Natur im Osterzgebirge

ND Babisnauer Pappel

17.9.2025

Schwarz-Pappel – Populus nigra

2025: Umfang 5,50 m / Höhe 15 m (2004: 5,15 m / 26 m)

weithin bekanntes und wegen seiner exponierten Lage sichtbares Naturdenkmal, beliebtes Ausflugsziel mit Aussichtskanzel

Zustand 2025:

Nach mehreren vorausgegangenen Kroneneinkürzungen wurden die Hauptstämme vor einigen Jahren gekappt (Kronensicherung noch drin); nur wenige Seitenäste sind noch belaubt; insgesamt stark reduzierte Vitalität; erhebliche Bodenverdichtung v.a. auf der Nordseite.

Die Landmarke wird längst durch die Silhouette der der beanchbarten Bismarckeiche (Siel-Eiche – Quercus robur) dominiert: Umfang der Eiche 3,30 m, Höhe ca. 17 m.

Ca. 10 m neben dem ND wurde 2008 eine neue Pappel gepflanzt.

 

Beschreibung bei baumdenkmale.org (2022):

Eigentlich schon etwas außerhalb des Osterzgebirge steht die gewaltige Schwarzpappel (nach unseren Messungen mit einem Umfang von 5,15 m, nach älteren sogar etwas mehr) auf dem Zughübel mit schönem Blick auf Dresden. Hier wurde sie 1808 als Grenzbaum zu einem benachbarten Flurstück vom Gutsbesitzer Johann Gottlieb Becke gepflanzt. Wohl nur für wenige Bäume in der Region ist die Lebensgeschichte so gut bekannt – und bei kaum einem sind auch vor Ort auf einem Schild so detaillierte Informationen zu finden. Der folgende Text beruht ganz wesentlich auf dem schönen Bericht von Magdalena Flügge für den Landesverein Sächsischer Heimatschutz.

Vielleicht war die Pappel bei der Pflanzung nur wenige Jahre alt, wuchs dann aber – arttypisch – schnell heran. Im Jahr 1866 wurde im Zuge des preußisch-österreichischen Krieges eine erste Beobachtungsplattform im Baum eingebaut, die aber dann letztlich nicht von großer Bedeutung war. Aber schon davor mag der Baum als „lebender Aussichtsturm“ bekannt gewesen sein, wie er auch später ein bekanntes und beliebtes Ausflugsziel war.

Diese Bekanntheit hat den Baum wahrscheinlich gerettet, da der spätere Gutsbesitzer und Eigentümer Gießmann den Baum fällen wollte. Seine auslandende, schattende Krone und das Wurzelwerk würden die die Erträge der angrenzenden Felder beeinträchtigen. Auch wurde befürchtet, dass bei einer Verlegung des ursprünglichen Weges weiterer Schaden bei der Nutzung eines Feldweges entstünde. So erwarb ihn der Gebirgsverein für die Sächsisch-Böhmische Schweiz und am 5. Januar 1937 wurde der Baum schließlich auch staatlich unter Schutz gestellt. Später pflanzten „Patrioten“ noch zwei Eichen (Bismarck- und Wettiner-Eiche) neben die Pappel.

Nach 1945 ginge der Baum mit Zwangs-Auflösung des Gebirgsvereins in „Volkseigentum“ über, blieb aber zugänglich. 1967 büßte die Pappel während eines Sturms ein Drittel ihrer Krone ein. In der Folgezeit wurden auch einzelne Pflegemaßnahmen durchgeführt und auch Ableger (Steckhölzer) genommen. Anfang der 1990er Jahre wurde der Baum leider auch als Müllabladeplatz genutzt und es kam 1993 zu einer Brandstiftung. 1996 erwarb der Landesverein Sächsische Heimatschutz das Flurstück und den Baum für den symbolischen Betrag von 1,- DM von der Treuhand.

