Natur im Osterzgebirge

NATURA 2000 Gebietsbetreuung: Das Gottleubatal

Einleitung

Natura 2000 ist ein EU-weites grenzenloses Netz von Schutzgebieten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 2009/147/EG) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). Diese Gebiete dienen in besonderem Maße dem Schutz der biologischen Vielfalt durch den Erhalt von seltenen, gefährdeten oder typischen Lebensräumen oder Arten.

Die Grüne Liga Osterzgebirge ist Träger des NATURA 2000 Gebietsbetreuerprojektes im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge (ausführliche Info im Grünen Blättl, Ausgabe April 2018). Die dritte Betreuungssaison des Projektes ist abgeschlossen. Und so werden wir weiter die betreuten Gebiete in loser Folge kurz vorstellen. Dieses Mal geht es um das Schutzgebiet der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie 182 „Gottleubatal und angrenzende Laubwälder“.

Blick in das Gottleubatal und auf Bad Gottleuba.
Foto: Gert Hänsel https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=468399

Kurzcharakteristik und Nutzungsgeschichte

Das FFH-Gebiet 182 „Gottleubatal und angrenzende Laubwälder“ befindet sich links-elbisch im Übergangsbereich von Elbsandsteingebirge und Unterem Osterzgebirge und setzt sich aus fünf Teilflächen zusammen. Das Gebiet ist durch den Gewässerlauf der Gottleuba gekennzeichnet, welche auf der tschechischen Seite des Erzgebirgskammes entspringt. Das FFH-Gebiet beginnt im Osterzgebirge, unterhalb der Talsperre Gottleuba oberhalb von Kurort Bad Gottleuba und führt bis zur Mündung der Gottleuba in die Elbe in Pirna. Die Gesamtfläche ist mit ca. 400 ha eher mittelgroß. Wenn man so will, ist es ein Grenzgewässer zwischen den Naturraumeinheiten des Erzgebirges und dem Elbsandsteingebirge. Es durchfließt aus dem östlichen Erzgebirge kommend in weiten Teilen das Elbtalschiefergebirge dann die Elbtalweitung bevor es bei Pirna in die Elbe mündet. Darin begründet sich Vielfalt der hier vorhandenen Gesteinsabfolgen und Ausgangsgesteinen. Der heute vorgefundene Landschaftscharakter mit der besonderen Naturausstattung wurde neben den natürlichen Grundlagen und Abläufen wesentlich durch vier bedeutende Etappen der Nutzungsgeschichte geprägt: Fernhandel, Bergbau, Kurwesen und Gottleubatalbahn.

Fernhandel: Die Besiedlung der Region wurde seit 1140 von den böhmischen Königen betrieben. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Lage an den Handelsstraßen (Kulmer Steig, Via Regia, Salzstraße), die zum Beispiel von Halle an der Saale über Gottleuba bis nach Aussig (Ústí nad Labem) führten.

Bergbau: Den Ausschlag für die Gründung von Gottleuba gaben die im Umfeld getätigten Funde von eisenhaltigem Gestein, Kupfer und Silber. Die privilegierte Lage an den Handelsstraßen nach Böhmen förderte zudem Handwerk und Handel in Gottleuba.

Kurwesen: Bei der Untersuchung von Grubenwässern wurde 1717 heilkräftiges Wasser gefunden. Die Quelle (Johann-Georg-Brunnen) begründete den Berggießhübler Badebetrieb.

Gottleubatalbahn: Auslöser für den Bau der Gottleubatalbahn war der in den 1830er Jahren einsetzende Industrialisierungsprozess, der sich energetisch v.a. auf die umfangreichen nordböhmischen Braunkohlevorkommen stützte, die über einen Umweg durch das Elbtal umständlich und teuer herangeführt werden mussten. Zudem erlebte die Sandsteinbrecherei im Lohmgrund und Gottleubatal bei Rottwerndorf und Neundorf einen starken Aufschwung. Als dritter Grund gilt das ab 1870 in Berggießhübel abgebaute Magnetiteisenerz, das nicht mehr vor Ort verarbeitet, sondern in die Königin Marienhütte bei Zwickau transportiert werden musste, wo es verhüttet wurde. Die Bahnlinie wurde 1970 (Personenverkehr) und 1976 (Güterverkehr) stillgelegt.

