Natur im Osterzgebirge

Planungsgrundlagen

Die vorliegenden Planungsunterlagen:

In Altenberg liegen die Planungsunterlagen in Papierform aus, gebündelt in neun dicken Ordnern. Die Grüne Liga als Naturschutzverband hat den größten Teil auf einer CD vorliegen. Wer sich genauer damit befassen möchte, dem schicke ich natürlich gern die elektronische Version.

Ordner 1 und 2: Beschreibung des Vorhabens, Planungsgrundlagen

Ordner 3: Wasserwirtschaftliche Berechnungen

Ordner 4: Planung der neuen Straße (Kreisstraße 9061n)

Ordner 5: Geotechnischer Entwurf; Probestauprogramm, Materialentnahme (neuer Steinbruch)

Ordner 6: Statik

Ordner 7: Technische Ausrüstung

Ordner 8: Umweltverträglichkeitsstudie, FFH- und Vogelschutz-Verträglichkeitsstudie

Ordner 9: Landschaftspflegerischer Begleitplan

Kritik der Planungsgrundlagen

  • Das Hochwasserschutzkonzept „Müglitz“ aus dem Jahr 2003 ist allein unter technischen Hochwasserschutzgesichtspunkten erstellt worden. Natürliche Rückhaltmöglichkeiten im Müglitz-Einzugsgebiet wurden nicht ausreichend untersucht bzw. völlig ignoriert. Von vornherein schien festzustehen, das Problem mit möglichst großen (und teuren!) Rückhaltedämmen anzugehen.
  • Eine Vielzahl dezentraler Maßnahmen wäre gegenüber von 3 bis 5 großen Dämmen wesentlich „umweltverträglicher“. Dazu könnten unter anderem zählen:

– Umwandlung von monotonen Ackerflächen in strukturreiches Steinrücken-Grünland-Mosaik, Heckenpflanzungen, Aufforstungen (auf geeigneten Flächen)

– Entsiegelung von Flächen (z.B. Grenzzollanlage Zinnwald)

– mehrere kleine Dämme, u. a. an der Kleinen und der Großen Biela (z.B. Riesengrund?)

  • Die Daten, auf denen das Hochwasserschutzkonzept – und mithin die Planungsgrundlage für den Bielataldamm – beruht, resultieren aus nicht nachvollziehbaren Modellierungen des Hochwasserereignisses 2002. Ab 12. August 2002 waren die Mitarbeiter der Landestalsperrenverwaltung sowie der Wasserbehörden mindestens eine Woche lang „auf Tauchstation“. Nahezu alle Pegelmeßgeräte und viele Regenmesser waren ausgefallen. Eine Befragung von Bürgern, die das lokal sehr heterogene Verhalten des Wassers miterlebt hatten, wurden nicht gefragt. Der Verzicht auf die Untersuchung kleinräumiger, landschaftsangepaßter und in der Summe sicher auch preiswerterer Maßnahmen war in der Folge fast zwangsläufig. Von Anbeginn bestand die Hochwasserschutzphilosophie darin, alle Müglitzseitentäler mit großen Rückhaltebecken abzuriegeln und die Müglitz in ein möglichst begradigtes, „berechenbares“ Kanalprofil zu zwängen. Letzteres wurde seither mit großem Einsatz an teurer Technik und viel Gewässerzerstörung weitgehend umgesetzt.
  • Die Chance, Infrastrukturen und Bebauungen im Müglitztal den natürlich vorgegebenen Bedingungen anzupassen (wozu pro Jahrhundert auch drei bis vier größere Regenereignisse im Müglitzeinzugsgebiet gehören), wurde vergeben. Anstatt dem Bach deutlich mehr Raum zu geben, wurde dieser vielerorts durch den Wiederaufbau der Straßen – mit noch größerer Breite als zuvor – noch weiter eingeschränkt als vor 2002. In vielen Ortslagen führte verstärkter Parkplatz- und Straßenausbau nahezu zur Vollversiegelung der Bachaue. Die riesigen Hochwasserdämme in Lauenstein, im Prießnitztal, im Bielatal und künftig womöglich auch im Trebnitzgrund und Schlottwitzgrund sollen nun diese schlimmen Bausünden kompensieren – zu Lasten der einzigartigen Natur in „Sachsens schönstem Tal“.
  • Bemerkenswert ist die den Unterlagen (versehentlich?) beigeheftete Stellungnahme des Referats 21 (Wassermenge) der Landstalsperrenverwaltung zu den „Hydrologischen Untersuchungen zum HRB Bärenstein / Biela“ (Unterlage A.1.1.4.pdf). Diese gleicht einer recht vernichtenden Kritik an den Annahmen, die das beauftragte Planungsbüro der Dammplanung zugrunde gelegt hat. Unter anderem steht darin: „Grundsätzlich wird ein wirklicher, diskussionsfähiger Steuervorschlag für das HRB Bärenstein vergebens gesucht“. Und weiter: „Eine Steuerung auf den Pegel Dohna, gekoppelt mit einer akzeptablen, sicheren Abflußprognose, ist aus heutiger Sicht der Wissenschaft nicht oder nur sehr ungenau möglich.“ Weiterhin: „Die Abflußwelle mit dem höchsten Scheitel bringt nie die höchste Abflußfülle. Die im Text stehende Behauptung ist falsch.“ Es drängt sich der Eindruck auf, daß der Planung des Bielataldammes sehr fragliche Berechnungsgrundlagen zugrundeliegen, wenn noch nicht einmal klar ist, wie der Hochwasserabfluß dann gesteuert werden soll.
  • Baukosten: In einer Vorstudie wurden für verschiedene Standorte von Hochwasserrückhaltebecken die Kosten kalkuliert (dargestellt in Ordner 1, Heft 1 – Beschreibung des Vorhabens, S. 25 – Tabelle 10). Demnach wurden für das HRB Biela ursprünglich 12,2 Mio Euro veranschlagt, was damals schon deutlich teurer war als etwa ein Damm im Tal des Roten Wassers (mit 7,6 Mio Euro kalkuliert). Tatsächlich aber wird nun von Baukosten für den Bieladamm von 31,4 Mio Euro ausgegangen – eine Kostensteigerung auf 257 %! Damit ist die Vorauswahl kaum noch zu rechtfertigen und muß neu ermittelt werden!

Variantenvergleich (Kapitel 3 der UVS)

  • (S. 8/9 der UVS) Für die Variante mit je einem kleineren Damm an Großer und Kleiner Biela wurden die Kosten nicht ermittelt. Warum nicht? Die auf S. 9 gegebene Begründung, warum ein großer Damm besser sei als zwei mittlere, läßt den Straßenneubau und den dadurch induzierten Verkehr außer acht. Unberücksichtigt bleibt dabei auch, dass ein kompletter Straßenneubau das Landschaftsbild erheblich zusätzlich beeinträchtigt (S. 12).
  • (S. 8 UVS) Die hier getroffene Aussage, der Bieladamm böte „kein technisch-soziales Konfliktpotential“, ist ja wohl eindeutig falsch!
  • (S. 13 UVS) Bei der Kosten-/Nutzen-Betrachtung müssen auch die dauerhaften Straßenunterhaltungskosten berücksichtigt werden!
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