Natur im Osterzgebirge

Natura 2000-Gebietsbetreuung: Das Habitatseminar 2019

Am Sonnabend, 22. Juni 2019, fand das diesjährige Habitatseminar Natura 2000-Gebietsbetreuung statt. Eingeladen hatten die Grüne Liga Osterzgebirge und die Koordinatoren des Projektes. Trotz zahlreicher Parallelveranstaltungen kamen 13 Personen.
Frank Lochschmidt erläuterte in seiner Begrüßung, warum das Habitatseminar notwendig wurde: Die auf Wunsch der UNB in der vergangenen Kartiersaison erstmals durchgeführte Habitatbeurteilung relevanter FFH-Arten verursachte Unsicherheiten. Es gab für die ehrenamtlichen Gebietsbetreuer keine „Blaupause“, kein standardisiertes und erprobtes Verfahren. Der Probedurchlauf hatte eine Reihe Fragen aufgeworfen. Das Seminar sollte dazu dienen, sich der Beantwortung dieser Fragen ein wenig zu nähern.
Vormittags fand im Büro der Grünen Liga der theoretische Teil des Seminars statt: Dr. Hanno Voigt und Holger Lueg referierten zu biologischen und ökologische Grundlagen der Habitatbewertung ausgewählter Arten.
Dr. Hanno Voigt stellte naturschutzfachlich bedeutende Falterarten vor. Er erläuterte, warum bspw. das Habitat der Spanischen Flagge sich nicht auf den engen Streifen des Vorkommens des Wasserdostes beschränkt, sondern, wenn die Entwicklungsstufen des Falters mit einbezogen werden, das Spektrum an Nahrungspflanzen sehr viel größer ist und entsprechend auch das Habitat der Art. Die Faszination der Falter erklärt sich wohl nicht nur aus der Schönheit der Farben- und Formenvielfalt, sondern auch darin, dass jede Art entsprechend ihres Lebenszyklus’ seine Spezifik, seine ökologische Nische besitzt; manchmal ganz ausgeklügelt, wie bei den Wiesenknopf-Ameisenbläulingen und wieder ganz anders beim Nachtkerzen-Schwärmer oder dem Großen Feuerfalter.
Holger Lueg setzte sich in seinem engagierten Beitrag sowohl mit den Besonderheiten der Biologie und Lebensweise des Kammmolches als auch mit den komplexen ökologischen Habitatbedingungen und den wichtigsten Gefährdungsursachen sehr anschaulich auseinander. Er warb für:
· ein vertieftes ökologisches Verständnis beim Kammmolchschutz,
· mehr Öffentlichkeitsarbeit vor Ort,
· die Verringerung der Gefährdungsfaktoren (illegaler Fischbesatz, Verlandung, Isolation der Laichgewässer),
· die (weitere) Präsenz ehrenamtlicher Gebietsbetreuer vor Ort.
Herr Lueg empfahl für weitergehende Information die Nutzung folgender Internetseite: www.artensteckbrief.de
Ab Mittag ging es um die praktische Habitatansprache, Habitatbeurteilung sowie Möglichkeiten und Grenzen von Artnachweisen beispielhaft im FFH-Gebiet „Lockwitzgrund und Wilisch“. Die erste Station war der Teich bei Sobrigau. Es ist das einzige Kammmolch-Habitat mit einer Kammmolchpopulation im FFH-Gebiet. Im vergangenen Jahr, über Monate völlig trockengefallen, wurden als Artenhilfsmaßnahmen ein Wasserloch ausgebaggert und der Schilfgürtel eingedämmt. Die Habitatbedingungen haben sich auch durch diese Maßnahmen verbessert. Zunächst gab Holger Lueg Hinweise für die Beurteilung des Stillgewässers und für den Nachweis des Kammmolches. Nachgewiesen wurden neben Kammmolchlarven auch Blutegel, Laichkräuter und Armleuchteralgen.
Weiter ging es zur benachbarten Streuobstwiese, wo Dr. Jörg Lorenz nicht nur das Habitat, sondern auch den adulten Juchtenkäfer zeigte. Er wies in einem flammenden Statement auf den dringenden Pflegebedarf der Altbäume und auf das rechtzeitige Nachpflanzen potentieller Habitatbäume hin.
Auf der dritten Station in der Umgebung der Teufelsmühle wurden Habitate der Wiesenknopf-Ameisenbläulinge, Spanischen Flagge, Groppe und Fischotter durch Dr. Hanno Voigt angesprochen, Möglichkeiten und Grenzen der Artnachweise thematisiert und Pflegeoptionen sowie Chancen der Habitatbeurteilung diskutiert.
Herzlichen Dank an alle Referenten, Organisatoren und Teilnehmer!