Natur im Osterzgebirge

NSG Müglitzhang bei Schlottwitz

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(78 Hektar, seit 1974, landesweite NSG-Register-Nummer: D64)

Ins Müglitztal bei Schlottwitz kommen viele naturkundlich interessierte Besucher: Geologen an die linke Talseite, Baumfreunde gegenüber an die Flanke des Lederbergs. Hier wächst Sachsens größter natürlicher Eibenbestand mitsamt einem als “Tausendjährige Eibe” bezeichneten Naturdenkmal. Doch auch darüberhinaus hat der 200 Meter aus der Müglitzaue aufragende Steilhang reichlich Erlebenswertes zu bieten: Felsklippen mit letzten Wacholdersträuchern und ausgedehnte , flechtenbesetzte Blockhänge, südexponierte Hangbereiche mit wärmeliebender Waldvegetation sowie frühblüherreiche Schatthang- und Hangfuß-Waldbestände.

Nutzungsgeschichte

Die rund drei Kilometer lange, bis 200 Meter breite Aue der Müglitzweitung wird von der Ortschaft Schlottwitz eingenommen – zum größten Teil allerdings erst einige Jahrzehnte lang.  Vermutlich seit dem Entstehen der Dörfer auf den umliegenden Hochflächen im 12./13. Jahrhundert wurde in der Gegend ein bescheidener, aber für die Versorgung der Dorfschmieden wichtiger Eisenbergbau betrieben. Insgesamt sollen um Glashütte rund 100 Zechen in Betrieb gewesen sein – sicher auch im Zechenaubachtal, das dem Lederberghang gegenüberliegt. Am oberen Ende der Müglitztalweitung, wo die Trebnitz mündet, befand sich im Spätmittelalter ein Eisenhammer, über die Eisenstraße verbunden mit den ergiebigen Erzvorkommen von Berggießhübel und dem “neuen Schmiedewerk bei Dippoldiswalde” (Schmiedeberg).

Schlottwitz von Neudörfel aus gesehen

Der größte Teil der Müglitzaue blieb noch bis ins 20. Jahrhundert unbesiedelt. Zu riskant waren die Bedingungen angesichts des lange weitgehend ungezähmten Flusses. Dabei änderte sich die Aue selbst: Anfangs handelte es sich um eine weitgehend bachschotterbedeckte Ebene, durch die sich die Müglitz nach jedem Frühjahrshochwasser einen oder mehrere neue Gewässerläufe bahnte. Nach den großen Rodungen der Hochflächen brachte das Gewässer aber reichlich Erosionsmaterial mit. Diesen vorherigen Ackerboden (plus “Pochschlämme” der Altenberger Zinnaufbereitung) lagerte die Müglitz in ihrem “Entspannungsgebiet” ab: der Müglitzweitung, wo sich der Fluss natürlicherweise über eine breite Fläche ausdehnen kann und dabei an Kraft verliert.  Im Hochwasserfall geschieht dies auch heute noch, was 2002 die Schlottwitzer beim Ausschaufeln ihrer Keller erfahren mussten.

Am Lederberg findet man
viele alte Grenzsteine.

Der fruchtbare Auenboden wurde überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Außerdem entstanden ein halbes Dutzend Mühlen sowie, am Rande der Talweitung, einige weitere Häuser. Mitten durch die kleinen, verstreuten Siedlungsteile verlief die Grenze zwischen den Herrschaften Reinhardtsgrimma und Liebstadt (später: Weesenstein). Mehrere Grenzsteine am Lederberg mit der Aufschrift “RW” (“Rittergut Weesenstein”) weißen noch darauf hin.  Die Bezeichnung “Edelmannsteig” des oberen Hangwegs ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass der Rittergutsbesitzer hier höchstselbst die Grenzen seines kleinen Reiches abschritt.

Vor 100 Jahren war Schlottwitz
bereits Ausflugsziel.

Erst 1950 wurden Ober- und Niederschlottwitz zu einer gemeinsamen Ortschaft vereint. Kurze Zeit  später begann die planmäßige Bebauung der Aue mit Wohnblocks für Arbeitskräfte der Glashütter Betriebe.  Auch Schlottwitz selbst erfuhr im 20. Jahrhundert eine kleine “Industriealisierung”, insbesondere mit einem heute noch produzierenden Maschinenbaubetrieb.

