Natur im Osterzgebirge

Schellerhauer Naturschutz-Praktikum

Studenten setzen sich für den Erhalt von Bergwiesen ein

Seit 1996 kommen alljährlich im August rund zwanzig Studenten und Studentinnen von verschiedenen Hochschulen ins Ost-Erzgebirge, um gemeinsam eine Woche lang praktischen Naturschutz zu betreiben – freiwillig und unentgeltlich. Die Grüne Liga Osterzgebirge bietet, neben teilweise schwerer körperlicher Arbeit, ein vielfältiges Programm mit Exkursionen, Vorträgen und Diskussionsrunden.

Das nächste Mal im Sommer 2019

Ursprung «Studentensommer«

Das Engagement von Hochschulen und ihren Studenten für praktische Naturschutzarbeit im Ost-Erzgebirge hat Tradition. Bereits in den 1980er Jahren fanden sogenannte Studentensommer in Oelsen und in Altenberg statt. Insbesondere dank des Einsatzes von Professor Siegfried Sommer halfen jedes Jahr Landschaftsarchitekturstudenten der TU Dresden mit bei der aufwendigen Pflege der Restbestände des einstmals großräumigen Oelsener Wiesenkomplexes. Im NSG Geisingbergwiesen waren es Studenten (bzw. vorrangig: -innen) der Dresdner Pädagogischen Hochschule (dort organisiert unter anderem von Prof. Wolfgang Kaulfuß) sowie drei bis vier Tharandter Forststudenten, die alljährlich im Juli bei der Mahd und Heuernte mitwirkten. Vor Ort wurden sie von lokalen Naturschutzakteuren angeleitet, wie Christian Kastl und Bernd Rehn in Oelsen bzw. Erhard Kubatzsch am Geisingberg.

Für die jungen Menschen boten diese Studentensommer wertvolle Möglichkeiten, eigene praktische Naturschutzerfahrungen zu sammeln, die ihnen als künftige Landschaftsplaner, Biologielehrer oder Förster noch zugutekommen sollten. Andererseits konnten so wenigstens einige der wertvollsten Berg- und Feuchtwiesen vor dem Verfilzen und Verbuschen, oder dem Überweidet- und Zerfahrenwerden bewahrt werden.

Zusätzlich fanden sowohl vor, als auch nach der “Wende” immer wieder Naturschutzeinsätze von Studentenumweltgruppen, insbesondere der TU-Abteilung Forstwirtschaft Tharandt, im Ost-Erzgebirge statt.

Neuanfang in Schellerhauer Weißeritzwiesen

1996, als die traditionsreichen Studentensommer eingestellt waren, entschloss sich die Grüne Liga Osterzgebirge, einen Versuch zu unternehmen, auch künftig das Potential zu nutzen. Speziell ging es nun um Pflegemaßnahmen im neuen (1994 ausgewiesenen) Naturschutzgebiet Schellerhauer Weißeritzwiesen. Der größte Teil konnte zwar mit teurer Spezialtechnik gemäht werden, nicht jedoch die besonders empfindlichen und artenreichen Nieder-/Zwischenmoorbereiche bzw. nassen Borstgrasrasen. Hier ist mühsame Handmahd (Sense, Motorsense, teilweise Einachsmäher) sowie Beräumung mittels Plastikplanen und der Muskelkraft erforderlich.

Bis 2011 organisierte Jens Weber das Schellerhauer Naturschutzpraktikum, seither die Biologin Melanie Forker.

Inhalte und Ablauf des Praktikums

Die Maximal-Teilnehmerzahl beträgt 20 Personen. Eingeladen werden insbesondere Studierende “grüner Fachrichtungen” von Hochschulen in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin. Nachdem auch vorher schon gelegentlich einzelne ausländische Studenten (aus Tschechien, Frankreich, England, der Slowakei) am Naturschutzpraktikum teilgenommen hatten, bestehen seit 2008 Kontakte zur Comenius-Universität in Bratislava, woraufhin nun alljährlich sechs bis sieben slowakische Teilnehmer dabei sind. Mittlerweile werden alle Führungen, Vorträge und Arbeitseinweisungen auf Englisch angeboten bzw. übersetzt.

Unterkunft und Basis beim Praktikum war bis zu ihrer Schließung im Jahr 2005 die Schellerhauer Jugendherberge Rotwasserhütte, seither bietet dies in idealer Weise der Mayenhof Schellerhau (Landschulheim des Dresdner Kreuzgymnasiums).

Finanziell unterstützt wird das Schellerhauer Naturschutzpraktikum durch die Naturschutzbehörde des Landkreises. Hinzu kommen Fördergelder für die Biotoppflegemahd.

Nun soll das Ganze aber ein faires Geben und Nehmen sein. Darum haben wir um die manuelle, körperlich auch ziemlich anstrengende praktische Wiesenpflege ein buntes Programm gebastelt, das den Teilnehmern Einblicke in möglichst viele verschiedene Aspekte des Naturschutzes im Osterzgebirge vermitteln soll. So setzt sich das Praktikum zusammen aus

  • zwei Tagen Mahd und Beräumung artenreicher Naßwiesen mit Demonstration und praktischer Unterweisung an verschiedener Pflegetechnik
  • je ein Tag Arbeit im Forstamt Altenberg und im Botanischen Garten Schellerhau
  • drei Wander-Exkursionen, Vorträge, etc.
  • vielfältige Diskussionsmöglichkeiten mit Naturschützern und Förstern aus der Region

Erfolg gibt Recht

Dennoch wird das Praktikum als sehr erfolgreiches Modell für den praktischen Naturschutz betrachtet. Wichtig sind vor allem die zahlreichen Gesprächsmöglichkeiten mit lokalen Naturschützern – und zwar für beide Seiten. Den Studenten werden Wissen und Erfahrung vermittelt, die alteingesessenen Naturschützer demgegenüber mit neuen ökologischen Erkenntnissen konfrontiert. Aber auch mit Grundfragen zu Sinn und Art der herkömmlichen Biotoppflege, über die sonst kaum noch nachgedacht wird.

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