Natur im Osterzgebirge

Heulager-Halbzeit: zwei Drittel der Wiesenarbeiten sind geschafft

Über mangelnde Unterstützung kann die Grüne Liga Osterzgebirge auch beim 24. Heulager nicht klagen. Rund 60 fleißige, freiwillige Helfer haben Sachsens größten Mitmach-Naturschutzeinsatz diesmal schon tatkräftig unterstützt. Manche Naturfreunde packen mal an einem Sonnabend mit an, andere bringen sich die gesamte Heulagerzeit mit ein.

Und so konnte schon ein großer Teil der orchideenreichen Bielatalbiotope gemäht werden. Außerdem acht weitere wertvolle, außerordentlich artenreiche Grünlandflächen zwischen Glashütte und Geisingberg. Darunter eine Trollblumenwiese am unteren Klengelsteig, eine Arnikawiese im Schilfbachtal, eine wunderbare Streuobstwiese an der Angermannmühle sowie ein Halbtrockenrasen am Glashütter Bremhang. Viele weitere Arbeiten gehören zum Heulager-Pensum, so zum Beispiel die Pflege der Apfelallee Alte Eisenstraße zwischen Schlottwitz und Cunnersdorf. Dank der nunmehr schon zwanzigjährigen Bemühungen der Grünen Liga Osterzgebirge blüht unter den betagten und den den über hundert neugepflanzten Obstbäumen ein bunter und duftender Wiesensaum, voller Grillen und sonstigem Krabbelgetier.

Vor allem die Arbeit mit der klassischen Handsense, unter fachkundiger Anleitung, erfreut sich großer Beliebtheit. Aber auch bei den Wiesenarbeiten der Grünen Liga Osterzgebirge kommt Technik zum Einsatz – u.a. in Form eines Balkenmähers sowie eines Kleintraktor-Oldtimers. Im Unterschied zu “normaler” Landwirtschaft steht für die Naturschützer jedoch im Vordergrund, die Biologische Vielfalt zu fördern, also auch das Insektenleben der Wiesen zu schonen. Heuschrecken, Käfern und anderen Kleintieren werden bei der Mahd Fluchtmöglichkeiten gewährt, für Schmetterlinge, Bienen und Schwebfliegen zahlreiche Blühinseln belassen.

Heulager bedeutet aber auch diesmal wieder nicht nur – körperlich oft anstrengende -Arbeit für die Natur des Ost-Erzgebirges. Es gibt wie immer ein abwechslungsreiches “Rahmenprogramm”, teilweise bereits vorher geplant und organisiert, aber oft auch spontan von den Heulagerern selbst angeboten. Am Samstag, den 13. Juli, bot Hobby-Meteorologe Dr. Volker Beer einen spannenden Einblick in normales und (noch) außergewöhnliches Wettergeschehen. Einige Tage zuvor hatte Stamm-Heulagerhelfer Thomas Uhlig von einer nicht alltäglichen Reise in den Iran berichtet.

Eine große Bereicherung für das Heulager ist auch immer, wenn die jungen tschechischen und deutschen Teilnehmer des HeuHoj-Camps zur Verstärkung ins Bielatal geradelt kommen. Die erste Hälfte des reichlich einwöchigen HeuHoj-Camps findet im nordböhmischen Tellnitz/Telnice statt, die zweite Hälfte dann auf deutscher Seite, gemeinsam mit dem Heulager. Zum umfangreichen und anspruchsvollen HeuHoj-Programm gehörte die Spurensuche im nach 1945 entvölkerten und abgerissenen Dorf Vorderzinnwald, gemeinsam mit einem von dort stammenden Ehepaar. Für die meisten Freunde der Osterzgebirgsnatur heutiger Generationen ist es kaum noch vorstellbar, wie dicht besiedelt der Kammbereich des Gebirges einst war.

Nun geht also das Heulager in seine zweite Halbzeit. Nach den Regentagen des Wochenendes verspricht der Wetterbericht die Rückkehr sommerlichen Heuwetters. Die Grüne Liga Osterzgebirge freut sich auch in den nächsten Tagen wieder auf tatkräftige Unterstützung der verbleibenden Wiesenarbeiten. Wie immer gilt: wer kommen will ist willkommen – es gibt keinen Anmeldezwang, und schon gar keine Teilnehmergebühren oder ähnliches. Falls sich allerdings größere Familien oder Freundeskreise zum Heulagern entschließen, wäre eine kurze Vorankündigung zwecks Küchen- und Arbeitsplanung nett: jens@osterzgebirge, 035054-28649.

Am kommenden Wochenende geht das 24. Heulager dann zu Ende. Zum Abschluss lädt die Grüne Liga am Sonnabend, den 20. Juli, noch zu einem besonderen Erlebnis ein: einem madagassischen Abend mit Lagerfeuerkonzert der Band MadagaskART. Gegen eine freiwillige Spende sind auch Nichtheulagerer zu diesem Höhepunkt herzlich willkommen!