Eine ökologisch kritische Phase erlebten die 1980er Jahre, als in Niederschlottwitz ein großes “Agrochemisches Zentrum” betrieben wurde.

Der Name “Lederberg” geht mit hoher Wahrscheinlichkeit auf die frühere Waldnutzung zurück. Wie auch anderswo im unteren Ost-Erzgebirge wurde von den auf den mageren Oberhangböden wachsenden Eichen der Grundstoff für die in der Gegend verbreitete Lohgerberei gewonnen.  Verbunden mit dem Schälen der Rinde junger Eichen – der Eichenlohe – war eine niederwaldartige Nutzung der Waldbestände.

Ebenfalls nachhaltige Auswirkungen hatte die Viehhutung an den steilen Müglitzhängen. Diese muss solche Ausmaße erreicht haben, dass  die meisten Baumarten keine Chance zur Verjüngung bekamen. Wie alte Fotos belegen, war das heutige NSG vor rund einhundert Jahren weitgehend waldfrei – allerdings durchsetzt von Eibengruppen. Auch Wacholder – als typischer Hutungszeiger – muss wesentlich zahlreicher vertreten gewesen sein, als dies die heutigen Einzelsträucher vermuten lassen.

Frostspanner

Seither hat sich wieder ein nahezu geschlossener Waldbestand entwickelt. Es erfolgten auch Fichtenaufforstungen, die jedoch inzwischen, nach mehreren Trockenjahren, Borkenkäfern zum Opfer fallen. Auch die naturnahen Eichenbestände unterliegen mitunter Massenvermehrungen von Eichenwicklern und Frostspannern, können sich jedoch immer wieder regenerieren.

Die sogenannte “Tausendjährige Eibe”  wurde 1939 als Naturdenkmal ausgewiesen. 1974 erfolgte die Unterschutzstellung des NSG, zunächst unter der Bezeichnung “Eibensteilhangwald im Müglitztal”, 1977 umbenannt in “Müglitzhang bei Schlottwitz”. Dieses ist heute Bestandteil des Landschaftsschutzgebiets “Unteres Osterzgebirge” sowie des europäischen Schutzgebietsnetzes “Natura 2000” (im sog. Flora-Fauna-Habitat-Gebiet “Müglitztal” und im Vogelschutzgebiet “Osterzgebirgstäler”).

Schlottwitzer Heimatverein
beim Eibenschützen

Der Landesverein Sächsischer Heimatschutz hat die Waldbestände langfristig gepachtet und bemüht sich, eine naturschutzgerechte Entwicklung sicherzustellen. Die wichtigste Unterstützung kommt dabei vom Schlottwitzer Heimatverein, der sich für Eibenschutz ebenso einsetzt wie für Wegeinstandhaltung und -ausschilderung.  Auch dank der guten Erreichbarkeit mit der Müglitztalbahn hat sich das NSG zu einem oft besuchten Naturerlebnisraum entwickelt.

Naturraum

Die Schlottwitzer Müglitzweitung gehört zu einer vermutlich das gesamte Ost-Erzgebirge durchlaufenden, sehr alten geologischen Nord-Süd-Störungslinie. Aufsteigende Dämpfe und Lösungen füllten diese tektonische Spalte unter anderem mit Baryt (Schwerspat) und Quarz. Letzterer ist teilweise als Achat und Amethyst ausgebildet, heutzutage Ziel zahlreicher Sammler, aber auch Plünderer mit kommerziellen Absichten.

Blick von Südwesten über die Schlottwitzer Müglitzweitung zum Lederberg.

