In Vorbereitung unserer Jahresversammlung Mitte Mai hat der Vorstand einen Fragebogen an alle Vereinsmitglieder und regelmäßig unterstützende Nichtmitglieder (v.a. aus dem Kreis der praktischen Naturschutzeinsätze) verschickt, um ein Meinungsbild zur Vereinsarbeit zu erhalten. Dabei konnten sowohl derzeitige Schwerpunkte eingeschätzt als auch Erwartungen zur zukünftigen Ausrichtung geäußert werden. Denn schließlich dreht sich die Welt weiter – und wir wollten wissen, ob und wie die Mitglieder und Freunde des Vereins eine entsprechende Weiterentwicklung unserer Arbeit wünschen, mittragen und auch mitgestalten möchten.
Seit vielen Jahren engagieren wir uns intensiv in den Themenbereichen Bergwiesen/ Grünland, Wildobst – insbesondere Wildapfel, Waldumbau und „Alte Bäume“, setzten uns gegen große Bauvorhaben (A17 oder B170 neu) ein, realisierten Umweltbildungsarbeit mit Schülern und Jugendlichen, veröffentlichten exzellente Naturführer, erarbeiteten Ausstellungen und Führungen für das Schloss Lauenstein und koordinierten die NATURA2000-Gebietsbetreuungen – die Liste könnte noch fortgesetzt werden. Seit zwei Jahren sind wir für die Region auch Servicestelle zur Bildung für nachhaltige Entwicklung, aber Themen wie z.B. Klimawandel und -anpassung, regenerative Energien oder Verkehrswende stehen aktuell kaum auf unserer Agenda. Vielleicht – so die Hoffnung – könnten über die Umfrage auch Menschen aus dem Vereinsumfeld aktiviert werden, sich bei der Grünen Liga Osterzgebirge zu diesen Themen zu engagieren.
In einer zweiten Befragungsrunde wollten wir das Meinungsbild eines größeren Interessentenkreises um den Verein einholen. Dafür haben wir im Grünen Blättl und auf osterzgebirge.org um Beteiligung gebeten. Die Resonanz war sehr gering. Eine statistische Auswertung dieser wenigen Antworten hat leider keine Aussagekraft – wir nehmen aber auch die dort geäußerten Anregungen dankbar auf.
Wir haben in der ersten Befragungsrunde insgesamt 51 Antworten auf unsere Fragebögen erhalten (von 29 Mitgliedern, 5 Fördermitgliedern und 17 Nichtmitgliedern aus dem Vereinsumfeld). Diese Antworten werden im Folgenden ausgewertet und grafisch dargestellt. Zur Einordnung: Unser Verein hat aktuell ca. 60 Mitglieder – allerdings können wir nur Meinungen auswerten, die uns auch übermittelt werden. Insofern präsentieren wir hier die Erwartungen der Mitglieder und Freunde des Vereins, die sich die Zeit genommen haben zur Weiterentwicklung des Vereins beizutragen.
72% der Antworten entstammen der Altersgruppe 46-65 Jahre, 20% der Gruppe 26-45 Jahre, „Ausreißer“ mit je 4% (je 2 Teilnehmende) waren unter 25 oder über 65 Jahre alt. Dies spiegelt ein Problem in der Altersstruktur unseres Vereins – aktuell fällt es uns schwer, Jugendliche und junge Erwachsene für die Mitarbeit im Verein zu gewinnen. Der im Vergleich zur Mitgliederliste sehr geringe Anteil an Antworten aus der Altersgruppe über 65 Jahre zeigt, dass viele ältere Vereinsmitglieder sich nicht mehr aktiv an der Gestaltung und Ausrichtung des Vereins beteiligen. Auch für diese Altersgruppe sind wir offenbar derzeit zu wenig attraktiv für ein Engagement.
Wie wichtig sind die aktuellen Arbeitsfelder des Vereins?

Abbildung 1: Anzahl der jeweiligen Nennungen (keine Prozentwerte!)
Besonders wichtig im aktuellen Betätigungsmix ist den Befragten praktische Naturschutzarbeit, Umweltbildung für Kinder und Jugendliche sowie die naturschutzfachliche Projektarbeit. Alle anderen Felder rangieren in der Gesamtwahrnehmung als etwas weniger wichtig. Offenbar werden die aktuellen Arbeitsfelder alle wertgeschätzt, keines wird als unwichtig oder gar überflüssig empfunden. Bei der Auswertung zeigte sich außerdem, dass die Einschätzungen zu den verschiedenen Punkten über die unterschiedlichen Altersgruppen sehr ähnlich verteilt waren.
Weitere, im Freitext aufgeführte, als besonders wichtig empfundene Aspekte unserer aktuellen Arbeit waren u.a. grenzüberschreitende Zusammenarbeit, Menschlichkeit, gemeinsamer Einsatz für die Natur des Osterzgebirges, Fairness miteinander und auf Augenhöhe miteinander diskutieren können, kompetente Ansprechpartner für Naturthemen, viel Expertenwissen gebündelt, Verbindung von ehrenamtlicher Naturschutzarbeit mit aktivem Erholungsurlaub in einer bunten Gemeinschaft.
