Die Grüne Liga Osterzgebirge und der Tharandter Naturschutz-Lehrstuhl der TU Dresden konnten, dank Förderung über das Sonderprogramm „Nachhaltig aus der Krise“ des Sächsischen Umweltministeriums 2021 ein seit längerem geplantes Vorhaben beginnen: die Erfassung (und wissenschaftliche Bewertung) alter, besonders wertvoller Bäume im Naturraum Ost-Erzgebirge und die Gewinnung ehrenamtlicher Baumdenkmalpaten. Dies sind engagierte Naturfreunde, die regelmäßig (mindestens ein- bis zweimal im Jahr) „ihre Patenbäume“ aufsuchen, deren Zustand notieren und versuchen, möglichst frühzeitig Gefahren zu erkennen, die den Baumdenkmalen drohen könnten.
Das geförderte Kooperationsprojekt des Lehrstuhls für Biodiversität und Naturschutz und der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. endete im Juni 2023. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse finden sich hier. Die detaillierte Darstellung der Projektinhalte folgt im nächsten Abschnitt unter dem Projekttitel „Alte Bäume = Lebensräume: Baumdenkmale im Klimawandel“.
Gemeinsam mit slowakischen Partnern des Lehrstuhls für Umweltökologie und Landschaftsökologie der Universität Bratislava und in Kooperation mit dem Biosphärenreservat Pol’ana gelang es anschließend, im Rahmen eines binationalen Projekts eine reichlich zweijährige Förderung von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu gewinnen (2024-2026). Dabei ging es um die Übertragung der im Ost-Erzgebirge gewonnenen Erkenntnisse beim Aufbau des „Netzwerks Baumdenkmalpaten“ auf slowakische Verhältnisse , aber auch hier um die Weiterentwicklung dieses Netzwerks.
„Modellhafte Umsetzung eines Citizen-Science-Konzepts zum Management wertvoller Habitatbäume“
Übersicht über die Inhalte des aktuellen DBU-Projekts
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Baumdenkmalpaten-Betreuung Zwischenstand Ende 2024
Alte Bäume = Lebensräume: Baumdenkmale im Klimawandel
ein Projekt des Tharandter Naturschutz-Lehrstuhls und der Grünen Liga Osterzgebirge, 2021-23
Projektinhalte fachliche Hintergründe Erfassungsstand Literaturtips
Infos für Baumdenkmalpaten Aktivitäten 2022 Projektgebiet Rückblick
Alte Bäume sind schön und voller Leben, sie spenden Sauerstoff und Schatten, bieten unzähligen Tieren ein Zuhause – und können sogar die „nicht-ganz-so-grünen“ Mitmenschen begeistern. Alte Bäume gehören zu den wichtigsten Säulen des Naturschutzes, sozusagen.
Doch vielen betagten Gehölzen geht es heute gar nicht gut. Gründe gibt es etliche: (vermeintliche) Verkehrssicherungspflichten statt Respekt vor dem Alter; asphaltierte und verdichtete Böden; Tausalze im Wurzelbereich sowie Stickoxide/Ozon im Kronenraum; aus aller Welt herbeiglobalisierte Krankheiten und „Schadorganismen“ … um nur einige Baumleiden des 21. Jahrhunderts zu nennen.
Richtig heftig jedoch setzten die vergangenen Dürrejahre unseren ältesten osterzgebirgischen Mitbewohnern zu. Klimawandel, Punkt.
Es sind nicht nur die ohnehin auf hohes Risiko gepflanzten Fichtenforsten, die dahindorren (und damit leichte Borkenkäferbeute werden). Auch um viele alte Streuobstwiesen und so manches Naturdenkmal ist es nicht gut bestellt.
Andererseits: alte Bäume haben in ihrem langen Leben schon viel erlebt, erduldet. Sonst wären sie jetzt ja nicht alt. Möglicherweise verfügen sie – die Überlebenden so mancher Extremsituation – über eine überdurchschnittliche Leidensfähigkeit auch gegenüber Witterungsextremen? Sind sie vielleicht „resilienter“ als die meisten ihrer Artgenossen? Vielleicht haben ihre Nachkommen sogar bessere Überlebenschancen im Klimawandel als die verpämperten Sprösslinge aus den Baumschulen?
Aber so wie Raucher mit Bewegungsmangel und vitaminarmer Ernährung eher auf den Intensivstationen der Krankenhäuser landen als diejenigen mit fit gehaltenem Immunsystem, so kann die Summe all der heutigen Belastungen auch die vermeintlich robustesten Gehölzveteranen umhauen. Es ist sehr, sehr wichtig, alle anderen Schadursachen zu minimieren, wenn die alten Bäume auch in Zukunft überleben sollen, dank ihrer – vermuteten – Klimawandelresilienz.
