Deutsch-tschechisches HeuHoj-Camp in Telnice und in Bärenstein

Seit dem Jahr 2014 rüsten sich zehn Deutsche und zehn Tschechen im Sommer mit Rechen, Gabeln und Sensen aus und pflegen die Berg- und Feuchtwiesen auf deutscher und tschechischer Seite der Grenze im Osterzgebirge.

Um die Wiesen im Osterzgebirge in voller Blütenpracht zu sehen, benötigen diese Biotope jährliche Pflege. Würde sich niemand darum kümmern, wäre die Artenvielfalt in kurzer Zeit durch Büsche und Bäume überwachsen und bald verschwunden.

Fremdsprachenkenntnisse sind keine Teilnahmevoraussetzung: Hände, Füße, Offenheit und Dolmetscher werden für Verständigung vor Ort sorgen.

Das nächste Mal vom 8. bis 16. Juli 2017

Dies und Das

 

Die meiste Zeit werden wir auf Berg- und Feuchtwiesen im Raum Adolfov, Altenberg und Glashütte sein. Wir werden auf tschechischer sowie deutscher Seite tätig sein. Um auf die Wiesen gut zu kommen, werden wir uns klimaneutral auf dem Fahrrad bewegen. Bitte nimm dein Fahrrad mit. Eine Ausleihe ist auch möglich, muss aber angefragt werden (bei der Anmeldung bitte angeben!). So kommen auch ganz leicht am Nachmittag zum Badeteich.

Aber auch Freizeit und Kultur dürfen neben der körperlichen Arbeit nicht zu kurz kommen. Deshalb freuen wir uns auf eine interessante Exkursion mit dem tschechischen Verein Antikomplex ins deutsch-tschechische Grenzgebiet, auf den Abschlussabend im Bielatal (Altenberg) und auf eine öffentliche Veranstaltung an der Grenze (Zinnwald / Cínovec) am Sonntag mit kulturellen Aktionen.

 

 

 

* Das ist ein vorläufiges Programm, d.h. die Zeitangaben sind nicht fest und die Aktivitäten können innerhalb der Woche verschoben werden.

Samstag 8.7. 
13-14 Uhr Ankunft
15 Uhr HeuHoj-Camp Eröffnung
Sprachanimation

Sonntag 9.7. 

Exkursion auf „unsere“ Wiese im Naturschutzgebiet Schwarze Wiese sowie Arbeiten auf der Schwarzen Wiese

Montag 10.7. 
Arbeiten auf der Schwarzen Wiese; Mittagspause als Picknick auf der Wiese; Arbeiten auf der Schwarzen Wiese

Dienstag 11.7. 
Exkursion auf die Wiesen in Telnice; Mittagspause als Picknick auf der Wiese; Arbeiten auf der Schwarzen Wiese
Abendprogramm: Vorstellung des Forschungsprojektes „Kontaktzonen“ des Institutes für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Dresden (Arnika Peselmann)

Mittwoch 12.7. 
Programmtag – Workshop mit Antikomplex z.s.

Donnerstag 13.7. 
Umzug ins Bielatal (auf dem Fahrrad/Auto)

Nachmittag: Erkundung von Bielatal Umgebung, Pflegearbeiten bei der Pflegebasis, je nach Wetter und Kräfte Pflege der Steinrücke im Hirschsprung

Freitag 14.7. 
Arbeiten auf der Müllerwiese & am Nachmittag: Sensen-Schnupper-Stunde

Samstag 15.7. 
Arbeiten auf der Sportplatzwiese (neben dem Fußballplatz)
Abendprogramm ist der Regie von Petr Miksicek (www.petrmiksicek.cz)

Sonntag 16.7.
Anreise nach Cínovec und ab 10 Uhr Führung im Georgenfelder Hochmoor ODER Führung in der Zinnwalder Wetterwarte

Mittagessen vom Grill vor der Kirche in Cínovec
13 Uhr Dorftreff an der Kirche in Cínovec mit Kaffee&Kuchen (öffentliche Veranstaltung)
15 Uhr Ende des Camps und Abreise

 

Weitere Informationen und die Anmeldung gibt es unter www.heuhoj.de oder auf Facebook.com/heuhoj.

Ansprechparterin: Jitka Pollakis, 0176 4774 2332, heuhoj@gmail.com

 

HeuHoj-Camp wird in Zusammenarbeit mit dem tschechischen Verein Antikomplex z.s. organisiert. Praktische Leitung des Camps vor Ort übernimmt das internationale Team Jitka, Alexandros, Antje und weitere Unterstützer.