Auch später kam es dann zu Astabbrüchen und auch Pilzbefall, was auf eine zunehmende Vergreisung des Baumes hindeutet – dennoch hat die Schwarz-Pappel bisher ein beachtliches Alter erreicht, wozu auch die jüngeren Sicherungsmaßnahmen sicher beigetragen haben (Einkürzungen, Sicherungsgurte, Metallbänder). Wahrscheinlich wird sie von den benachbarten Eichen aber deutlich überlebt; immerhin wurde aber schon 2006 eine damals 13-jährige Schwarzpappel als potenzielle Nachfolgerin gepflanzt. (Sebastian Dittrich)

 

Text auf der Infotafel des Landesvereins Sächischer Heimatschutz neben der Aussichtskanzel:

Kapitel im Buch „Mein Freund, der Baum“ von Dietrich Papsch (2011):

Darstellung in der Broschüre “Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge” (StUFA 2004):

ND-Nr.: wrk001

Lage: 800 m westlich Babisnau, am Wanderweg auf der Anhöhe nordöstlich des Zughübels

Gemarkung/Flurstück: Babisnau 35a, 36a; Golberrode 40, 41

Unterschutzstellung: VO d. Kreishauptmannes Dresden-Bautzen v. 28.12.1936; Beschlüsse des Rates  des Kreises Freital 1958 und 1988

Beschreibung: zerzauste und noch stattliche Schwarzpappel, Landmarke und beliebtes Ausflugsziel auf der stadtnahen Anhöhe südlich Dresden, 1808 als Grenzbaum gepflanzt, ein Hauptast fehlt schon

Stammumfang: 5,15 m

Kronendurchmesser: 14 – 19  m

Höhe: 26 m

Alter: 200 Jahre (1808 gepflanzt)

„Die 1808 vom Babisnauer Gutsbesitzer Johann Gottlieb Becke als Grenzmarkierung gepflanzte Schwarzpappel ist ein schönes Beispiel für die frühzeitig einsetzenden ehrenamtlichen Bemühungen zum Schutz landschaftsprägender Einzelbäume. Schwarzpappeln können in 30-40 Jahren über 30 m hoch werden. So wundert es nicht, dass der Gebirgsverein Sächsische Schweiz im Jahr 1884 den bereits damals markanten Baum kaufte und das Grundstück pachtete, um die bekannte Landmarke vor einer Fällung zu bewahren. Die erste Unterschutzstellung als ND im Jahr 1936 sicherte dieses schöne Exemplar einer Baumart, die heute landesweit als vom Aussterben bedroht gilt.

Wegen ihres exponierten Wuchsortes auf der Anhöhe neben dem Zughübel westlich Babisnau, in einer Höhenlage von etwa 300 m über NN, findet die Babisnauer Pappel regen Zuspruch natur- und heimatverbundener Menschen.Die inmitten der Agrarlandschaft stehende und vom Sturm gezeichnete Schwarzpappel ist ein beliebtes Ausflugsziel. Von hier bietet sich ein eindrucksvolles Panorama. Im Norden erkennt man über der breiten Elbtalweitung den bewaldeten Steilhang, der die Lausitzer Platte nach Süden begrenzt und sich vom Borsberg bis zu den Lößnitzhöhen verfolgen lässt. Im Osten wird das Relief der Tafelberge des Elbsandsteingebirges sichtbar. Im Süden umrahmt der Höhenzug mit Quohrener Kipse, Hermsdorfer Berg und Wilisch das Kreischaer Becken. Unterhalb des Standortes erstreckt sich die Landeshauptstadt Dresden. Wegen dieses großartigen Landschaftserlebens verinnerlichten viele Generationen die Pappel von Babisnau als „Baum der Heimat“.

Schon im 19. Jahrhundert setzten Bemühungen ein, den Blick auf die heimatliche Umgebung durch einen Aussichtspunkt zu verbessern. Während des preußisch-österreichischen Krieges errichteten sächsische Pioniere 1866 in der Pappel ein Beobachtungsgerüst. 1885 stand der Bevölkerung das erste hölzerne Aussichtsgerüst zur Verfügung Ein neues aussichtsgerüst folgte 1922.  In den Jahren 1958 bzw. 1963 wurde jeweils eine stählerne Aussichtsplattform aufgestellt und 1999 das jetzige Holzfachwerk in einer landschaftsangepassten Gestalt. 1996 hat der Landesverein Sächsischer Heimatschutz das Baumgrundstück erworben, auf dem auch eine schöne Stieleiche heranwächst. Der historisch wertvolle Baum wird seit 1994 von der Ortsgruppe Babisnau des Vereins sorgsam betreut.“

 

Eine ausführliche Darstellung gibt es auch unter https://de.wikipedia.org/wiki/Babisnauer_Pappel.