FFH Würdigkeit und zusammenfassende Zustandsbeurteilung

Die hohe Anzahl und Dichte der Lebensraumtypen von europäischer Bedeutung begründen die FFH Würdigkeit des Gottleubatales. Im Großen und Ganzen ist das FFH-Gebiet weiterhin in einem mittleren Zustand mit zum Teil positiver Entwicklung. Doch es bleiben diverse Probleme wie vor allem die Müllbeseitigung und stellenweise die Entbuschung. Es ist auf jeden Fall anzustreben die Gebietsbetreuung mittelfristig wiederaufzunehmen. Idealerweise wäre ein Format sinnvoll in der es auch den Raum und die finanziellen Möglichkeiten gibt, um kleinere Maßnahmen direkt umzusetzen. Im Gebiet sind folgende Lebensraumtypen (LRT) in unserem Projekt von besonderem Interesse (Auswahl):

Fließgewässer mit Unterwasservegetation: Die insgesamt acht Fließgewässerabschnitte im Gebiet sind grundsätzlich in einem mittleren Zustand. Vereinzelt treten neben den diversen Moosen auch Echte Brunnenkresse (Nasturtium officinale) sowie Bach-Ehrenpreis (Veronica beccabunga) auf, wobei sich diesbezüglich eine Zunahme verzeichnen lässt. Hervorzuheben sind die sehr oft auftretenden Strukturen wie z.B. Stromschnellen, Gesteinsblöcke und Kiesbänke sowie das vereinzelte Vorkommen des Eisvogels und der Grünen Flussjungfer.

Feuchte Hochstaudenfluren: Sie weisen im Großen und Ganzen eine mittlere Einschätzung auf. Auf einer Fläche wurde die Spanische Flagge mit 21 Individuen nachgewiesen. Ein Problem fast aller Flächen ist die zunehmende Ausbreitung von Neophyten wie Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica) und Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera). In vielen Bereichen wird dieser LRT sogar von den Neophyten dominiert.

Erlen-Eschen- und Weichholzauwälder: Sie zeichnen sich durch einen meist relativ hohen Totholz- sowie Habitatbaumanteil aus. Aufgrund dieser Tatsache kann von einer positiven Entwicklung dieser Wälder gesprochen werden. Jedoch gibt es auch Beeinträchtigungen, die sich analog wie bei den Fließgewässern um die Müllproblematik handeln, wobei der Übergang zwischen den Müllvorkommen im Fließgewässer zu den Auwäldern fließend ist. Ein weiteres Problem für vor allem die Bodenvegetation der Auwälder stellt das Vorkommen von Neophyten dar, wobei es sich insbesondere um den Japanischen Staudenknöterich.

Flachland-Mähwiesen: Die Flachland-Mähwiesen haben weiterhin meist einen mittleren Zustand. Die meisten Wiesen im Gebiet sind nährstoffreiche Mähwiesen mit Deckungsgraden von 70-85%. Es sind jedoch auch nährstoffärmere Ausprägungen sowie Mähweiden vorhanden, wo meist auch vermehrt seltenere Arten vorkommen.

Submediterraner Kalk-Trockenrasen: der im FFH-Gebiet vorkommende Submediterraner Halbtrockenrasen ist wegen seiner trocken-warmen und konkurrenzschwachen Standortbedingungen von sehr großer landesweiter Bedeutung. Da dieser LRT zu den letzten Zeugnissen extensiver Landnutzungsweisen gehören, sind sie naturschutzfachlich und kulturhistorisch äußerst wertvoll. Der einzige Bestand im SCI ist in einem mittleren Zustand und liegt leicht über dem landesweiten Durchschnitt.

Silikatschutthalten: Auf dem Lebensraumtyp fanden in diesem Jahr die größten Veränderungen statt. Auf allen drei Flächen erfolgte eine großflächige Entbuschung. Ermöglicht wurde dies durch die Zustimmung der Gemeinde Dohma und der SSW Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (Eigentümer). Die Maßnahme wurde in Eigenregie umgesetzt und hat zur Folge, dass die Flächen jetzt nur noch durch Abfallablagerungen beeinträchtigt werden.

Auf den Silikatschutthalten fanden in diesem Jahr die größten Veränderungen statt. Auf allen drei Flächen erfolgte eine großflächige Entbuschung. Ermöglicht wurde dies durch die Zustimmung der Gemeinde Dohma und der SSW Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH als Eigentümer. Foto und Maßnahme: Hendrik Schöne

Sie sind herzlich eingeladen, diesen bedeutenden Abschnitt unserer Kulturlandschaft mit ihren einzigartigen Zeugnissen der Nutzungsgeschichte, der Industriekultur und der Schönheit der Natur etwas abseits der großen Touristenströme zu entdecken.

 

Quellen: FFH Managementplan, FFH Gebietsbetreuerbericht 2020

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