Natura-2000-Gebietsbetreuung im Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge

Im Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge konzentrieren sich 35 FFH-Gebiete mit insgesamt über 200 Quadratkilometern knapp die Hälfte davon der Nationalpark Sächsische Schweiz), außerdem 9 Vogelschutzgebiete.

Bei einem Großteil der FFH-Gebiete handelt es sich überwiegend oder ausschließlich um Waldbereiche. Dort ist der Staatsbetrieb Sachsenforst für die Sicherung eines "Günstigen Erhaltungszustandes" der Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensraumtypen zuständig, für die das jeweilige FFH-Gebiet eingerichtet wurde.  Ungeachtet dessen sind die meisten Förster z.B. auf fachliche Unterstützung durch versierte und ortskundige Ornithologen angewiesen, um die Brutstätten gefährdeter Vogelarten nicht durch forstliche Maßnahmen zu gefährden.

Ein besonders hoher Betreuungsbedarf indes besteht für zahlreiche Lebensraumtypen, die nicht von Wald bestockt sind. Dazu gehören insbesondere Wiesen und andere Offenlandbereiche, deren Erhaltungszustand in erheblichem Maße von Bewirtschaftung und/oder Pflege abhängig sind. Hinzu kommen Freizeitnutzungen verschiedener Art und andere potentielle Beeinträchtigungen, die nur durch regelmäßige Vor-Ort-Präsenz von Gebietsbetreuern rechtzeitig erkannt und gegebenenfalls ausgeräumt werden können.

Natura-2000-Betreuungsprojekt 2016/17

2014 beendete das sächsische Umwelt- und Landwirtschaftsministerium die Pilotprojekt der Natura-2000-Gebietsbetreuung auf ehrenamtlicher Basis und entschied, die Betreuung der FFH- und Vogelschutzgebiete künftig über die Förderrichtlinie "Natürliches Erbe" zu finanzieren.Im Landkreis SSO erklärte sich die Grüne Liga Osterzgebirge e.V. bereit, die Projektkoordinierung zu übernehmen. Nach der fast ein Jahr verzögerten Fördermittelbewilligung läuft das Projekt

"Koordinierung und Durchführung der Natura 2000-Gebietsbetreuung im Landkreis Sächsische Schweiz - Osterzgebirge"

nun zunächst bis Ende Oktober 2017.

Die Gebietsbetreuer

Kern des Projektes ist die Betreuung von 27 ausgewählten (Teil-)Gebieten des Natura-2000-Netzes zwischen Ost-Erzgebirge und Oberlausitz sowie speziellen Artengruppen, für deren Schutz die FFH- und Vogelschutzgebiete eingerichtet wurden. 24 profunde Orts- und Artenkenner beteiligen sich derzeit an dem Projekt - ein aktives Netzwerk von Naturschützern unterschiedlicher, sich gegenseitig ergänzender Kompetenzen.

Aufgaben der Gebietsbetreuer:

  • regelmäßige Vor-Ort-Präsenz in den Betreuungsgebieten (insb. an den Lebensraumtypen-Flächen innerhalb der Gebiete);
  • Dokumentation von Vorkommen gefährdeter/geschützter Tier- und Pflanzenarten;
  • Kommunikation mit Landeigentümern und -nutzern, Wanderern und anderen im Gebiet aktiven Personen; Sensibilisierung zu den Zielen und Maßnahmen des Naturschutzes im Natura-2000-Gebiet;
  • Erkennen von (tatsächlichen und potentiellen) Gefährdungen für die (in den Managementplänen definierten) Schutzziele;
  • eigene Aktivitäten zur Vermeidung von Beeinträchtigungen, auch durch (kleinere) praktische Maßnahmen;
  • Meldung von potentiell erheblichen Beeinträchtigungen an die Koordinierungsstelle bzw. (wenn akutes hoheitliches Handeln erforderlich ist) direkt an die Untere Naturschutzbehörde;
  • jährlicher Bericht zum Zustand der Lebensraumtypen-Flächen bzw. der Art-Habitate.

Die konkreten Aufgaben der einzelnen Gebietsbetreuer orientieren sich dabei auch an deren jeweiligen Kompetenzen. Die Details regelt ein Vertrag zwischen dem Gebietsbetreuer und der Grünen Liga Osterzgebirge e.V. (Koordinierungsstelle).

Die Koordinierungsstelle

Seit Anfang April 2016 ist die Koordinierungsstelle im Dippoldiswalder Büro des Umweltvereins mit Antje Lindner besetzt: koordinator/ät/osterzgebirge.org; Tel. 03504-618585.