Von Westsüdwest her ziehen sich darüber hinaus Quarzporphyr(=Rhyolith)-gänge des “Sayda-Berggießhübler Gangschwarms” durch den ansonsten vorherrschenden Grauen Biotitgneis. Ein besonders mächtiger solcher Porphyrzug quert in Schlottwitz das Müglitztal. Vermutlich hat dieses nahezu rechtwinklige Aufeinandertreffen zweier Störungszonen zu immer wiederkehrender, im Endeffekt außerordentlich heftiger Zerrüttung der Gesteine geführt. Die unzähligen Klüfte boten dann später dem Wasser reichlich Ansatzpunkte, so dass die Müglitz hier diese auffällig große Talwanne ausräumen konnte.

Quarzporphyr-Klippe

Begrenzt wird diese Müglitzweitung auf ihrer Ostseite von dem Steilhang, der abrupt von der 230 bis 260 Meter über Meeresniveau liegenden Talaue bis zum 447 Meter hohen Lederberg aufragt. Hier wird besonders augenfällig, was auch andernorts im Ost-Erzgebirge, ja auf der Nordhalbkugel generell, festzustellen ist: die östlichen Talseiten sind meistens deutlich steiler als die westlichen. Ursache dafür ist die Corioliskraft der Erdrotation. Bei süd-nord-fließenden (oder umgekehrt) Flüssen wird das Wasser stärker gegen das Ostufer gedrückt, so dass sich dort mehr und größere Prallhänge ausbilden können.

Mit Hangneigungen von teilweise 100 % (45 Grad) über 200 bis 300 Meter bietet die Westseite des Lederberges eine eindrucksvolle Kulisse. Besonders prächtig ist das NSG zum Laubaustrieb im Frühjahr sowie während der Herbstfärbung zu erleben. Durchragt wird die Bergflanke von mehrere Porphyrklippen, deren größte die  Schlottwitzer “Gake” (= Krähe) nennen.

Porphyr-Blockhang

Dazwischen erstrecken sich große Blockfelder, ebenfalls vor allem mit Quarzporphyr-Bruchstücken. Dabei handelt es sich um das Resultat der vergangenen Eiszeiten. Das Ost-Erzgebirge lag zwar südlich der polaren Gletscher. Doch die großen Temperaturschwankungen setzten im – vegetationsfreien – Gletschervorfeld eine intensive physikalische Gesteinsverwitterung in Gang. Während sommerlicher Schmelzphasen drang Wasser in die Klüfte ein. Beim Gefrieren dann dehnte sich das zu Eis erstarrte Kluftwasser aus, bis die Felsen schließlich in größere und kleinere Blöcke auseinanderfielen. Dies geschah erst vor wenigen zehn- bis hunderttausend Jahren – geologisch eine sehr kurze Zeit. Deshalb konnte die nach dem Ende der Eiszeiten einsetzende chemische/biologische Verwitterung hier noch nicht das Werk der physikalischen Verwitterung zu Ende führen.

Besonders der “saure” Quarzporphyr widersetzt sich der Auflösung der Mineralverbände.  Wo dieser als Grundgestein ansteht, entwickeln sich auch nur flachgründige, an pflanzennotwendigen Mineralien arme Böden. Am schwersten haben es Bäume und andere Gewächse an den Oberhängen, wo das Niederschlagswasser rasch abfließt bzw. in den zahllosen Porphyrklüften versickert.

Am Unterhang hingegen tritt an etlichen Stellen Kluftwasser wieder an die Oberfläche. Dies ist beispielsweise an der “Tausendjährigen Eibe” der Fall, die sicherlich auch aufgrund dieser steten Wasserzufuhr alt werden konnte.

In den Gneis-Schluchten des Müglitztales
können üppige Laubmischwälder wachsen.

Wo Gneis ansteht, kann die Verwitterung tiefgreifender wirken. Das nach Starkniederschlägen vom Lederberg bzw. der umgebenden Großröhrsdorf-Seitenhainer Hochfläche abfließende Wasser hat sich zu tiefen Hangrinnen und Seitentälchen eingraben können. Nach einigen Tagen bis Wochen ohne Regen trocknen die Gewässer aber nach und nach aus.

Gneis liefert Böden mit deutlich mehr Pflanzennährstoffen als der Quarzporphyr. In den Hangmulden stocken deshalb edellaubholzreiche Hangmischwälder. Das üppigste Pflanzenwachstum hingegen ermöglichen die kleinen Schwemmkegel am Fuße des Naturschutzgebiets.

