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Die Weißeritztalhänge zwischen Tharandt und Freital-Hainsberg - Brüderweg


Felshang am Brüderweg

Sehr empfehlenswert zum Wandern zwischen Tharandt und Freital-Hainsberg sind der Brüderweg am linken Weißeritzhang sowie der Leitenweg auf der gegenüberliegenden Seite, die jeweils einzeln oder auch als Rundwanderweg begangen werden können. In diesem Talabschnitt kann der Expositionsgegensatz zwischen Nord- und Südhang am besten studiert werden. Bei gleichem Gesteinsuntergrund (fast ausschließlich Gneis) und vergleichbaren Hangneigungen spiegelt die Artenzusammensetzung der Baum- und Krautschicht in eindrucksvoller Weise die gegensätzlichen Hangrichtungen wider. Der nordexponierte Hang ist kühl und feucht, während die südexponierten, wärmeren und zur Austrocknung neigende Hänge trockenheitstoleranten Pflanzen Lebensraum geben. Im März/April ist es durchaus möglich, dass am Brüderweg die ersten Spitz-Ahorne ihre Knospen öffnen und zur gleichen Zeit unterhalb des Leitenweges noch die letzten Schneereste lagern.


Waldgesellschaften im Weißeritztal (nach Baronius, Fiedler, Hofmann 1989)

Der Brüderweg beginnt ca. 200 m hinter dem Bahnhof Tharandt (in Richtung Ortsmitte) und steigt dann langsam, den Hang schräg schneidend an. (Achtung! Einige Stellen des Weges sind ausgesetzt, auch werden wegen der Steilheit des Hanges immer wieder Teile des Weges durch Muren verschüttet oder brechen ab, Trittsicherheit ist erforderlich. Der Brüderweg ist kein offizieller Wanderweg mehr).

Der Wald ist anfangs durch die kleinstandörtliche Vielfalt und die anthropogene Überprägung heterogen. Gleich zu Beginn verläuft der Weg in einem von Rot-Eichen dominierten Bestand, dem auch einige Robinien beigemischt sind. Diese nordamerikanischen Baumarten zeigen aber kaum Verjüngung, so dass die weitere Entwicklung abgewartet werden kann. Auffällig zeigen die Rot-Eichen ihr hohes Bedürfnis nach Licht, indem sie sich schräg aus dem Kronendach des Hanges herauszurecken versuchen.

Sonst überwiegen Hainbuchen und Eichen, daneben finden sich Rot-Buchen und Linden, im oberen Hangbereich Eschen und Berg-Ahorn und am Hangfuß vermehrt Spitz-Ahorn. Besonders die Hainbuche ist nutzungsbedingt gefördert worden, die Mehrstämmigkeit verrät die ehemalige Mittelwaldwirtschaft. Bei der Mittelwaldwirtschaft werden die Bäume in relativ kurzen Umtriebszeiten genutzt und die Verjüngung erfolgt über Stockausschläge.

Der Lindenreichtum kann auf zwei Faktoren zurückgeführt werden. Pflanzengeografisch besitzt die potenziell natürliche Vegetation bereits subkontinentale Elemente, der Eichen-Buchenwald-Gesellschaft ist deshalb oft Winter-Linde beigemischt. Außerdem hat die Linde auf den bewegten, stark schutthaltigen Hängen einen Konkurrenzvorteil.

Die Hänge sind durch Hangrippen und kleine Seitentälchen gegliedert, letztere mit sporadischer Wasserführung, oder aber auch als Trockenrinnen. Immer jedoch ist der Bodenwasserhaushalt und das Nährstoffangebot in den Seitentälchen besser als auf den Hangrippen, was durch den höheren Buchenanteil und die besseren Wuchsleistungen ersichtlich wird. Am Wegesrand stehen hier auch beeindruckende Exemplare des Berg-Ahorns.

Besonders üppig erscheint der Pastritzgrund. Die gefällereiche Pastritz ist ganzjährig wasserführend und bietet einige seichte Stellen im Gewässerlauf. Deshalb hat der Feuersalamander hier ein gutes Vermehrungshabitat. Wegen der Anreicherung von Nährstoffen aus der Gneisverwitterung und einem deutlichen Einfluss von Lößlehm sowie einer ganzjährig erhöhten Luftfeuchte ist in diesem Talgrund eine wesentlich artenreichere Bodenvegetation als an den steilen Hängen der Umgebung ausgebildet. Neben zahlreichen Gräsern und Farnen sind die Frühlingsblüher Scharbockskraut und Lungenkraut auffallend.


Scharbockskraut

Hinter dem Pastritzgrund werden die Hänge sehr flachgründig. Es überwiegen schwachwüchsige bis krüppelförmige Eichen. Selbst die sonst stetige Hainsimse geht zurück, Drahtschmiele und Heidelbeere dominieren. Auf den trockenwarmen Felsrippen ist die Zypressen-Wolfsmilch typisch, außerdem als weitere Baumart die Gemeine Kiefer. Vereinzelt kann die Pechnelke gefunden werden, welche den Namen wegen dem dunklen und klebrigen Ring unter jedem Stengelknoten bekommen hat.

Dieser Abschnitt findet sein abruptes Ende in der sogenannten "Buchendelle". Durch eine ehemalige Kahlschlagsfläche - die DDR-Forstwirtschaft nahm wenig Rücksicht auf Naturschutzbelange - und angrenzende Windwurflücke kann der Blick ungehindert in den Hainsberger Talkessel schweifen, in dem sich Wilde und Rote Weißeritz vereinigen. Diese Talweitung ist durch eine überregional bedeutsame Störzone - der Wendischcarsdorfer Verwerfung, als Teil der Mittelsächsischen Störung - möglich geworden.

Vor dem Betrachter liegt das Freital-Döhlener Rotliegendbecken und damit die geologisch genau bestimmbare Grenze des Erzgebirges. Leider ist die Verwerfung nicht aufgeschlossen, dennoch lässt sie sich relativ genau verfolgen. Nach der Wegkurve in die "Buchendelle" befindet sich oberhalb des Weges eine Steilwand mit anstehendem Gneis. Im hinteren Winkel der Buchendelle lagern direkt am Weg die aufgeklappten Wurzelteller einiger umgeworfener Buchen. Hier können im Schutt die Rotliegend-Konglomerate studiert werden. Der aufmerksame Wanderer entdeckt an dieser Stelle auch Exemplare der Echten Kastanie, die sich im wärmebegünstigte unteren Weißeritztal auch selbständig verjüngt. Außerdem ist unterhalb des Weges die natürliche Waldverjüngung nach Windwurf ganz exellent zu studieren!

Nicht weit nach diesem Wegeabschnitt teilt sich der Weg. Es ist möglich, die Wanderung am Hang zum Backofenfelsen fortzusetzen oder abzusteigen nach Freital-Hainsberg.

Auf der Somsdorfer Straße kann die Bahnstrecke überquert werden um dann nach rechts in den Leitenweg einzubiegen. Zuvor lohnt sich ein Abstecher in den Park der "Engländerei Heilsberg" (1840 im Stil eines englischen Landhauses errichtetes Gut, anstelle einer frühzeitlichen Wasserburg) mit schönen alten Gehölzen. Die Stadt Freital hat diesen Park zum "Geschützten Landschaftsbestandteil" erklärt.