Allzuoft aber geschehen sorglose Wurzelraumverdichtungen, Stammschäden oder plötzliche Freistellung von Waldbäumen. So mancher dieser Angriffe auf die Baumvitalität kündigt sich vorher an: eine Rückegassenmarkierung im Wald, ein bereitstehender Bagger, im Rathaus ausliegende Planungsunterlagen, … Es kümmert sich nur selten jemand drum. Erst wenn der Baum gefällt wird, gibt es einen Aufschrei, manchmal.
Baumdenkmalpaten gesucht!
Vor 15 Jahren hatte die Grüne Liga schon einmal einen Versuch gestartet, die größten, schönsten, wertvollsten Altbäume im Ost-Erzgebirge zu erfassen, im Internet zu präsentieren und zu dokumentieren, sowie Betreuer zu finden, die sich um das Wohlergehen dieser Exemplare sorgen. Siehe Grünes Blätt’l Februar 2012. Es gab sogar ein schönes deutsch-tschechisches Projekt zur Kartierung der Baumdenkmale beiderseits der Grenze. Doch dann führte das Baumdenkmal-Vorhaben der Grünen Liga Osterzgebirge ein paar Jahre ein Nischendasein mangels zeitlich-ehrenamtlicher Kapazitäten, und als schließlich die zugrundeliegende Seite www.osterzgebirge.org im Internet-Nirvana verschwand, geriet auch die Baumdenkmal-Betreuung aus dem Blickfeld. So ganz als Freizeitvergnügen kann man nicht die Übersicht behalten über mehr als hundert Altbäume.
| Wer ist bereit, für ein, zwei oder drei Altbäume seiner Wahl die Patenschaft zu übernehmen? Erwartet wird, den Baum wenigstens einmal pro Jahr aufzusuchen, Gefahren für den Baum zu erkennen, der Grünen Liga Osterzgebirge einen kurzen Zustandsbericht zu schicken plus ein aktuelles Foto. |
Bis die Idee 2021 erneut aufploppte. Die Corona-Finanztöpfe begannen zu sprudeln, und plötzlich erschien auch ein professionelleres Baumdenkmal-Projekt wieder denkbar. Mit einem dieser unerwarteten Finanztöpfe (namens „Nachhaltig aus der Krise“) stellte das sächsische Umweltministerium Geld bereit für Initiativen, die sich auch den wichtigen Herausforderungen unserer Zeit – Klimawandel und Verlust der Biologischen Vielfalt – widmen. Gemeinsam mit dem Tharandter Lehrstuhl für Biodiversität und Naturschutz entwickelte die Grüne Liga Osterzgebirge ein Projektkonzept „Alte Bäume = Lebensräume: Potentiale von Baumdenkmalen im Klimawandel“. Wir bewarben uns – und haben gewonnen!
Die wichtigsten Partner sind die zahlreichen Baumfreunde im Ost-Erzgebirge. Für so viele Altbäume wie möglich soll versucht werden, einen „Baumdenkmalpaten“ zu finden. Mittlerweile (Stand 2026) haben sich über 30 Leute bereiterklärt, sich um rund 150 alte und wertvolle Gehölzexemplare im Ost-Erzgebirge zu kümmern. Sie besuchen mindestens ein- oder zweimal im Jahr ihre „Paten-Bäume“ und schauen nach, wie es ihnen geht, ob ihnen Gefahren drohen. Die Grüne Liga Osterzgebirge bekommt von ihnen dann jeweils eine Kurzdokumentation zum aktuellen Zustand samt Foto.
Nach einer gut besuchten Auftaktveranstaltung im April in Reinhardtsgrimma fand ein zweitesTreffen der Baumdenkmalpaten im September 2022 im Forstbotanischen Garten Tharandt statt.

Alter Wildapfelbaum, Zeichnung: Dietrich Papsch
Naturdenkmaldokumentation bei osterzgebirge.org
Zu den Baumdenkmalen gehören unter anderem auch solche Bäume, die unter offiziellem gesetzlichen Schutz als Naturdenkmale stehen. Zusätzlich zur Dokumentation aller vom Projekt erfassten Bäume unter www.baumdenkmale.org gibt es eine Übersicht über die NDs unter https://osterzgebirge.org/de/natur-erkunden/schutzgebiete/naturdenkmale/baum-naturdenkmale.
Es gibt im deutschen Teil des Ost-Erzgebirges (Teile der Landkreise Mittelsachsen und Sächsische Schweiz – Osterzgebirge) ca. 70 offiziell als Naturdenkmal ausgewiesene Bäume. 2014 waren im oberen Teil des SSOE-Kreises 21 neue ND hinzugekommen (und fristen seither unmarkiert und unbeachtet ihr Dasein in der Landschaft), etwa ebenso viele Bäume in Siedlungen und an Straßen hatten gleichzeitig ihren Schutzstatus verloren (weil dem Landkreis die Pflegekosten zu hoch waren).