Im Hochwasserfall (2002) benötigt die Müglitz
ihre gesamte Aue.

Die Müglitz selbst, die teilweise die Grenze des NSGs bildet, hat mit den Aufräumarbeiten zum Hochwasser 2002 und den nachfolgenden, bis heute anhaltenden “Gewässerinstandsetzungsmaßnahmen” ihren naturnahen Bergfluss-Charakter weitgehend eingebüßt. Das Flussbett musste als Ersatzstraße für Bagger und Bundeswehrpanzer dienen und dafür von allem beräumt werden, was hinderlich war. Dazu gehörten auch Felsen, die mindestens seit der letzten Eiszeit schon Bestand hatten.

Vegetation

Der größte Schatz des Naturschutzgebiets sind die Eiben, die auch primär zur Unterschutzstellung geführt haben. Circa 300 Exemplare umfasst das Vorkommen, die tatsächlich autochthon (gebietsheimisch) sein dürften – mithin der größte natürliche Eibenbestand Sachsens! Wahrscheinlich war die Eibe einstmals ein gar nicht so seltener Baum in der Hügellandzone (bis 400 m üNN) des Erzgebirges. Doch sein zähes Holz galt als höchst kostbarer Rohstoff, zum Beispiel für die Herstellung von Bögen und Armbrüsten. Andererseits fürchteten Fuhrwerksbesitzer die Giftigkeit und beseitigten Eiben, wo immer diese ihren Pferden, die der Art gegenüber wohl besonders empfindlich sind, gefährlich werden konnten. Schafen und Rehen wiederum scheint das Alkaloid Taxin weniger auszumachen; wo Eibenverjüngung aufkommt, zählt diese zu ihren bevorzugten Speisen. Und nicht zuletzt: Eiben wachsen sehr, sehr langsam.

Naturdenkmal “Tausendjährige Eibe”

So dürften auch die meisten Exemplare am Lederberg schon deutlich älter als hundert Jahre sein. Das wirkliche Alter der „1000-jährigen Eibe“ ist übrigens nicht mehr zu ermitteln, zu verwachsen sind die Stammwülste, und im Inneren klafft ein großer Hohlraum. Aber 3,50 Meter Stammumfang sind immerhin sehr beachtlich. Bereits 1918 würdigte der Landesverein Sächsischer Heimatschutz in seinen “Mitteilungen” (Braeß 1918) den Schlottwitzer Eibenbestand. Danach ist offenbar nicht allzuviel Nachwuchs herangewachsen. Rehe und die im Lederberggebiet in den 1930er Jahren ausgesetzten Mufflons fressen alles weg, was nicht an wirklich unzugänglichen Steilstellen gekeimt hat. Oder aber durch Drahtkörbe geschützt wird, die von Schlottwitzer Naturfreunden seit den 1990er Jahren über den nun erfreulich zahlreichen Eibenjungwuchs gesetzt werden.

Augenfällig ist der ausgeprägte Schattbaumcharakter der Eibe. Angeblich soll sie selbst mit nur einem Prozent des Sonnenlichts überdauern können. Andererseits werfen die dunkelgrünen Eibenkronen selbst so viel Schatten, dass darunter fast keine Bodenflora aufkommen kann.

Im Ost-Erzgebirge gibt es nur noch
sehr wenige wilde Wacholdersträucher.

Am entgegengesetzten Ende der Lichtbedürftigkeit steht ein anderes Nadelgehölz von regionaler Naturschutzrelevanz: der Wacholder. Als der Lederberghang noch weitgehend kahl war infolge der Hutung mit Ziegen und/oder Schafen, müssen hier viele Wacholdersträucher gestanden haben. Braeß (1918) spricht noch von einem “reichen Bestand”. Heute, nach der natürlichen Wiederbewaldung, sind es allenfalls ein dutzend Exemplare, die sich an den noch unverschatteten Felsklippen festkrallen. Auf solchen Extremstandorten kommt selbst der an sich sehr genügsame Wacholder an seine Grenzen und scheint nur “geradeso” überdauern zu können. Auch anderswo im Ost-Erzgebirge gab es früher Wacholder. Mit einem Artenschutzprojekt will die Grüne Liga Osterzgebirge in den nächsten Jahren Maßnahmen zum Erhalt des Wacholders in der Region ergreifen.

