Natur im Osterzgebirge

Pressemitteilung der Lithium-Bürgerinitiativen

Bürgerinitiativen wenden sich an die EU-Kommission

mit Fachargumenten gegen die aktuellen Lithium-Bergbaupläne im Ost-Erzgebirge

https://osterzgebirge.org/wp-content/uploads/2026/01/CRMA-Schreiben-2026.pdf

 

Die in Bürgerinitiativen und Umweltverbänden organisierten Kritiker der aktuellen Lithium-Bergbauvorhaben im Ost-Erzgebirge haben sich erneut mit einer umfangreichen Argumentesammlung an die EU-Kommission gewandt. Deren für den Critical Raw Materials Act (CRMA) zuständige Generaldirektion wird in den nächsten Monaten wieder eine Entscheidung treffen von nicht zu unterschätzenden Auswirkungen auf Natur und Menschen in der Region: Es geht um die Einstufung von Zinnwald Lithium Plc/GmbH (ZL) als „Strategisches Projekt“ der Europäischen Union. Nach intensiver fachlicher Auseinandersetzung mit den bisher veröffentlichten Planungsunterlagen sind Betroffene und Naturschützer entschieden gegen diese Privilegierung.

Dafür haben sie viele Gründe:

 

  1. Die Lithiumgehalte im Gestein unter Zinnwald sind mit durchschnittlich 0,2 % im internationalen Vergleich viel zu gering, um einen „bedeutenden Beitrag zur Sicherung der Versorgung der Union mit strategischen Rohstoffen“ liefern zu können, wie dies vom CRMA gefordert wird. Potentielle Investoren teilen offenbar die Skepsis – der Börsenkurs der ZL-Aktien verharrt seit Jahren tief in der Verlustzone. Um dennoch irgendwie als lohnenswert zu erscheinen, hat ZL in den vergangen Jahren die Dimensionen der Bergbaupläne immer weiter „aufgeblasen“, von anfangs 500.000 Tonnen Erzförderung pro Jahr auf inzwischen 3,5 Mio t/a – weit mehr, als selbst unter optimistischen Annahmen für die Region tragbar wäre.

 

  1. Es ist nach wie vor mehr als fraglich, ob das Vorhaben in diesen Größenordnungen überhaupt „technisch durchführbar“ ist. Dies wäre die zweite Voraussetzung des CRMA für eine Einstufung als „Strategisches Projekt“. Obwohl seit mehreren Jahren immer wieder angekündigt, hat ZL bisher immer noch keine Machbarkeitsstudie vorlegen können. Die im vergangenen Jahr veröffentlichte „Pre-Feasibility Study“ ließ die Zweifel an der Realisierbarkeit – und mehr noch: der Wirtschaftlichkeit! – eher größer werden.

Insofern ist es fast folgerichtig, dass ZL mit gänzlich anderen Verfahren des Bergbaus und der chemischen Aufbereitung in die offiziellen Genehmigungsprozesse geht als das, was gegenüber Öffentlichkeit, Politikern und Investoren behauptet wird. Für eine seriöse Planung spricht dieses „doppelte Spiel“ jedoch nicht.

 

  1. Der CRMA zielt nicht nur auf die Versorgung der europäischen Wirtschaft mit kritischen Rohstoffen ab, sondern fordert auch ganz explizit, dass dies „nachhaltig“ geschehen müsse, einschließlich der „Verhinderung und Minimierung von Umweltauswirkungen“. Doch gerade wegen der immer gigantischeren Dimensionen der Bergbaupläne wären schlimmste Auswirkungen auf Natur und Umwelt unvermeidlich. Von Zerstörungen der Lebensräume gefährdeter Tier- und Pflanzenarten wäre auch das im Ost-Erzgebirge besonders dicht gewebte Netz europäischer NATURA-2000-Schutzgebiete betroffen – insofern dürften bei der EU-Kommission die Hinweise aus der Region auf Interesse treffen.

Die größten ökologischen Auswirkungen sind für den ohnehin angespannten Landschaftswasserhaushalt einschließlich der Trinkwasserversorgung zu befürchten. Dass diese Sorgen unbedingt berechtigt sind, unterstreicht auch die am 12. Januar veröffentlichte Raumverträglichkeitsprüfung. Die Landesdirektion Sachsen hat darin sehr enge Grenzen gesetzt für den Wasserverbrauch und Gewässerbeeinträchtigungen der Bergbauplanungen.

 

  1. Zwischen den öffentlichen -Erklärungen von Zinnwald Lithium und den Inhalten der 2025 veröffentlichten Planungsunterlagen klaffen große Widersprüche. Diese lassen sich aber nur mit aufwendigem Aktenstudium und fachlichen „Plausibilitäts-Checks“ herausfinden. Fast alle Dokumente hat ZL von Fremdfirmen erstellen lassen, die offenbar über keine Ortskenntnisse verfügen und teilweise recht primitive KI eingesetzt haben müssen.

Trotz perfekten PR-Initiativen seitens der von Zinnwald Lithium beauftragten Medienagentur trifft das Unternehmen auf immer größere Skepsis unter den Bewohnern der Region – und inzwischen auch weit darüberhinaus. Von der vom CRMA ebenfalls geforderten „Anwendung sozial verantwortlicher Verfahren“ und „transparenter Geschäftsmethoden“ ist ZL weit entfernt!

 

  1. Es ist absolut unverständlich, dass an einem relativ kleinen Erzkörper (mit sehr geringen
    Lithium-Gehalten) zwei Bergbauunternehmen miteinander konkurrieren wollen: Geomet s.r.o. auf der tschechischen und Zinnwald Lithium Plc/GmbH auf der deutschen Seite. Die Konkurrenz um dieselben Ressourcen erhöht die Gefahr des Wassermangels, und die doppelte Errichtung von Industrieanlagen und Infrastruktur beiderseits der Staatsgrenze kann keine „grenzübergreifenden Vorteile über den betreffenden Mitgliedstaat hinaus“ schaffen, wie dies der CRMA von „Strategischen Projekten“ erwartet. Im Ost-Erzgebirge droht mit gleich zwei völlig überdimensionierten Bergwerksplänen unter Zinnwald / Cínovec genau das Gegenteil.

 

In ihrem Schreiben an die „Generaldirektion Industrie, Binnenmarkt, Unternehmertum“ fordern die Bürgerinitiativen, unterstützt von überregionalen Umwelt- und Fachverbänden, dem Antrag von Zinnwald Lithium auf Einstufung als „Strategisches Projekt“ auch beim zweiten Anlauf NICHT stattzugeben. Schon bei der ersten Bewerbungsrunde vor einem Jahr blieb Zinnwald Lithium diese Privilegierung verwehrt – im Unterschied zu 22 anderen europäischen Lithiumvorhaben. Vermutlich spielte bereits damals ein Brief mit den Argumenten aus dem Ost-Erzgebirge eine Rolle bei der Entscheidungsfindung der EU-Kommission.

 

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