Natur im Osterzgebirge

Bielatal-Kartierungs-und-Planungs-Wochenende 15.-17. Mai 2020

Naturschutz könnte so schön einfach sein … wenn nicht diese ganze Biologische Vielfalt wäre!

Seit 1997 stand jedes Jahr das “Orchideen-bestaun’-und-Schafszaun-bau’n”-Wochenende im Veranstaltungskalender der Grünen Liga Osterzgebirge: sich an den blühenden Ergebnissen der vorausgegangenen Heulagerarbeiten erfreuen, und gleichzeitig ganz praktisch an den superökologischen Holzkoppelzäunen für die Biotoppflegeschafe bauen, basteln, rumnageln. Nun ziehen auch durchs Ost-Erzgebirge Wölfe. Das Holzkoppelflickwerk hat ausgedient, die Schafe stehen nun wieder hinter – ganz und gar nicht ökologischen – Stromnetzen.

“Schafszaun-baun'” ist also out, aber nur zum “Orchideen-bestaun” ein Bielatal-Wochenende? Dieses Jahr woll(t?)en wir den Arbeitsteil des Wochenendes etwas weniger muskelkaterisch, mehr fachlich gestalten, als Bielatal-Kartierungs-und-Planungs-Wochenende.

Der ursprüngliche Pflege- und Entwicklungsplan für einen Teil der Bielatalbiotope ist inzwischen 25 Jahre alt. Größtenteils halten wir uns heute noch daran bei den Heulagerarbeiten. Inzwischen lohnt es sich aber mal, genauer nachzuschauen: was hat all die Biotoppflegerei gebracht, was sollte künftig vielleicht anders/besser gemacht werden? Das zu analysieren und diskutieren war/ist der Plan für das Wochenende 15. – 17. Mai 2020.

Doch nun zieht grad biologische Vielfalt in ihrer unschönsten Form auch durchs Ost-Erzgebirge.

Die aktuelle Corona-Verordnungslage im Freistaat Sachsen besagt eigentlich eindeutig: “Alle Veranstaltungen, Versammlungen und sonstige Ansammlungen sind untersagt.” Diese gilt bis 3. Mai, danach kommt sicher eine neue Verordnung. Dem Vernehmen nach mit weiteren Lockerungen. Deshalb halten wir bisher auch an der Hoffnung fest, die Aktion durchführen
zu können, zumindest den “Arbeitsteil”, unter Berücksichtigung aller
Vorsichtspflichten. (“Arbeit” ist ja eigentlich sowieso erlaubt).

Ohne in die Corona-Kristallkugel schauen zu können, gelten für das Bielatal-Wochenende zumindest folgende Festlegungen:

  • Höchstbegrenzung Teilnehmerzahl (20 Leute?) ⇒ Voranmeldung diesmal unbedingt erforderlich (jens@osterzgebirge.org, 035054-28649 – mit AB);
  • Übernachtung nur im (eigenen) Zelt;
  • besondere Bedingungen v.a. hinsichtlich Küche und Toilette;
  • Mahlzeiten nur im Freien;
  • generell natürlich die Abstandsregelungen und Hygienevorschriften beachten.

Klar, solche Vorschriften klingen alles andere als bielatalmäßig cool. Aber die Alternative wäre
eben die Komplettabsage (was sowieso immer noch passieren kann).

Und so sieht der Arbeitsplan aus:

  • Freitagnachmittag/-abend: Erfassung von Fledermäusen und potentiellen Fledermausquartieren im Bielatal
  • Sonnabend: vier oder fünf Kleingruppen erfassen, jeweils unter Leitung eines “Auskenners”, bestimmte Pflanzen- und Tierartengruppen auf den Teilflächen der Bielatal-Biotope;
  • nachmittags gemeinsame Erarbeitung von Empfehlungen für einen optimierten Pflege- und Entwicklungsplans, basierend auf den biologischen Erfassungen des Tages, aber auch gemessen an den Fördermöglichkeiten und den (beschränkten) Kapazitäten der Grünen Liga Osterzgebirge.
  • Sonntagvormittag: Exkursion über die Bielatalbiotope, um die Pflegeempfehlungen nochmal auf Prakikabilität zu prüfen.

Die sehr unterschiedlichen Ansprüche verschiedener Pflanzen und Tiere an ihre Lebensräume führen immer wieder zu Zielkonflikten im Naturschutz.
Soll der Baum stehenbleiben, weil er Potential für seltene Käfer bietet, oder gefällt werden, weil er die artenreiche Wiese beschattet?
Soll die Wiese so tief und gründlich wie möglich gesenst werden, damit Keimnischen entstehen, oder soll so viel Aufwuchs wie möglich stehen bleiben als Heuschreckenhabitat?
Es ist auf alle Fälle lohnenswert, an einem konkreten Landschaftsausschnitt mal Lösungen für diese Zielkonflikte zu suchen.

Ich hoffe, dass dies möglich ist, ohne dabei allzu gute Habitatbedingungen für ein spezielles Virus zu bieten.

aus dem Pflege- und Entwicklungsplan für die “Biotope an der Kleinen Biela”, 1995