Natur im Osterzgebirge

Schellerhau-Praktikum 2022

Rückblick auf das 27. Schellerhauer Naturschutzpraktikum

29. Juli – 5. August 2022

Am 27. Schellerhauer Naturschutzpraktikum nahmen 17 Studenten und andere interessierte Jugendliche teil. Mehrere kurzfristige Absagen und unangekündigte Nicht-Anreisen reduzierten die Zahl unter die für das Praktikum geltende Höchstgrenze von 20 Teilnehmern.

Organisiert und betreut wurde der Workshop von drei bis vier praxiserfahrenen Mitgliedern/Unterstützern der Grünen Liga Osterzgebirge. Mehrere Krankheitsfälle bei den Organisatoren und Projektpartnerinnen stellten die Durchführung des diesjährigen Naturschutzpraktikums vor besondere Herausforderungen. Hinzu kamen die Unsicherheiten, wie mit dem in der Zeit geltenden offiziellen Wald­betretungsverbots (infolge der Waldbrände im Elbsandsteingebirge) umgegangen werden sollte.

Die Praktikumsteilnehmer studieren an an folgenden Hochschulen:

  • TU Dresden (“Tropical Forestry”, “Raumentwicklung und Ressourcenmanagement”)
  • TU Berlin (“Ökologie und Umweltplanung”)
  • Humboldt-Universität Berlin (“Integrated Natural Ressource Management”)
  • Hochschule Zittau/Görlitz (“Ökologie und Umweltschutz”)
  • Universität Jena (“Evolution, Ecology, Systematics”; “Biologie”)
  • Karlsuniversität Prag (“Biologie”)
  • Comenius-Universität Bratislava (“Naturschutz”, “Biologie”)
  • University of Copenhagen (“Sustainable Tropical Forestry”)
  • Manchester Metropolitan University (“Environmental Science”)

Die Studentinnen und Studenten brachten aus ihren sehr unterschiedlichen Heimatgebieten (verschiedene Regionen Deutschlands + vier europäische und sechs außereuropäische Länder) ein außerordentlich breites Spektrum an Erfahrungen und Perspektiven ein. Beeindruckend war das große Engagement, mit der sich alle Teilnehmer sowohl an den praktischen (für die meisten ungewohnten, anstrengenden) Arbeiten als auch an den lebhaften Diskussionen beteiligten. Fast alle bereicherten mit einer Kurzpräsen­ta­tion zu Natur- und Umweltproblemen ihrer Heimatregion die innerhalb des Praktikums behandelte Naturschutz-Themenpalette und weiteten damit den Blick auf die Vielfalt der aktuellen Herausforde­run­gen. Arbeitssprache war Englisch.

Die Grüne Liga Osterzgebirge verbindet mit dem Schellerhauer Naturschutzpraktikum vor allem folgende Arbeits- und Bildungsziele:

  • Umsetzung aufwendiger, manueller Biotoppflege- und Habitatgestaltungsmaßnahmen mit engagier­ten jungen Menschen (Tätigkeiten, für die in der Region oft die personellen Kapazitäten fehlen);
  • Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten der Naturschutzpraxis für künftige potentielle Entschei­dungs­träger in Behörden, Planungsbüros oder akademischen Bereichen (“… selbst die Erfahrung machen, wie mühevoll all das sein kann, was sich auf dem Papier/am Computer so leicht formulieren lässt …”);
  • jungen Menschen die Natur der Region Ost-Erzgebirge nahebringen, um die Unterstützung (prak­tisch wie ideell) für die Naturschutzarbeit in der Region nachhaltig zu sichern (Praktikumsteilnehmer kommen z.B. später mitunter auch zu weiteren Naturschutzeinsätzen) – Netzwerkbildung

Mindestens genauso wichtig sind jedoch auch die ökologischen Denkansätze der jungen Menschen, die so manche der tradierten Naturschutzpraktiken kritisch hinterfragen. Angesichts der Überalterung der meisten lokalen Naturschutzakteure einerseits und der enormen neuen globalen Herausforderungen (Klimaextreme, Landnutzungswandel, Neobiota …) andererseits sind derartige Debatten zwischen engagierten Menschen unterschiedlicher Erfahrungshorizonte und Erwartungshaltungen wichtiger denn je.

Gemessen an diesen Zielen kann das 27. Naturschutzpraktikum wieder als sehr erfolgreich angesehen werden.

