Natur im Osterzgebirge

Lipská-hora-Wiese

Aufrechte Waldrebe, Schwarzwurzel, Blutroter Sturchschnabel

Halbtrockenrasen am Südfuß des Lipská hora im Böhmischen Mittelgebirge

Hinter dem Erzgebirgskamm geht die Welt weiter – spannend, voller Kontraste, hochinteressant – und teilweise atemberaubend schön. Die Rede ist vom Böhmischen Mittelgebirge. Trotz des Würgegriffs der umgebenden Kohletagebaue, Kraftwerke und Chemiefabriken findet sich zwischen den markanten Vulkankegelbergen eine außergewöhnlich artenreiche Flora von typischen Bergwiesenarten bis hin zu wärmeliebenden Steppenpflanzen.

1979 retteten einige Gymnasiasten aus Bílina in einer wilden Aktion einige seltene Pflanzenarten vor den Braunkohlkippen, die im Umfeld ihrer Heimatstadt weite Bereiche begruben. Sie pflanzten den Gelben Lein und die Aufrechte Waldrebe, die Spanische Schwarzwurzel und das Große Windröschen an einen geeigneten Magerhang am Südfuß des Lipská hora. Hier gedeihen sie noch heute – dank der aufwendigen Handmahd durch Naturfreunde des tschechischen Umweltverbands Arnika.

2009 bekam Arnika erstmals Unterstützung durch Helfer der Grünen Liga Osterzgebirge. Seither gehört der gemeinsame September-Wochenendeinsatz zum festen Programm beider Vereine. Die zwischenmenschliche Atmosphäre ist genauso einzigartig wie die Landschaft ringsum, das Sonnenaufgangserlebnis vom Gipfel des Berges einfach unvergesslich.

Eine ausführliche Darstellung der Lipska-hora-Geschichte stand im Grünen Blätt’l im November 2015.

erster gemeinsamer Einsatz 2009

Im Verlaufe von über zehn Jahren ist es gelungen, auf der seit langem brachliegenden und fast völlig verbuschten Fläche wieder einen artenreichen Halbtrockenrasen zu entwickeln. Von der Südhanglage auf Kalkmergelboden profitieren mindestens 60, wahrscheinlich sogar deutlich mehr Gräser und Kräuter.

Früher wurde all das gemähte Gras und das gerodete Gesträuch in großen Haufen verbrannt – sicher nicht die umweltfreundlichste Methode. Seit 2018 holt eine Schäferin das Mähgut.

weitere Infos zur Lipská-hora-Wiese gibt es hier.

Eine botanische Grobinventur durch Arne Beck im Herbst 2019, ergänzt um einige Angaben vom Frühjahr 2010, ergibt folgende, mit Sicherheit noch unvollständige Artenliste:

Achillea millefolium – Schafgarbe

Agrimonia eupatoria – Kleiner Odermennig

Ajuga genevensis – Behaarter Günsel

Anemone sylvestris – Großes Windröschen

Anthericum ramosum – Ästige Graslilie

Asperula cynanchica – Hügel-Meier

 Aster amellus –  Berg-Aster

Astragalus cicer – Kicher-Tragant

Astragalus glyciphyllos – Bärenschote

Brachypodium pinnatum – Fieder-Zwenke

Briza media – Zittergras

Bromus erectus – Aufrechte Trespe

Bupleurum falcatum –  Sichel-Hasenohr

Carex humilis –  Erd-Segge

 Centaurea jacea – Wiesen-Flockenblume

Cerinthe minor – Wachsblume

Cirsium acaule – Stängellose Kratzdistel

Cirsium eriophorum – Woll-Kratzdistel

Clematis recta – Aufrechte Waldrebe

Clinopodium vulgare – Wirbeldost

Colchicum autumnale – Herbst-Zeitlose

Euphorbia cuparissias – Zypressen-Wolfsmilch

Euphorbia esula – Esels-Wolfsmilch

 Falcaria vulgaris –  Sichelmöhre

Festuca spec. (valesiaca conf.) – Schwingel

Fragaria viridis –  Knack-Erdbeere

Galium verum – Echtes Labkraut

Gentianella ciliata – Fransen-Enzian

Geranium sanguineum – Blutroter Storchschnabel

Inula salicina – Weiden-Alant

Knautia arvensis – Acker-Witwenblume

 Leontodon hispidus – Rauer Löwenzahn

Leucanthemum vulgare –  Margarite

Linum catharticum –  Purgier-Lein

Linum flavum – Gelber Lein

Lithospermum officinale –  Echter Steinsame

Lotus corniculatus – Gewöhnlicher Hornklee

Melampyrum arvense – Acker-Wachtelweizen

Ononis spinosa – Dornige Hauhechel

Ophioglossum vulgatum – Natternzunge

Origanum vulgare – Oregano

Peucedanum cervaria – Hirschwurz

Picris hieracioides –  Gewöhnliches Bitterkraut

 Plantago media – Mittlerer Wegerich

Polygala comosa – Schopf-Kreuzblümchen

Potentilla neumanniana – Frühlings-Fingerkraut

Potentilla reptans – Kriechendes Fingerkraut

Primula veris – Wiesen-Primel

Prunella laciniata – Weiße Braunelle

Rhinanthus spec. – Klappertopf

Rubus caesius – Kratzbeere

Salvia officinale – Wiesen-Salbei

Salvia verticillata – Quirl-Salbei

Sanguisorba minor –  Kleiner Wiesenknopf

Scabiosa ochroleuca – Gelbe Skabiose

Scorconera hispanica – Garten-Schwarzwurzel

Senecio erucifolius – Raukenblättriges Greiskraut

Silaum silaus – Wiesen-Silau

Tetragonolobus maritimus – Gelbe Spargelerbse

Tragopogon dubius – Großer Bocksbart

Trollius europaeus – Trollblume

Veronica teucrium – Großer Ehrenpreis

Viola hirta – Raues Veilchen

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