Pfi rsichblättrige
Glockenblume

Die trockenen Oberhänge und Felsriffe tragen im Übrigen einen niedrigwüchsigen Baumbestand mit krüppligen Eichen, Birken und Kiefern. Über Quarzporphyr gedeihen nur anspruchslose Arten der Bodenflora: Heidekraut, Heidelbeere, Maiglöckchen, Wiesen-Wachtelweizen, zwei bis drei Habichtskräuter, Drahtschmiele. Auf sonnenexponierten Hängen über Gneis (der auch unter den trockenen Bedingungen mehr Pflanzennährstoffe bereithält) wächst typischer Färberginster-Traubeneichenwald, an der Hirschsteigkoppe zum Beispiel mit Schwärzendem Geißklee, Schwalbenwurz und Pechnelke. Etwas besser wasserversorgte, aber immer noch wärmebegünstigte Standorte beherbergen Großblütigen Fingerhut, Pfirsischblättrige Glockenblume und Salomonsiegel.

An Felsen findet sich (reichlich) Tüpfelfarn und (selten) Nördlicher Streifenfarn. Auffällig ist der üppige Efeubewuchs mancher Felsen, hier wie auch an Bäumen seit einigen Jahren anscheinend mit deutlich zunehmender Tendenz.

Blockhalden sind der Lebensraum
vieler Moos- und Flechtenarten.

Die Porphyr-Blockhänge galten noch vor nicht allzu langer Zeit als möglicherweise natürlich waldfreie Standorte. Doch selbst hier können sich Gehölze durchsetzen, zwar langsam, aber stetig. Die Tendenz zur Rückeroberung durch Eichen, Berg-Ahorn, Kirsche, Birke, Eberesche und ziemlich durchsetzungsstarken Haselsträuchern ist unübersehbar. Mit ihrem Laub bereiten sie den Boden für Drahtschmiele, Große Fetthenne, Gewöhnliches Habichtskraut und sogar Wurmfarn, wo genügend Feuchtigkeit herrscht. Noch aber ist es der Reichtum an Nabel- und Schüsselflechten, der die Blockhalden auszeichnet.

Hohler Lerchensporn

In den schattigen, fast schluchtartigen Hangmulden haben sich Laubmischwälder wechselnder und vielfältiger Zusammensetzung entwickelt, mit Eschen, Berg- und Spitz-Ahorn, Winter- und Sommer-Linden, Rot-Buchen und Trauben-Eichen, Kirschen und, vereinzelt noch, Berg-Ulmen. Ebereschen und große Haselsträucher bilden eine zweite Baumschicht, vor allem Schwarzer und Hirsch-Holunder die Strauchschicht. Darunter wachsen u.a. Wald-Flattergras, Wald-

Schwingel, Frauen- und Wurmfarn, Haselwurz, Hexenkraut und Goldnessel. Am Hangfuß, unmittelbar hinter den Häusern und Gärten, erreichen Hainbuchen bis zu 15 Metern, für diese Art hier in der Nähe ihrer natürlichen Höhenverbreitungsgrenze beachtliche Größen. In der Bodenvegetation treten Hohler Lerchensporn, Bär-Lauch, Wald-Bingelkraut, Süße Wolfsmilch u.a. hinzu. Leider wird gerade hier an etlichen Stellen überreichlich Gartenmüll entsorgt.

Stattliches Knabenkraut

Selbst vor dem steilen, trockenen und eigentlich gänzlich ungeeigneten Lederberghang machte die Fichtenforstwirtschaft des 19. und 20. Jahrhunderts keinen Halt, ebensowenig wie heute die Borkenkäfer. An wenigen Stellen, z.B. unterhalb des Weges am Mittelhang, wachsen auch noch einige, wenige Weiß-Tannen. Am Oberhang hat irgendwann wohl ein Waldbesitzer oder Förster einen Versuch mit nordamerikanischen Weymouthskiefern (Stroben) unternommen. Auch der botanische Laie erkennt hier die Lebensfeindlichkeit der sauren Stroben-Streu.

