Natur im Osterzgebirge

ND Zwei Süntelbuchen an der Schneise 6 westlich Hartha

Rotbuche / Süntelbuche – Fagus sylvatica var. suentelensis

noch zwei von einstmals vier Exemplaren:

rechter (südlicher) Baum: Umfang 3,55 m / Höhe 18 m

linker (nördlicher) Baum: Umfang 1,50 m / Höhe 10 m

Zustand 2026: Kronen erscheinen nach wie vor vital, aber die Stämme sind von fortschreitender Holzzersetzung gekennzeichnet

rechter Baum: Aufteilung in zwei Hauptstämme in ca. zwei Meter Höhe, südlicher Hauptstamm sich danach wieder teilend, jedoch Hauptast vor längerer Zeit herausgebrochen, große Höhlung mit Pilzbefall (Lackporling); die beiden anderen Hauptäste weiter oben wieder zusammenwachsend

linker Baum: kleiner, unten ebenfalls vor längerer Zeit ein ehem. Hauptstamm herausgebrochen, auch erhebliche Holzfäule und zunehmende Zersetzung von innen;

jeweils im Stammfuß je eine kleine Eibe;

alter einbetonierter, schon stark verrotteter Pfahl mit Infotafel(n); neuen Pfahl mit ND-Schild daneben aufgestellt;

hinter den Bäumen Zaun um einen „Phänologischen Garten“ der TU Dresden

Beschreibung bei baumdenkmale.org (2022):

Ein Schild weist auf die Besonderheit dieser beiden bizarren Buchen hin, wobei die Angabe „vor 150 Jahren gepflanzt“ ohne Jahres-Bezug eher Rätsel aufgibt. Die Baumgruppe könnte um 1850 von Friedrich Wilhelm Cotta, dem ältesten Sohn des Gründers der Forstakademie Tharandt, begründet worden sein [1]. Ursprünglich war es eine Vierergruppe. Der vierte Baum ist längst vergangen, der dritte 1960 schon stark unterdrückte Baum ist in den 1990er Jahren abgestorben [3,4,7,8]. Zur Erhaltung wurden von den verbliebenen beiden Bäumen schon 2016 Edelreiser geschnitten und im forstbotanischen Garten auf junge Rot-Buchen gepfropft. Der Erfolg war bisher aber sehr gering [4].

Da sich die beiden verbliebenen Bäume in Belaubung und Fruchtmerkmalen unterscheiden [1], mag es sich um Nachkommen verschiedener Eltern-Bäume handeln. Die Herkunft scheint nicht gut dokumentiert zu sein. Für ähnlich alte Süntel-Buchen im Forstbotanischen Garten Tharandt vermerkt hingegen ein alter Gartenführer von 1905, diese seien „aus einem Bestande solcher Zwergbäume im Dorfe Hildese (Hannover) herübergeführt“ [6].

Nun gab es aber kein „Hildese“ im damaligen Königreich und der späteren preußischen Provinz Hannover. Sehr wahrscheinlich ist hier Hülsede gemeint, ein Dorf, das am Süntel liegt. Dieses kleine Mittelgebirge im heutigen Niedersachsen ist der locus classicus, also der Ort der ersten wissenschaftlichen Beschreibung dieser Buchenform. Es liegt nahe, dass Friedrich Wilhelm Cotta „seine“ Süntel-Buchen von dort holte – und die Bäume bei Hartha dazu gehörten. Letzte Sicherheit könnten nur genetische Untersuchungen, insbesondere Vergleiche mit Bäumen im Herkunftsgebiet, geben.

Beide Bäume zeigen die typische, glockenförmige Wuchsform der Süntel-Buchen mit den in sich verdrehten, zickzackförmigen Ästen. Nach wie vor ist das gemeinsame kuppelförmige Kronendach sehr dicht und spendet viel Schatten, so dass der Boden unter den Süntel-Buchen kaum bewachsen und weitgehend von Laubstreu bedeckt ist – leider auch hier und da mit Spuren menschlicher „Geschäfte“. Vom stärkeren Baum brach im Jahr 2000 ein dicker Ast ab und verblieb an Ort und Stelle [1]. Während Reste des abgebrochenen Astes 2022 noch auffindbar waren, sind von dem abgestorbenen dritten Baum keine Spuren mehr vorhanden.

Der Stamm der dünneren Süntel-Buche ist inzwischen weitgehend hohl. Am Stamm der dickeren Süntel-Buche zeigen sich schon seit mehreren Jahren Fruchtkörper des Flachen Lackporlings (Ganorderma applanatum) [2]. Dieser Pilz verursacht im Wurzel- und Stammfuß-Bereich geschwächter Laubbäume Weißfäule [5]. Die Stabilität der beiden Bäume, die als Naturdenkmal geschützt sind, ist aber wohl noch nicht stärker gefährdet. Es wäre allerdings wünschenswert, dass die nähere Umgebung nicht länger als wilde Toilette missbraucht wird. Auch ein zu starkes Betreten des Bodens dürfte den Bäumen nicht gut tun. Manchen Ortsansässigen sind diese Bäume offenbar auch gar nicht bekannt.

