Natur im Osterzgebirge

NATURA 2000 Gebietsbetreuung: SPA (Vogelschutz-) Gebiet Kahleberg und Lugsteingebiet

{SPA: Special Protected Area – Besonderes Schutzgebiet der Vogelschutzrichtlinie [Wikipedia]}

Einleitung

Natura 2000 ist ein EU-weites grenzenloses Netz von Schutzgebieten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 2009/147/EG) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). Diese Gebiete dienen in besonderem Maße dem Schutz der biologischen Vielfalt durch den Erhalt von seltenen, gefährdeten oder typischen Lebensräumen oder Arten.

Die Grüne Liga Osterzgebirge ist Träger des NATURA 2000 Gebietsbetreuerprojektes im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge (ausführliche Info im Grünen Blätt’l, Ausgabe April 2018). Die zweite Betreuungssaison des neuen Projektes ist abgeschlossen. Die neue Saison nähert sich dem Ende. Und so werden wir weiter in den nächsten Monaten die betreuten Gebiete in loser Folge kurz vorstellen. Dieses Mal geht es um das Betreuungsgebiet SPA 63 – Kahleberg und Lugsteingebiet.

Kurzcharakteristik

Das Europäische Vogelschutzgebiet gehört mit 328 ha zu den eher kleineren Vogelschutzgebieten.  Es liegt zwischen der Rehefelder Straße der Stadt Altenberg im Norden und der Grenze zur Tschechischen Republik im Süden. Es umfasst den Kahleberg, den Lugstein sowie das Georgenfelder Hochmoor. Im Westen wird es begrenzt durch die Schneise 28 und im Osten durch die Schneise 31.

Der Kahleberg ist ein bewaldeter Quarzporphyr-Höhenrücken, der einen Seitenkamm des Erzgebirgskamms bildet. Im Landschaftsbild bricht der Berg mit einer markanten Stufe nach Norden und Westen hin ab. Die Abbruchflanken sind von Blockhalden bedeckt. Ursprünglich war der Kahleberg dicht bewaldet. Der in Altenberg um 1440 einsetzende intensive Zinnbergbau führte aber wahrscheinlich bereits in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zur kompletten Abholzung großer Waldflächen, die als Grubenholz, zum Feuersetzen und für die Erzverhüttung unter Verwendung von Holzkohle benötigt wurden. Der fehlende Wald prägte den Namen des kahlen Berges. Die rötlichen Porphyrklippen des Kleinen und des Großen Lugsteins sind 896 bzw. 897 m hoch. Dazwischen wurde in den 1950er Jahren ein Funkmast errichtet (und in den 1990er Jahren erneuert), der von weither als neuzeitliche Landmarke des Erzgebirgskammes zu sehen ist. In den flachen Senken zu Füßen des Lugsteins liegt der Moorkomplex des Georgenfelder Hochmoores und dessen tschechischer Fortsetzung Cínovecké rašelinište. Das Georgenfelder Hochmoor, eines der schönsten Krummholzkiefernmoore des Erzgebirges, wurde bereits 1926 als Naturschutzgebiet ausgewiesen und durch einen Naturlehrpfad touristisch erschlossen.

In der SPA Gebietsbeschreibung steht zusammengefasst: „Langgestreckter Bergrücken mit Hochmoor, Felsklippen, Blockhalden, geschädigten Fichtenbeständen, Aufforstungen, Vorwald sowie dazwischen liegenden offenen Bereichen“.

Laut Grundschutzverordnung kommen im Vogelschutzgebiet „Kahleberg und Lugsteingebiet“ folgende Brutvogelarten nach Anhang I der Europäischen Vogelschutzrichtlinie und der Kategorien 1 und 2 der „Roten Liste Wirbeltiere“ des Freistaates Sachsen (Stand 1999) vor:

Bekassine Birkhuhn, Neuntöter, Raubwürger Wachtelkönig und Wendehals. Vorrangig zu beachten ist das Birkhuhn, für das das Vogelschutzgebiet eines der bedeutendsten Brutgebiete im Freistaat Sachsen ist.