Nichtsdestotrotz sind auch viele der Nicht-mehr-Naturdenkmale weiterhin wertvolle Altbäume. Außerdem gibt es noch eine ältere, lange Vorschlagsliste für neue Naturdenkmale im ehemaligen Landkreis Freiberg. Weitere Exemplare stehen in NSG und damit unter Schutz.
Dann gibt es noch die sogenannten „Rekordbäume“ (https://ddg-web.de/rekordbaeume.html).
Und so mancher wertvolle Altbaum ist noch nie ins Blickfeld der Naturschützeröffentlichkeit gerückt, obwohl ganz, ganz wertvoll.
Wer kennt alte Bäume, die ins Patenschaftsprogramm aufgenommen werden sollten?
Eine Übersicht über die Kriterien, nach denen bevorzugt Baumdenkmalkandidaten gesucht werden, liefert das Baumdenkmal-Kriterien-Faltblatt.pdf. |
Und was passiert dann mit den Baumpaten-Infos?
Zunächst einmal ist ein wichtiger Fortschritt, wenn jemand regelmäßig bei den Bäumen nachschaut, ob Gefahren für sie lauern (Wichtig: es geht nicht um – vermeintliche oder tatsächliche Gefahren, die von den Bäumen für Menschen oder gar Autos ausgehen können, sondern umgekehrt! Verkehrssicherung ist explizit kein Bestandteil des Projekts!).
Aus der Zusammenstellung der (halb-)jährlichen Fotos und Kurzeinschätzungen lassen sich womöglich auch schleichende Veränderungen feststellen, die einem entgehen, wenn man nur aller zehn Jahre mal vorbeikommt. Zum Beispiel das allmähliche Verschatten lichtbedürftiger Gehölze durch konkurrenzstärkere Nachbarbäume.
Dank der Mitwirkung der TU Dresden, Lehrstuhl Biodiversität und Naturschutz, sowie verschiedener Biologen im Projekt erfolgen auch vertiefte wissenschaftliche Untersuchungen an ausgewählten Baumdenkmalen und deren Bewohnern.
Für als notwendig erkannte Pflegemaßnahmen versucht die Grüne Liga, Finanzierung und qualifizierte Baumpfleger zu finden. Bei niederschwelligen Problemen sollen Lösungen mit dem Baumeigentümer gesucht werden. Und wenn wirklich Gefahr im Verzug ist – der Bulldozer vorm Baum steht – dann hilft nur noch die nachdrückliche Forderung an die zuständigen Behörden zum Aktivwerden.
Worauf sollten Baumdenkmal-Paten (besonders) achten?![]() Unter dem Titel „Wie geht’s, alter Freund?“ hat die Grüne Liga Osterzgebirge in einem kleinen Faltblatt Hinweise für Baumdenkmal-Paten zusammengefasst: „Handreichung Naumdenkmalpaten.pdf„ |
Umweltbildung und praktischer Gehölzschutz
Alte Bäume brauchen nicht nur Paten, sondern auch Freunde, viele Freunde. Deswegen sollen an das Baumdenkmal-Projekt eine ganze Menge Öffentlichkeitsarbeit und Umweltbildungsaktivitäten angebunden werden: naturkundliche Wanderungen, Projekttage mit Grundschulen, Workcamp-Wochenenden mit Jugendlichen, Studentenexkursionen, Pressearbeit – die gesamte Palette.
| Wer hat Lust, mal eine Naturkundliche Wanderung zu seinen Lieblingsbäumen zu führen? Die Grüne Liga Osterzgebirge freut sich immer über gemeinsame Exkursionen mit Orts- und Fachkennern. |
Nach aller Erfahrung eine der besten Möglichkeiten, Verbindungen zur Natur zu knüpfen, sind gemeinsame praktische Naturschutzeinsätze. Kaum etwas bringt so viel Erfüllung wie zusammen mit Gleichgesinnten Bäume zu pflanzen (und zu pflegen)! Völlig klar, dass auch bei diesem Projekt Freiwilligen-Praxiseinsätze dazugehören.
Im Jahr 2022 fanden bereits zahlreiche öffentliche Veranstaltungen statt: sechs naturkundliche Wanderungen, drei Aktionen mit Jugendlichen im Rahmen des Programms „Junge Naturwächter“, mehrere praktische Gehölz-Naturschutzeinsätze, ein Baumtag beim Schellerhauer Naturschutzpraktikum, eine Fachexkursion während der deutsch-tschechisch-slowakischen Exkursionswoche im Ost-Erzgebirge, zwei Monate Foto-Ausstellung im Botanischen Garten samt Eröffnungsveranstaltung, und sogar im Fernsehen ist das Baumdenkmalprojekt aufgetreten!
Wer alte Bäume erhalten will, muss sich auch um den Nachwuchs kümmern – sowohl den der Bäume als auch den der Baumschützer.