 

Unterkunft und Verpflegung

Telnice (CZ): Übernachtung in der Hütte »U Novacka« (2 bis 6-Bett-Zimmer, im eigenen Schlafsack)

Bielatal (Altenberg):  Übernachtung in der Pflegebasis der Grünen Liga Osterzgebirge in Bielatal. Man kann sich entscheiden, wo man schlafen will, zur Auswahl stehen: Matratzenlager (auf Matratze im eigenem Schlafsack) oder ein Zeltplatz (eigenes Zelt erforderlich).

Wir werden gemeinsam kochen, d. h. wir haben eine vollausgestattete Küche (sowie Grill und Lagerfeuer) und eine Köchin, die uns zur Seite steht.

Kosten

Um das Camp (Verpflegung, Unterkunft, Reisekosten, Programm) zu finanzieren, bemühen wir uns Förderung von verschiedenen Quellen zu bekommen. Der Eigenanteil für die Teilnehmer beträgt: bis 60 Euro.

 

Mary (Dresden), Camp-Teilnehmerin: Das Camp ist eine gute Mischung aus Arbeit und Freizeit bei dem man viele interessante Menschen kennenlernen kann. (2015)

Theresa (Nürnberg) Camp-Teilnehmerin: Der Ausflug mit Antikomplex war super. Liebe Menschen, mit denen ich mich auch auf Tschechisch unterhalten konnte. Die Arbeit hat Spaß gemacht, ich würde mich über mehr Informationen zu den Wiesen freuen. Das Essen war lecker – lass Gunda einfach immer kochen! (2015)

Maria Gulina (Weissrussland) Camp-Teilnehmerin (Aus dem Artikel international.brontosaurus.cz): The first exciting experience was standing on the exact border between the two countries without seeing any actual border at all. The camp itself was dedicated to mowing mountain meadows on both sides of the border to give space for rear flowers to grow. Both czech and german people took part in it, which seemed only logical: after all, nature knows no borders. Apart from work, the camp had a lot of other activities, including excursions, language animation and – most exciting – HeuHoj Fest, one day festival prepared by the participants in the village which lies exactly on czech-german border. So this included language workshops, tasting cakes made by neighbours, listening to church mass in two languages (with heavenly beautiful choir singing) and seeing a theatre play in two languages – and that was a real masterpiece. I was truly amazed: talented, colourful, funny and somehow combining two languages in one sentence, sometimes even in one word, givig to a german root grammatical czech ending.“ (2015)

Wiesen

Während dem Camp werden viele Flächen gepflegt. Hier ein Rückblick, welche Wiesen in den letzten Jahren dabei waren.

Seit jeher galt das Gebiet westlich von Adolfsgrün/Adolfov als morastig und gefährlich, vor allem für die Pferdefuhrwerke auf der hier verlaufenden "Alten Dresden-Teplitzer Poststraße". Die Legende weiß sogar von einer mit Schätzen beladenen Kutsche zu berichten, die hier unauffindbar versunken sein soll ...

Mehrere Quelladern des Schwarzbaches/Cerné potok durchziehen das 100 bis 150 Hektar große Gelände. Diese sind zwar noch in den 1980er Jahren teilweise als Gräben begradigt und vertieft worden, dennoch blieben weite Bereiche des teilweise moorigen Feuchtgebietes erhalten. Zahlreiche seltene Pflanzenarten - u.a. Fettkraut, Wald-Läusekraut, Kriech-Weide, Trollblume, Fieberklee - haben hier noch wenige Restvorkommen. Vor allem aber handelt es sich um ein wichtiges Ruhegebiet für Birkhühner, Bekassinen, Wachteln und andere Vogelarten.

1998 erfolgte die Ausweisung als Naturschutzgebiet. Seither wurden verschiedene Anstrengungen unternommen, wieder mehr Wasser im Gebiet zurückzuhalten, anstatt es über die Drainagegräben abfließen zu lassen. Seit einigen Jahren werden Teile des Naturschutzgebietes auch wieder gemäht, was vor allem für den Erhalt von Arten der Borstgrasrasen und Kleinseggenbereiche sehr wichtig ist.

Der größte Teil des Naturschutzgebietes Schwarze Wiesen ist nicht durch Wege erschlossen und darf zum Schutz der Tierwelt auch nicht begangen werden. Doch bereits an der Straße, etwa 500 m südwestlich von Adolfov, kann man einen Eindruck vom Charakter des Gebietes bekommen. Im Nassbereich fallen im Mai zwischen Faden-Binsen und Zittergras-Seggen die leuchtend gelben Blüten des Bach-Greiskrautes auf. Ein Stück entlang des Wanderweges Richtung Tellnitz/Telnice (blauer Strich) hingegen findet man einen eher trockenen Borstgrasrasen mit Kreuzblümchen.