Ziel in dem langgestreckten Bergrückengebiet im Oberen Osterzgebirge ist es, einen günstigen Erhaltungszustand der genannten Vogelarten und damit eine ausreichende Vielfalt, Ausstattung und Flächengröße ihrer Lebensräume und Lebensstätten innerhalb des Gebietes zu gewährleisten oder diesen wiederherzustellen, wobei bestehende Zusammengehörigkeiten zu berücksichtigen sind.

verloren. Die Art gilt nicht nur als besonders störungsempfindlich, sondern besitzt lt. Grundschutzverordnung ein herausgehobenes Schutzbedürfnis. In der Europäischen Union ist das Birkhuhn wie alle heimischen Vogelarten nach der Vogelschutzrichtlinie geschützt. Besondere Schutzgebiete sind zum Erhalt der Art auszuweisen. (Vogelschutzgebiet im Netz Natura 2000-Gebiet).

Sicherung, artgerechte Pflege (Habitatmanagement) und Neuentwicklung von Lebensräumen sind die wichtigsten Beiträge zum Schutz des Birkhuhns. Störungen können z. B. durch Besucherlenkung (Wege nicht durch sensible Bereiche, z. B. Balzplätze) und Verbot störender Aktivitäten vermieden oder begrenzt werden. Für den Erhalt der Art kommt der Ehrenamtlichen Gebietsbetreuung in einer für das Birkhuhn so dramatischen und sensiblen Situation eine besondere Bedeutung zu. Es ist für alle, die sich in dem Gebiet mit dem Birkhuhn beschäftigen, es erhalten, beschützen oder/und Maßnahmen durchführen wollen ja geradezu ein Geschenk, das es seit vielen Jahrzehnten Beobachtungen und Untersuchungen durch Volker Geyer gibt, auf die zurückgegriffen werden kann.

 

Foto: Naturführer Osterzgebirge

Birkhuhn

Zusammen mit Auer-, Schnee- und Haselhuhn zählt das Birkhuhn zu den in Deutschland einheimischen Vertretern der Raufußhühner, Verwandte des Haushuhns, die durch ein äußerst dichtes Gefieder und Federn an den Füßen auch mit kaltem Wetter gut zurechtkommen. Wo die inzwischen sehr selten gewordenen Birkhühner noch heimisch

sind, beginnt im März, spätestens jedoch im April, eines der eindrucksvollsten Schauspiele unserer Natur – die Balz der Birkhähne. Die Hähne der Umgebung versammeln sich im ersten Morgengrauen an einem zentralen Ort, dem Balzplatz. Dort vollführen sie an Tänze erinnernde Schaukämpfe. Die Tänze der farbenprächtigen, um die Weibchen werbenden Hähne mit seltsam anmutenden Bewegungen, gluckernden und zischenden Lauten in einer meist malerischen Landschaft sind ein einmaliges Erlebnis für den Beobachter. Nur die stärksten Hähne werden von den Hennen auserwählt und dürfen sich mit ihnen verpaaren. Nach der Paarung begleitet der Hahn die Henne oft in ihr Brutrevier. Doch schon bald kehrt er zum Balzplatz zurück und wirbt um andere Weibchen. Das Brutgeschäft und die Aufzucht der Küken überlässt er allein der Henne. Die Hennen legen nach der Paarung in eine zwischen Gräsern oder kleinen Sträuchern versteckte und gepolsterte Bodenmulde 6-10 Eier, die sie etwa vier Wochen bebrüten. Die Küken verlassen am Tag nach dem Schlupf das Nest und können bereits im Alter von 20 Tagen fliegen.

Birkhühner sind typische Bewohner der „Kampfzonen“ des Waldes. Sie besiedeln eher offene, locker mit Gebüsch und Bäumen durchsetzte Landschaften. Dort stellen sie im Jahreslauf sehr komplexe Ansprüche an den Lebensraum: Für die Balz werden weite, offene und kurzwüchsige bis vegetationslose Flächen benötigt. Für die Brut sind halboffene Flächen mit einer höheren Krautschicht wichtig. Die Küken finden ihr Futter auf nährstoffreicheren Flächen. Im Winter liefern Gehölzbestände Nahrung. Derartige komplexe Lebensraumbedingungen gehen zusehends

 

verwendete Quellen:

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