Im Einzelnen wurden folgende Tätigkeiten durchgeführt und Inhalte vermittelt:

Freitag, 29.7.22: abends Anreise, Einführung, Kennenlernen

Samstag, 30.7.22: Exkursion Bergbaugebiet Altenberg + Besuch Bergwiesenausstellung Museum Schloss Lauenstein (die eigentlich geplante Exkursion ins NSG Geisingberg konnte wegen des Waldbetretungs­verbots nicht durchgeführt werden)

Inhalte/Bildungsziele: Landschaftsgenese Ost-Erzgebirge (Geologie, Landnutzungsgeschichte); Bergwiesen und  Steinrücken samt typischer/gefährdeter Pflanzenarten; Ökosystemwandel durch Klimaveränderungen, Eutrophierung und Säureeinträge; Vergleich historische Landnutzung – heutige Naturschutzpraxis

abends Einführungsvortrag “Biodiversity in Eastern Ore Mountains”

Sonntag, 31.7.22: Wanderexkursion Schellerhau – Galgenteich – Kahleberg – Zinnwald (wegen Wald­betretungsverbots ebenfalls nur eingeschränkt möglich, NSG Georgenfelder Hochmoor geschlossen)

Inhalte/Bildungsziele: Vorstellung NSG Weißeritzwiesen und Diskussion möglicher Entwicklungsstrategien; Wald- und Forstgeschichte; Waldschäden; Klima und Klimawandel; Fließ- und Standgewässer; Moore und Moorrenaturierung; Birkhuhn; Natura 2000; Konfliktfelder Naturschutz – Forstwirtschaft – Tourismus

abends Präsentationen der Teilnehmer über Naturschutzthemen/Umweltprobleme ihrer Heimatregionen

Montag, 1.8.22: praktische Wiesenarbeiten im NSG Schellerhauer Weißeritzwiesen

Inhalte/Bildungsziele: Einweisung in verschiedene Mähtechnik (Handsense, Freischneider, Einachsmäher) + eigene Handhabung; körperlich anstrengende Arbeit insb. bei der Beräumung des Nasswiesen-/ Zwischen­moorbereiches; Vorstellung gefährdeter Pflanzenarten; Problematik der Eutrophierung und Diskussion von Handlungsoptionen

abends Präsentationen der Teilnehmer über Naturschutzthemen/Umweltprobleme ihrer Heimatregionen

Dienstag, 2.8.22: Arbeiten im Botanischer Garten Schellerhau, zuvor kurze Gartenführung

Inhalte/Bildungsziele: Vorstellung typischer Biotope und Arten; Maßnahmen des ex-situ-Artenschutzes; Wechselwirkungen zwischen Tourismus und Naturschutz; Mahd (Handsense) des Bergwiesenbiotopes; Begrenzung der Ausbreitung potentiell invasiver Arten

abends Präsentationen der Teilnehmer über Naturschutzthemen/Umweltprobleme ihrer Heimatregionen

Mittwoch, 3.8.22: Gehölz-Naturschutz im Botanischen Garten (Epiphytenseminar mit Dr. Sebastian Dittrich, praktische Baumpflege mit Andreas Frieseke) + praktische Wiesenarbeiten im FND Himmelsleiter

Inhalte/Bildungsziele: Bedeutung alter Gehölze u.a. als Lebensräume von epiphytischen Organismen, Bioindikation durch Moose und Flechten; Grundlagen praktischer Baumpflege; Kooperationen von Naturschutzakteuren; körperlich anstrengende Arbeit bei der Beräu­mung des Steilhangbereichs;

abends Präsentationen der Teilnehmer über Naturschutzthemen/Umweltprobleme ihrer Heimatregionen

Donnerstag, 4.8.22: Habitatgestaltung im Wald: Optimierung Birkhuhn-Balzplatz (Einweisung und Diskussionen mit Revierförster Denny Werner)

Inhalte/Bildungsziele: Lebensraumvielfalt im Wald einschl. Offenland-Biotopen; Artenschutz Birkhuhn u.a. Tiere; (körperlich anstrengende) Arbeiten zur Balz- und Brutraum-Gestaltung

nachmittags Workshop zum Themenkomplex, wie erfolgreiches (ehrenamtliches) Naturschutzengage­ment auf lokaler/regionaler Ebene organisiert werden kann; abends Abschluss-Diskussionsrunde, bei der die Teilnehmer durchweg positives Fazit zogen

Freitag, 5.8.22: Wanderexkursion Schellerhau – Bärenfels – Pöbeltal – Schmiedeberg (einschl. Führung durch Sachsenforst-Mitarbeiter Kristina Funke im Forstamt Bärenfels und NSG Hofehübel)

Inhalte/Bildungsziele: Naturgemäße Waldwirtschaft versus Fichtenforsten am Beispiel Forstamt Bärenfels (Herrmann Krutzsch); naturnahe Waldgesellschaften: Fichten-Tannen-Buchenwald; Waldschäden durch neuartige Krankheiten (Ulmen, Eschen) und NOx/Ozon (Buchen); Naturschutz im Wald – Schnittmengen und Konflikte mit forstlicher Nutzung; Klimawandel und Klimaextreme, technische (HRB) und naturschutzgerechte Klimaanpassungsmaßnahmen; Abschlussdiskussion von Naturschutzstrategien im Weißtannenbestand Pöbeltal

Ende der Praktikumswoche und Abreise der Teilnehmer  gegen 16.00 Uhr ab Schmiedeberg

Das 27. Schellerhauer Naturschutzpraktikum war geprägt von engagierter, gemeinsamer Arbeit aller Teilnehmer, einer intensiven, fruchtbaren Diskussionskultur und harmonischer Kooperation.  Sowohl die Studenten, als auch die Organisatoren konnten wertvolle Denkanregungen aufnehmen.