 Eine interessante Vegetation präsentieren auch die Skihänge am Stürmer. Als fast im gesamten tschechischen Ost-Erzgebirge kaum noch eine Wiese gemäht wurde und auf vielen einstmals bunten Bergwiesen einige wenige konkurrenzstarke Gräser sich durchsetzten, da wirkte am Nordrand des Stürmers die Skinutzung des Grünlandhanges offenbar wie eine Minimalpflegemaßnahme. Im Mai/Juni findet man hier noch einen kleinen Rest der einstmals landschaftsprägenden Wiesenvegetation. Das sind vor allem

Arten magerer Bergwiesen wie Bärwurz, Rot-Schwingel, Berg-Platterbse, Rundblättrige Glockenblume, Borstgras, Blutwurz-Fingerkraut und WaldHabichtskraut, aber auch „normale“ Wiesenarten wie Margerite. Eine besondere Rarität stellt mittlerweile der kleine Bestand an Arnika dar – früher eine häufig genutzte Heilpflanze. Dazwischen keimen Sal-Weiden und Sand-Birken und würden zu einem kleinen Wäldchen heranwachsen, wenn ihre Triebe nicht jedes Jahr wieder durch Abfahrtsski gestutzt würden. Die bessere Pflege wäre allerdings eine regelmäßige (Heu-)Mahd.

ca. 4 ha Komplex von Berg- und Nasswiesen, unter anderem sehr viel Perücken-Flockenblume, Weicher Pippau, Kreuzblümchen, Breitblättrige Kuckucksblume (ca. 500 Ex), außerdem Gefleckte Kuckucksblume, Großes Zweiblatt, Fieberklee, Bach-Nelkenwurz, Thymian, Sterndolde, Schmalblättriges Wollgras und viele andere Arten
Pflege erfolgt größtenteils während des Heulagers (im Juli) und des Nachmäh-Wochenendes (Ende August), ca. 1 ha Handmahd mit Sense; Nachweide von ca. 3 ha mit Schafen.

ca. 0,5 ha Nasswiese (kleiner Rest der ehemals ausgedehnten Auwiesen vor Bärenstein, die heute fast vollständig überbaut sind), Fieberklee, Bach-Nelkenwurz, Schmalblättriges Wollgras, Teufelsabbiß, Breitblättrige Kuckucksblume
meist sehr nass, sehr aufwendige Mahd und vor allem Beräumung - Gras muß auf Plastikplanen durch den Sumpf zum Container hochgezogen werden. Die Grünmasse wird entsorgt (nicht geeignet für Heu oder als Futter).

Was wäre das östliche Erzgebirge ohne seine Steinrückenlandschaften? Rund tausend Kilometer dieser langgestreckten Lesesteinwälle geben unserer Heimat ihr
unverwechselbares Gesicht.

STEINRÜCKEN SIND GESCHÜTZTE BIOTOPE!

Steinrücken sind schön, zweifelsohne. Schon allein deshalb gebietet das Gesetz ihren Schutz als ästhetisch wertvolle Landschaftselemente. Der Erholungswert
des Ost-Erzgebirges für naturliebende Bewohner und Besucher beruht nicht zuletzt auf dem abwechslungsreichen Landschaftsbild, das vielerorts von Steinrücken geprägt wird.
Darüber hinaus vermögen Steinrücken die negativen Auswirkungen moderner Großflächenlandwirtschaft auf Böden und Lokalklima zu begrenzen. Beim Hochwasser 2002 stellten Feldraine, Hecken und Lesesteinwälle eindrucksvoll unter Beweis, wie wichtig eine strukturreiche Landschaft für den Erosionsschutz ist.
Wenn nach jedem Sommergewitter brauner Schlamm über Dorfstraßen schwappt und sich in Kellern wiederfindet, so handelt es sich dabei um wertvolle Ackerkrume, zu deren Neubildung die Natur Jahrzehnte bis Jahrhunderte braucht!
Meistens stammt der Schlamm von strukturlosen Feldern. Steinrücken als Erosionsbremsen bewahren die Böden dort, wo sie in Zukunft noch wichtig sein werden!
Vor allem aber macht ihr enormer biologischer Reichtum die Steinrücken so schützenswert. Unter den hier lebenden Pflanzen und Tieren befinden sich zahlreiche Arten der Roten Listen.