Unbedingt erwähnt werden muss noch das Flächennaturdenkmal “Wiese Oberschlottwitz”, nach dem ehemaligen Besitzer eher bekannt als “Herrmannwiese”, am Südrand des Naturschutzgebiets. Dank aufwendiger Pflege durch die Naturbewahrung Osterzgebirge gGmbH gedeihen hier noch ein paar Exemplare Stattliches Knabenkraut, sehr wenig Trollblume und Wiesen-Primel, dafür aber reichlich Herbst-Zeitlose – sämtlich stark gefährdete oder gar vom Aussterben bedrohte Pflanzen entsprechend der Roten Liste Sachsens.

Tierwelt

Mufflon

Falls man mal kein Wild am Lederberghang zu Gesicht bekommt, hören kann man es oft: Wenn Mufflons, Rehe und, insbesondere, Wildschweine die Blockhalden queren, kommen immer viele Steine ins Rollen. Gerade Schweine haben sich in den letzten Jahren sehr stark vermehrt, gefördert durch üppiges sommerliches Nahrungsangebot auf Maisschlägen. Wenn die Äcker abgeerntet sind, finden die Schwarzkittel im Naturschutzgebiet reichlich Eicheln und Bucheckern, auch in den milden Wintern ohne Schnee- oder Bodenfrostprobleme.

Von größerer Bedeutung ist die Fledermausfauna. So befindet sich das NSG Müglitzhang bei Schlottwitz im Kernlebensraum des wichtigsten deutschen Vorkommens der Kleinen Hufeisennase. Rund ein Drittel des bundesweiten Bestands dieser Art lebt im unteren Ost-Erzgebirge, vor allem den Tälern von Seidewitz und Müglitz. Winterquartiere sind u.a. aus Mühlbach bekannt, Sommerlebensräume auch in Schlottwitz wahrscheinlich. Von einer weiteren, nach europäischem Naturschutzrecht besonders zu schützenden Fledermausart, dem Großen Mausohr, liegen Nachweise aus dem NSG vor. Die größte heimische Fledermausart nutzt Laubmischwälder als Jagdrevier.

Aus dem Naturschutzgebiet sind bislang ca. 35 Brutvogelarten bekannt.

Zauneidechsenmännchen

Die Blockhänge und klüftigen Felsbereiche zählen zu den bevorzugten Lebensräumen von Wald- und Zauneidechsen. Letztere sind wärmebedüftiger und erreichen bei etwa 400 m üNN im Ost-Erzgebirge ihre Höhenverbreitungsgrenze. Auch Blindschleichen kann man häufig antreffen, während schon seit längerem keine Beobachtungen von Kreuzottern mehr bekannt geworden sind.

Problematisch ist die Situation für Feuersalamander. Deren Vermehrungsgewässer, die fischfreien Seitenbächlein, fallen infolge zunehmender niederschlagsfreier Sommerphasen immer öfter vollkommen trocken. Die wenigen Tiere, die dem Wanderer heute am Bach am Südrand des NSG begegnen können, sind ziemlich groß und deshalb wahrscheinlich auch schon alt – Feuersalamander können bis zu 20 Jahre oder gar länger leben.

Spanische Flagge

Weberknecht

Eine Schmetterlingsart, die die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union als “prioritär” eingestuft hat und die einen ihrer Verbreitungsschwerpunkt in den Tälern des unteren Ost-Erzgebirges besitzt, ist die Spanische Flagge, auch Russischer Bär genannt. Auf den Blütenständen des Wasserdosts, der an Waldsäumen vorkommt, kann man die Falter mit den leuchten orangen Hinterflügeln öfters beobachten.

Eine Untersuchung der Käferfauna brachte nachweise von 63 holz- und baumpilzbewohnenden Arten. Ebenfalls als bedeutsam gilt das Naturschutzgebiet Müglitzhang bei Schlottwitz unter Spinnen- und Weberknechtexperten.

