Natur im Osterzgebirge

Biberspuren im Unteren Osterzgebirge

Obwohl abgeschlossen beschäftigt einem das Natura2000 Gebietsbetreuerprojekt weiterhin, sei es die gute Atmosphäre und der Zusammenhalt, sei es die vielen Naturbeobachtungen wie auch immer, neulich waren wir wieder im Gespräch und wir sprachen über die wiederholt gesichteten und bestätigten Biberspuren, über die Faszination der großen Nager. Zudem hatte meine Tochter in diesem Frühjahr in einer Wildtierstation einen kranken Biber zu versorgen. Sie erzählte, dass sie das erste Mal mit der Situation konfrontiert und von der Größe, dem Gewicht und den Respekt einflößenden Zähnen beeindruckt war. Jemand sagte dann, das ist interessant, schreibe doch mal ein paar Zeilen für das Grüne Blätt´l.

In früheren Jahrhunderten war der Biber weit verbreitet im Gebiet. Der Ortsname Bobritzsch beispielsweise bedeutet oberer Ort am Biberbach. Jedoch wurde der Biber verfolgt, er war sehr begehrt: In Folge des Konzils von Konstanz (1414-1418) definierte ein mittelalterliches Papstedikt den Biber aufgrund seines flachen, beschuppten Schwanzes und seiner amphibischen Lebensweise als teilweise zu den Fischen gehörend. Damit durfte das Biberfleisch ab den Hinterläufen an Fastentagen gegessen werden.

Das dichte Biberfell war begehrt und führte zur intensiven Bejagung. Aus dem besonders wasserdichten Fell wurden Mützen hergestellt, aus den Haaren auch Hüte, Handschuhe und Strümpfe. Noch begehrter war das Bibergeil, der Duftstoff, mit dem Biber ihre Reviere markieren. Es wurde in der Heilkunde als äußerst wirksames Mittel angesehen und teuer bezahlt. Ende des 19. Jahrhunderts war der Biber fast ausgerottet. Das letzte mitteleuropäische Vorkommen beschränkte sich auf eine kleine Kolonie des Elbebibers hauptsächlich im Bereich der Mittleren Elbe. Durch intensive Schutzbestrebungen seit Anfang des 20. Jahrhunderts konnte sich der Biber bis heute wieder ausbreiten.

Biberdamm an der Lockwitz, Foto: Wilhelm

Ausgewachsene Europäische Biber wiegen zwischen 23 und 30 kg und weisen dann Kopf-Rumpf-Längen von 83 bis 102 cm sowie Schwanzlängen von 30 bis 35 cm auf. Entsprechend betragen die Gesamtlängen 113–137 cm. Der Körper ist plump und gedrungen und nimmt nach hinten im Umfang zu. Der Kopf ist kurz, breit und oben abgeflacht, sodass er direkt in die starke Nackenmuskulatur und den Rumpf übergeht. Die sehr weit oben angeordneten Augen und Ohren sowie die Nase sind auch bei untergetauchtem Körper über Wasser. Beim Tauchen schützt eine Nickhaut das Auge.

Foto: Per Harald Olsen – User made., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=944464

Vorder- und Hinterbeine sind kurz. Die Vorderfüße sind zum Greifen ausgebildet und weisen fünf Finger auf. Die Hinterfüße sind groß und besitzen Schwimmhäute zwischen den Zehen, die zweite Hinterfußzehe besitzt eine Doppelkralle zum Striegeln des Fells. An der Oberseite ist das sehr dichte Fell grau- bis dunkelbraun oder schwarz, unterseits heller. Die Wollhaare halten beim Tauchen die Luft im Fell und schaffen somit eine wirksame Isolation. Die Grannenhaare, die zum Ende hin breiter werden, schützen die Wollhaare vor dem Eindringen von Wasser. Der Schwanz (auch Kelle genannt) ist flach, breit, unbehaart und mit Schuppen bedeckt. Er dient als Steuer, Antriebsorgan und Fettdepot. Zur Warnung von Artgenossen vor Feinden wird die Kelle hart auf die Wasseroberfläche geschlagen. Der Europäische Biber hat (wie alle Nagetiere) vergrößerte und ständig wachsende Schneidezähne.

Biberspuren an der Lockwitz, Foto: Kießlich

Biber sind schwer zu beobachten, da sie erst in der Dämmerung und nachts aktiv werden. Hinweise auf Vorkommen geben Biberbaue und Fraßspuren an Sträuchern und Bäumen mit dem charakteristischen keilförmigen Schnitt. Der Biber ist als eines der wenigen Tiere in der Lage, seinen Lebensraum selbst zu gestalten. Mit dem Bau von Dämmen aus Astwerk und Schwemmholz gelingt es ihm, den umliegenden Wasserstand zu erhöhen und zu stabilisieren, so dass Stillwasserflächen geschaffen werden und die Eingänge seiner Bauten (Erdbaue oder „Knüppelburgen“ aus Gehölzen und Schilf) ganzjährig unter Wasser bleiben.

Das Vorkommen von Bibern kann in Bereichen intensiver Landnutzung zu Konflikten führen, etwa durch die Vernässung landwirtschaftlicher Flächen oder die Nutzung von Forst- und Obstbäumen als Nahrung. Obwohl echte Schadensfälle selten auftreten, sind Öffentlichkeitsarbeit und ein vorausschauendes Bibermanagement wichtig.

Noch wichtiger als die gelegentlich auftretenden Konflikte ist die ist die positive Wahrnehmung der wieder sich ausbreitenden Sympathieträger.

 

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