Zukunftsthemen
Um die Relevanz potenzieller Zukunftsthemen zu erfassen, sollten aus sieben Themenbereichen maximal fünf ausgewählt werden, die den Befragten besonders wichtig erscheinen. Die genannten Themen werden aktuell von der Grünen Liga Osterzgebirge nur in geringem Umfang bzw. nicht bearbeitet. Im Durchschnitt wurden 3,7 „Zukunftsthemen“ gewählt, dabei waren durchaus Unterschiede in der Altersverteilung zu beobachten (betrachtet wurden nur zwei Altersgruppen, da die anderen beiden mit nur je zwei Teilnehmenden statistisch nicht auswertbar sind).

Abbildung 2: Dargestellt ist der prozentuale Anteil aller Befragten, denen die genannten Themenfelder besonders wichtig sind. Der untere Balken gehört jeweils zur jüngeren Altersgruppe, der obere zur älteren Gruppe.
Für die Zukunft besonders wichtig erscheinen das Gewinnen von (jüngeren) Mitgliedern und Unterstützern sowie Vorhaben zur Anpassung an den Klimawandel – jeweils häufiger von der jüngeren Altersgruppe gewählt. Möglicherweise ist diese dazu bereits umfassender informiert, setzt daher eher auf konkrete Maßnahmen und benötigt weniger „Information zu Klimawandel, Folgen & Handlungsmöglichkeiten“ – welche stärker von der älteren Teilnehmergruppe gewünscht wurde. Überraschend weniger im Fokus steht die Unterstützung der Bio-Landwirtschaft. Erstaunlich daher, weil sie in einer Kulturlandschaft wie dem Osterzgebirge eine Schlüsselfunktion im Artenschutz und Landschaftserhalt sowie in der regionalen Wertschöpfung einnehmen könnte/sollte und kurze Transportwege für eine regionale Bio-Kundschaft ermöglichen würde. Möglicherweise wird aber die Beschäftigung mit der wertschöpfenden Landnutzung nicht als Aufgabenfeld eines Naturschutzvereins angesehen? Ähnlich geringere Bedeutung wird zukunftsfähigen Verkehrskonzepten und erneuerbaren Energien beigemessen.
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass diese Themen von den Befragten als unnötig oder überflüssig erachtet werden – sie werden jedoch kaum im Aufgabenfeld des eigenen Umwelt- und Naturschutzvereins verortet. Die Ergebnisse stellen insofern eine Wichtung von Prioritäten dar, die vom Verein wohl hauptsächlich die Bearbeitung „traditioneller Naturschutzthemen“ erwartet.
Aktuelles und mögliches Engagement im und für den Verein
Abgefragt haben wir ebenso das aktuelle und „potentiell mögliche“ ehrenamtliche Engagement für den Verein. Die meisten der Befragten engagieren sich bereits für die Grüne Liga Osterzgebirge, aufgrund beruflicher und/oder familiärer Verpflichtungen ist ein „mehr“ überwiegend nicht möglich. Wie groß dieses regelmäßige, ehrenamtliche Engagement von Mitgliedern und Freunden ist -sei es bei Naturschutzeinsätzen, Grünem Blättl o.a. – erfahren wir immer wieder. Insofern gilt es vor allem, weitere „neue“ Menschen für die Naturschutz- und Vereinsarbeit zu begeistern.
Und nun? Wie wir mit den Ergebnissen umgehen wollen
Dank der zahlreichen Beteiligung haben wir mit dieser Umfrage ein Meinungsbild unserer Mitglieder und Unterstützer zur Vereinsarbeit erhalten. Das erhöht jedoch nicht die Arbeitskapazitäten der angestellten und ehrenamtlichen Engagierten, die mit den aktuellen Handlungsfeldern mehr als ausgelastet sind. Und diese werden ja – siehe Abbildung 1 – ebenso als wichtig empfunden. Kurzum – wenn die Grüne Liga Osterzgebirge neue Zukunftsthemen bearbeiten möchte, so sind wir auf Eure und weitere Unterstützung angewiesen! Sei es, indem wir eine Arbeitsgruppe für ein Thema etablieren oder Ideen und Anträge für Fördermittelprojekte entwickeln. Hierzu würden wir gern im kommenden Winter einen „Zukunftsworkshop Grüne Liga Osterzgebirge“ mit ernsthaft Interessierten – egal ob Mitglied oder nicht – durchführen. Wer also Kapazitäten und Motivation hat, sich in einem der aufgeführten Themen zu engagieren, melde sich bitte in den kommenden Wochen bei uns. Idealerweise per Mail an osterzgebirge@grueneliga.de, gern mit Thema und persönlichem Bezug dazu, Kapazitäten und Umsetzungsideen.
Wir freuen uns über Eure Ideen und Unterstützung! Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten bei der Erarbeitung, Umsetzung und Auswertung dieser Befragung.
Frank Lochschmidt und Jana Petzold