Naturerlebnismöglichkeiten

Blick über den Schlottwitzgrund
zum Luchberg

Das Naturschutzgebiet ist durch mehrere, gut unterhaltene Wanderpfade erschlossen: ein Weg führt an der Müglitz entlang,  ein zweiter über die gesamte Nord-Süd-Ausdehnung am Mittelhang (mit Zugang zur “Tausendjährigen Eibe)”, und schließlich kann man auf dem Edelmannsteig am Oberhang entlangwandern. Dabei öffnen sich interessante Ausblicke, von den Felsklippen vorrangig in Richtung Westen (Luchberg) und Süden (Geisingberg), am Panoramablick bei Großröhrsdorf aber auch ins Elbtalgebiet. Eine schöne Übersicht über den Lederberghang  bietet die Hirschsteigkuppe im Norden.

Naturkundliche Wanderführungen können bei Jens Weber (jens@osterzgebirge.org) angefragt werden.

Etwa in der Mitte von Schlottwitz, in der Nähe des Sportplatzes, hat der Heimatverein einen “Wanderparkplatz” mit Informationstafeln angelegt. Man kann aber auch sehr bequem mit der Müglitztalbahn anreisen: Schlottwitz besitzt zwei Haltepunkte, wo am Wochenende aller zwei Stunden Züge halten. Eine Bahnfahrt von Heidenau durch das Elbtalschiefergebirge – mit schroffen Felsen, zwischen denen weitere Eiben wachsen – ist die perfekte Einstimmung für eine Exkursion an den Müglitzhang von Schlottwitz.

weitere naturkundlich interessante Ziele in der Umgebung:
  • Liebestadt – Schloss Kuckucksstein

    Totenstein (Quarzitfelsen bei Großröhrsdorf)

  • Liebstadt (Schloss Kuckucksstein, artenreiche Wiesen)
  • Seidewitztal (Naturschutzgebiet “Mittleres Seidewitztal”, Felshang “Bastei”, Eibenbestand bei Seitenhain)
  • Elbtalschiefergebirge: Rabenhorst, Maxener Kalkvorkommen
  • Zechenaubachtal + “Achatgang” westlich der Müglitz
  • Trebnitzgrund (Naturschutzgebiet)
  • Alte Eisenstraße Schlottwitz – Cunnersdorf (Apfelallee)
Adressen:

Landratsamt Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, Referat Naturschutz (Untere Naturschutzbehörde) Weißeritzstraße 7, 01744 Dippoldiswalde; Tel. 03501 515-3430; bernard.hachmoeller@landratsamt-pirna.de

Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Neustadt, Sachgebiet Waldökologie und Naturschutz: Karl- Liebknecht- Straße 7  01844 Neustadt; Tel. 03596-585731, kai.noritzsch@smul.sachsen.de

Heimatverein Schlottwitz: www.heimatverein-schlottwitz.de

Landesverein Sächsischer Heimatschutz: Wilsdruffer Straße 11, 01067 Dresden; Tel. 0351-4956153, landesverein@saechsischer-heimatschutz.de

Literatur:

Braeß, Martin (1918): Die Eiben im Müglitztal; in: Mitteilungen des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz,Band VII, Heft 1/4

Hempel, Werner; Schiemenz, Hans (1986): Die Naturschutzgebiete der Bezirke Leipzig, Karl-Marx-Stadt und Dresden

Hempel, Werner (2009): Die Pflanzenwelt Sachsens von der Späteiszeit bis zur Gegenwart

Müller, Gerhardt (1964): Zwischen Müglitz und Weißeritz; Werte der deutschen Heimat, Band 8

Rölke, Peter (Hrsg., 2007): Wander- und Naturführer Osterzgebirge

SMUL (2009): Naturschutzgebiete in Sachsen, S. 606f

Weber, Jens (2007): Müglitztal bei Glashütte; in: Naturführer Ost-Erzgebirge, Band 3: Naturkundliche Wanderziele, Hrsg: Grüne Liga Osterzgebirge

http://www.osterzgebirge.org/gebiete/19_14.html

Kartenskizze Müglitzhang

Ü-Karte-Müglitzhang

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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