Quellen:

[1]   Dönig, G. 2020. Süntel-Buchen Fagus sylvatica var. suentelensis in Deutschland, Frankreich, Dänemark, Schweden und sonst in Europa. 3. Aufl. – Ortsgruppe Bad Münder des Heimatbundes Niedersachsen e.V.: 482 S.

[2]   Bestimmung durch M. Exner, Bad Münder. Mitteilung per E-Mail, April 2023.

[3]   https://www.saechsische.de/rueckschlag-bei-rettung-der-suentelbuchen-3535857.html – letzter Zugriff: 28.08.2022

[4]   https://www.saechsische.de/verwunschene-buchen-3349897.html – letzter Zugriff: 28.08.2022

[5]   Lichtenauer, A., Kowol, T. & Dujesiefken., D. 2020. Pilze bei der Baumkontrolle. – Braunschweig: 64 S.

[6]   Nobbe, F. & Büttner, G. 1905. Führer durch den akademischen Forstgarten zu Tharandt. – Berlin: 66 S.

[7]   StUFA Radenbeul 2004. Naturschutz regional: Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge. – Radebeul: 137 S.

[8]   Watzlawik, G. 1960. Die Süntelbuche. – Kulturleben im Kreis Freital 1960(4): 10-12.

Darstellung bei www.baumkunde.de

Standort: Internationaler Phänologischer Garten Tharandt-Hartha der TU Dresden

Typischer Süntel-Buchen-Habitus mit gewundenen Ästen und schirmförmiger Krone. Zweites, dünneres Exemplar direkt daneben. Des Umfangsmaß 2010 stammt von der DDG. Ursprünglich waren es vier Exemplare. Der Stamm des dritten Baumes lag noch eine Zeitlang in der Nähe, der vierte verschwand vor Jahren ohne bekannte Gründe.

Link: https://ddg-web.de/rekordbaeume.html?VCardId=589

Forum: https://www.baumkunde.de/forum/viewtopic.php?t=29150

Alter: 180

Umfang: 3.45 m (2010 gemessen)

Höhe: 12.0 m

letzter Besuch: 07.11.2025

Zustand: vital

Erwähnung im „Naturführer Ost-Erzgebirge“ (Band 3 „Naturkundliche Wanderziele“, 2007), S. 287

Sehr eigenartig mutet diese besondere, ziemlich seltene Wuchsform der Rot-Buche an. Die Äste sind vielfach gewunden und verschlungen und bilden bis dicht über den Boden reichende Kuppeln. Die Harthaer Exemplare wurden vor etwa 150 Jahren gepflanzt. Von ursprünglich vier Buchen sind noch drei vorhanden, eines als liegendes Totholz, die übrigen zwei zum Teil morsch, aber noch recht vital.

 

Darstellung in der Broschüre “Baum-Naturdenkmale in der Region Oberes Elbtal/Osterzgebirge” (StUFA 2004):

ND-Nr.: wrk046

Bezeichnung: Drei Süntelbuchen an der Schneise 6 westlich Hartha

Lage: am Waldrand und westlichen Ortsrand von Hartha, südlich des Hinzelhauses

Gemarkung/Flurstück: Grillenburg 136/16; Hartha 116/7

Unterschutzstellung: Beschlüsse des Rates des Kreises Freital 23.08.1958 und 17.10.1988

Beschreibung: ältere und schon angegriffene Gruppe von 3 Süntelbuchen, eindrucksvoll verschlungene seltene Wuchsform, an dieser Stelle vor ca. 150 Jahren im damaligen Forstpflanzgarten eingebracht

Stammumfang: 1,50 – 3,47 m

Kronendurchmesser: 15 – 17 m

Höhe: 6 – 12 m

Alter: 150 Jahre

Die Süntelbuche ist eine sehr seltene Wuchsform der Rotbuche, die erstmals im niedersächsischen Weserbergland im Süntel festgestellt wurde. Die süntelbuche dreht und windet ihre Äste, und eine dicht verzweigte Krone wölbt sich als filigrane Kuppel bis dicht über den Boden. Damit sieht diese ungewöhnliche Varietät der Rotbuche recht märchenhaft aus. Solche exemplare können älter als 250 jahre werden. Beim niedersächsischen Gremsheim trotzt die mit 14 m Höhe vermutlich größte bekannte Süntelbuche dem Verfall. Nach Analyse von Bohrkernen ist dieser Baum 205 Jahre alt. In älteren Berichten der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft wurden anfangs des 20. Jahrhunderts noch dichte und über 200 ha große Süntelbuchenwälder südwestlich Hanover geschildert. Als nutzloses „Teufels- und Krüppelholz“ mussten die meisten Bäume inzwischen weichen. Nur einzelne Süntelbuchen blieben erhalten. Bis heute ist die Ursache ihres besonderen Wuchses nicht vollständig geklärt.

Die Harthaer Süntelbuchen wurden vor etwa 150 jahren im ehemaligen Forstpflanzgarten angepflanzt. Heute stehen sie im Waldrandbereich, und ihre Äste ragen in den Internationalen Phänologischen Garten der Technischen Universität Dresden. Von den ursprünglich vier buchen sind zwei zum Teil morsch, aber noch recht vital. Das dritte Exemplar ist noch als liegendes Totholz erhalten, während von dem vierten nichts verblieb.