kann sich jeder selbst ein Bild machen.

Am Anfang des Projektjahres verständigten wir uns mit Tim Natzschka, der unsere Homepage erstellen sollte, hinsichtlich unserer Wünsche und Vorstellungen und deren Umsetzbarkeit.  Irgendwie haben wir es gemeinsam hinbekommen und konnten im August www.wildapfel.info  präsentieren. Es könnte sein, dass Auftragnehmer und Auftraggeber in den Erstellungsmonaten ein paar graue Härchen dazu bekommen haben, aber inzwischen bieten unsere Wild-Apfelseiten eine Unmenge an Fachinformationen in ansprechendem Layout.  Danke Tim und Dank auch an Nadja Hecker, die mit unkomplizierter Frauenpower Unterstützung geben konnte. Einen ziemlich großen Anteil am Gesamtprojekt hat das Schülerprojekt. Mit 5. u. 6. Klassen des Gymnasium Altenberg soll es dabei eine Art Ganzjahresprojekt geben, bei dem das heimische Wildobst im Focus steht, insbesondere natürlich unser Osterzgebirgischer Wild-Apfel. Beim gemeinsamen Pflanzen, Ernten und Kartieren sollen Fragen gestellt, Antworten gegeben und Zusammenhänge vermittelt werden. Aber Corona verhinderte dies lange Zeit. Im Herbst stellten wir gemeinsam mit dem Gymnasium einen sehr kurzfristigen Termin auf die Beine, an dem wir mit zwei Schulklassen (also ca. 50 Personen) Wild-Apfelsämlinge pflanzten und einen Exkursionstag verlebten. Gerade rechtzeitig vor der Corona-bedingten Schulschließung. Bereits im Juli halfen uns Altenberger Schüler im Rahmen eines Umwelttages bei der Pflege von Neupflanzungen. Wir hoffen, dass sich die Zusammenarbeit mit dem Altenberger Gymnasium weiter so positiv entwickelt und wir mit den Schülern noch viele schöne Aktionen in und für die Natur erleben.

Eine ebenso erfreuliche Entwicklung zeichnet sich hinsichtlich des Informationsflusses bei Biotoppflegemaßnahmen ab. Wir werden rechtzeitig informiert, wenn Maßnahmen in Gebieten mit potenziellen Wild-Apfelstandorten durchgeführt werden sollen. Wir sind dadurch in der Lage kurzfristig mit den betreffenden Eigentümern, oft handelt es sich um die ansässigen Agrargenossenschaften, oder ausführenden Pflegefirmen Absprachen zu treffen. Spontan muss dann manch Baum erst einmal ein rotes Absperrband erhalten, falls er noch nicht mit einem Schild kenntlich gemacht wurde.

Ein einschneidendes Ereignis hatten wir im August mit dem Bruch des Alten Cunnersdorfers. Der wohl größte und bekannteste Wild-Apfelbaum der Region erlitt einen derart großen Schaden, dass umfangreiche Sofortmaßnahmen notwendig wurden. Damit sollte versucht werden, den noch vorhandenen Teil des Baumes zu sichern und vielleicht noch ein paar Jahre zu erhalten. Viele Jahre hat sich Dr. Rolf Büttner für diesen Baum engagiert, umfangreiche Aufzeichnungen zeugen davon. Auf die genauen Einzelmaßnahmen muss man zum gegenwärtigen Zeitpunkt sicher nicht noch einmal eingehen. Alles wurde dokumentiert und wir werden sehen, was der Alte Cunnersdorfer daraus macht. Im Nachgang muss oder besser darf man feststellen. Hier hat die Zusammenarbeit zwischen verantwortlicher Naturschutzbehörde (der Baum ist seit 2014 Naturdenkmal), den Eigentümern und Bewirtschaftern (Grenzbaum) und Grüner Liga Osterzgebirge wunderbar harmoniert. Dieses Miteinander für die Erhaltung dieses sensiblen Standortes  ist auch zukünftig durchaus realisierbar.  Ereignisse dieser Art können vorkommen, erfordern schnelles Handeln und benötigen nicht nur unser Engagement, sondern auch Zeit. Genau dafür sollte ein Erhaltungsprojekt den nötigen Freiraum lassen. Nicht alles kann bereits in einem Projektantrag ausformuliert werden, ist planbar und 1-2 Jahre vorher genau kalkulierbar.

Erst im Oktober bestand die Möglichkeit an der direkten Konzeption für eine Seniorenwanderung zu arbeiten. Dazu hatten wir nur wenige Personen eingeladen, Corona war wieder einmal Schuld. Sehr aufschlussreich war die Beantwortung unseres Fragebogens hinsichtlich Schweregrad, Länge und Anforderungen an eine Wanderung für 70-80-jährige, gern auch älter und schon da kamen uns erste Zweifel hinsichtlich der Umsetzbarkeit. Diese verstärkten sich, als wir mit unserer kleinen Gruppe die Strecke abliefen, die unsere Seniorenwanderung am Geisingberg werden sollte. An der gesamten Wanderstrecke (Länge ca. 5 km) befindet sich nur eine einzige Bank zum Verweilen. Das zweite Manko ist der defekte Abstieg und das fehlende Geländer, wenn man den Wald an der ehemaligen Schanze verlässt. Vielleicht sollte man diese Probleme angehen, nicht nur für diese Seniorenwanderung, sondern weiterblickend.

Weiterblicken, das tun wir bereits jetzt auf 2021, wenn weitere Schilder folgen und neben vielen Aufgaben auch eine Projektbroschüre entstehen wird. Hoffend auf ein gutes Projektjahr und darauf, dass wir alle gesund bleiben, wünschen wir allen eine besinnliche Weihnachtszeit.

Anke Proft und Simone Heinz