Natur im Osterzgebirge

NATURA 2000 Gebietsbetreuung: Hohwald und Valtenberg

Einleitung

Natura 2000 ist ein EU-weites grenzenloses Netz von Schutzgebieten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 2009/147/EG) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat (FFH) Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG). Diese Gebiete dienen in besonderem Maße dem Schutz der biologischen Vielfalt durch den Erhalt von seltenen, gefährdeten oder typischen Lebensräumen oder Arten.

Die Grüne Liga Osterzgebirge ist Träger des NATURA 2000 Gebietsbetreuerprojektes im Landkreis Sächsische Schweiz Osterzgebirge (ausführliche Info im Grünen Blätt’l, Ausgabe April 2018). Die zweite Betreuungssaison des Projektes ist abgeschlossen. Die neue Saison ist in Vorbereitung. Und so werden wir in den nächsten Monaten weiter die betreuten Gebiete in loser Folge kurz vorstellen. Dieses Mal geht es um das Schutzgebiet der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie 092E „Hohwald und Valtenberg“.

Sagen, Mythen und Legenden

Der Hohwald mit dem Valtenberg als dessen höchste Erhebung ist ein Gebiet der Mythen, Sagen und Legenden. Sie haben nach Meische (1929) ihren geschichtlichen Hintergrund in dem einst hier betriebenen Bergbau. Das nahe Neustadt wurde um 1300 von Bergleuten aus Freiberg gegründet. Diese sollten die dortigen Goldbergwerke wieder in Gang bringen. In der Sage „Die Goldgrotte auf dem Valtenberge“ bspw. geht es um einen Goldschatz und um Habsucht und deren Folgen, hier mit einem Happy end: „…nicht dachte sie mehr an Gold und Wohlleben – ihr Mutterherz erfüllte die höchste Seligkeit. Sie schwelgte nur in einem Gedanken „Das Kind, das teure Kind ist wieder mein“…. Nicht die Schätze und das Wohlleben sind das Erstrebenswerte, sondern hier für die Mutter das eigene Kind. Für die Menschen die Mitmenschen, letztlich alle Mitlebewesen. Und in diesem Sinne die besondere Verantwortung in dem Natura 2000 Projekt.

Kurzcharakteristik

Der Hohwald befindet sich im westlichen Teil  des Lausitzer Berglandes und ist Teil der Lausitzer Granitplatte, die mit einer Fläche von  80 km x 40 km das größte geschlossene Granitgebiet Mitteleuropas ist. Dieses Granitgebiet wird hier hauptsächlich aus zwei verschiedenen granitischen Gesteinen aufgebaut. Dem Biotit-Granodiorit, der im allgemeinen Sprachgebrauch Granit genannt wird und dem Zweiglimmer-Granodiorit, der als Anatexit bezeichnet wird.

Mit ca. 30 km2 ist der Hohwald eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete des Oberlausitzer Berglands. Das raue Klima aber auch der Blockreichtum sorgte dafür, dass hier keine Besiedlung stattfand und der Wald als ursprüngliche Vegetationsform fortwährend bis heute erhalten blieb. Dabei hat sich ein bemerkenswerter Anteil an naturnahen Waldbereichen erhalten, die für viele schutzbedürftige und gefährdete Tierarten, so auch für Uhu und Haselmaus Voraussetzung sind (s. Tabelle).

Merkmale der schutzbedürftigen und gefährdeten, auf Störungsarmut angewiesenen Tierarten Uhu und Haselmaus

 

 

 

Reviergröße Besonderheit Lebensraum Bruthabitat

(Neststandort)

 

Uhu

(Bubo bubo)

40 km2 Standvogel, Anpassungs-fähig, Dämmerungs-aktiv abwechslungsreich strukturierte, störungsarme Landschaften, durchzogen von Hecken, Gewässern und Feldgehölzen sowie offenen Feldflächen Felswände, Nischen und Felsbänder; aber auch verlassene Greifvogelhorste
Haselmaus (Muscardinus avellanarius) Radius:

150 – 200 m

sehr scheu, Dämmerungs-

aktiv

Laub- und Mischwälder mit artenreicher Strauchschicht und strukturreicher Waldrandbiotope kleine selbstgebauten Kugelnester aus Zweigen, Gras und Blättern; manchmal auch in Baumhöhlen oder Vogelnistkästen

Haselmaus, Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Haselmaus.jpg

Uhu noch (!) Brutvogel, Foto: W. Gleinich

FFH Würdigkeit und aktuelle Zustandsbeurteilung

Die FFH Würdigkeit ergibt sich insgesamt aus der besonderen und teilweise überregionalen Bedeutung des Vorhandenseins eines großflächigen zusammenhängenden Waldgebiet mit einem hohen Anteil an naturnahen Wäldern mit Blockfeldern, zahlreichen Bächen, kleinflächigen Vermoorungen, zwei großen Steinbrüchen mit Blockhalden und offenen Felswänden und so eine Vielzahl an Habitaten schutzbedürftiger und gefährdeter sowie auf Störungsarmut angewiesenen Arten.

Die ehrenamtliche Gebietsbetreuung umfasst hier 14 Lebensraumtyp- (LRT-) und 9 Entwicklungsflächen (EF). Die Flächen sind bis auf zwei LRT-Flächen dem LRT-Code 91E0 (Eschenbach- und Quellwald, Erlen-Bachwald) zuzuordnen. Hinzu kommen ein Fließgewässer mit Unterwasservegetation (LRT-Code 3260) und eine Silikatschutthalde (LRT-Code 8150). Das größte Vorkommen des LRT Erlen-Eschen und Weichholzauenwälder (91E0*) befindet sich im südlichen Teil des Gebietes. Flächige Ausprägungen wurden vor allem in den etwas breiteren Bachstandorten entlang des Laubbaches südlich der Hohwaldstraße und in einer quelligen Mulde unmittelbar nördlich der Straße kartiert. Die meisten Bachwälder sind jedoch nur schmale Streifen, die die vorhandenen Fließgewässer oft auch nur auf relativ kurzer Strecke galerieartig begleiten. Ein Teil der LRT (6 von 14) weist einen guten Zustand auf. Der überwiegende Teil der LRT Flächen befindet sich jedoch in einem schlechten Zustand. Gründe dafür sind vielfältig:

  • Veränderung der Standortsbedingungen (fehlender Bachlauf/Quellbereich),
  • Baumartenentwicklung in angrenzenden Bereichen (Buchennaturverjüngung) drängt in die LRT-Flächen,
  • zunehmende Beschattung durch Fichten und andere Baumarten und
  • Schäden durch punktuelle, querende Überfahrung von Bachläufen durch Forsttechnik bei der forstlichen Bewirtschaftung.

Trotz der hier kurz skizzierten Probleme lohnt ein Besuch im Hohwaldgebiet und des Valtenberges. Lassen Sie die Naturschönheiten, die Sagen und Legenden, die Ruhe und die Störungsarmut auf sich wirken.