Mit tschechischen Freunden ein Wochenende am Lipska Hora

Jedes Jahr am 2. Septemberwochenende findet mitten im Böhmischen Mittelgebirge, am Fuße des Phonolitberges Lipská Hora, unser tschechisch-deutscher Naturschutzeinsatz statt. Gemeinsam mit der Organisation „Arnika“ aus Prag mähen und entbuschen wir reichlich einen Hektar (inzwischen wieder) artenreicher Bergwiese um z.B. Gelbem Lein und Aufrechter Waldrebe ihr Fortbestehen zu sichern.

Mitmachen kann jeder und jede – Kinder unter 18 Jahren in Begleitung eines Erwachsenen.

Wir wohnen am Wiesenrand. Wasser gibt es aus dem Kanister, Strom gar nicht. Über dem Feuer wird das Essen zubereitet und im Zelt geschlafen. Sternenhimmel und Kost, beides außergewöhnlich, sind gratis.

Das nächste Mal vom 08.-10. September 2017

Dies und Das

 

Freitag: Anreise am Nachmittag in Fahrgemeinschaften von Altenberg, Ankunft am Lipská Hora gegen 18:00 Uhr, Zelte aufbauen, Abendessen

Sonnabend: Wiesenpflege von morgens bis nachmittags, am Abend ein Bad im See oder Besteigung des Lipská Hora, Plaudern am Lagerfeuer

Sonntag: Exkursion in die nähere Umgebung, Abreise am Nachmittag

Mitzubringen sind Zelt, Isomatte, Schlafsack und Arbeitskleidung. Die Fahrgemeinschaften werden organisiert.

 

GRÜNE LIGA Osterzgebirge e.V.

Tel.: 03504-618585

Email: lipska-hora@osterzgebirge.org

Ansprechpartnerin: Ellen Gießmann

 

Das Schutzgebiet:

22,2 ha großes Schutzgebiet mit dem 689 m hohen gleichnamigen Berg aus Phonolit, welcher plattig zerfällt

Geröllschutthalde am Südhang mit bis zu 40° Neigung, im Gipfelbereich sehr schöne Felsformationen und bemerkenswerte Flora (Bärentraube, Pfingstnelke, Ästige- und Astlose Graslilie,...)

Der Berg ist mit verschiedenen Baumarten besetzt (Hasel, Linde, Buche, Eiche). Neben einer Vielfalt an Frühblühern findet man hier u.a. die Weiße Waldhyazinthe.

 

"Unsere*" Pflegefläche:

... befindet sich am südlichen Fuß des Berges, misst reichlich 1 ha und hat sich seit 2009 prächtig entwickelt. Neben den bekannten besonderen Arten (Blätt ́l 09/2010) haben wir in den letzten Jahren Sommeradonisröschen, Kleine Wachsblume, Fransenenzian und Trollblume entdecken können. Der Bestand der Aufrechten Waldrebe ist stabil, auch wenn so manches Jahr die Knospen dem Wild zum Opfer fallen. Unsere Beobachtungen sind auf Grund der räumlichen Distanz nur Momentaufnahmen. Gerne können Wanderer unser Arteninventar aufbessern. Dieses Jahr will z.B. ein tschechischer Hobbyfotograf eine Kuckucksblume gesehen haben.

*Arnika o.s./Prag pflegt im Auftrag der Schutzgebietsverwaltung Böhmisches Mittelgebirge 

Wolfram Kallenbach

 

Das Böhmische Mittelgebirge gehört zweifelsohne zu den beeindruckendsten Landschaften Mitteleuropas. Johann Wolfgang Goethe, Alexander von Humboldt und Ludwig Richter schwärmten von den Vulkankegeln und deren grandiosen Aussichten. Seit langem pilgern auch Botaniker hierher, um besonders an den steppenartigen Wiesenhängen Pflanzen zu erleben, die sonst erst viel weiter im Osten oder Süden zu Hause sind. Dazu gehören beispielsweise Gelber Lein und Aufrechte Waldrebe.

Doch diese Raritäten drohen mittlerweile verloren zu gehen. Ein Teil ihrer ursprünglichen Standorte fiel bereits vor über zwanzig Jahren dem tschechischen Rohstoff-Raubbau zum Opfer. Östlich der Stadt Bílina begrub eine riesige Kippe des nahegelegenen Braunkohlentagebaus zahlreiche botanische Schatzkammern unter sich. Eine Gruppe junger, engagierter Naturschützer - eben das Tým Bořena - versuchte zu retten, was zu retten war. Sie gruben einige der seltensten Pflanzen aus und versetzten sie an einen Standort, wo ihre weitere Existenz fortan gesichert sein sollte. Nämlich an die kalkigen „Weißen Hänge“ am Südfuß des Lipská hora. 
Aber auch hier hat sich seither einiges zu ungunsten von Gelbem Lein, Aufrechter Waldrebe, Großem Windröschen, und Berg-Aster verändert. Bis Anfang der 1990er Jahre hielten Schafe die Lebensräume der seltenen Arten weitgehend frei von konkurrierenden Pflanzen. Aber das scheint Ewigkeiten her zu sein, Schafhaltung lohnt sich hier längst nicht mehr. Wuchskräftige Gräser wuchern, vor allem aber lassen Heckenrosen, Feldahorne und Schlechen kaum noch Sonne durch zu den lichtbedürftigen Blumen. Wie so viele andere Wiesenbiotope im Böhmischen Mittelgebirge verbuschen auch die Weißen Hänge. 
Diese Entwicklung versuchen nun wenigstens hier die tschechischen Naturschützer um Team-Borschen-Kopf František Kraus aufzuhalten. Der junge Mann aus Krupka/Graupen engagiert sich außerdem noch beim Teplitzer Umweltverein Št’ovík (deutsch: Sauerampfer). Mit diesem wiederum arbeitet die Grüne Liga Osterzgebirge seit mehreren Jahren schon partnerschaftlich zusammen: beim zweisprachigen Natur-Lernspiel „Ulli Uhu“, beim grenzüberschreitenden Buchprojekt „Naturführer Ost-Erzgebirge“, genauso wie bei vielen praktischen Naturschutzeinsätzen im östlichen Erzgebirge. 
Und so entstand also die Idee, auch im Böhmischen Mittelgebirge gemeinsam aktiv zu werden. Wie immer natürlich uneigennützig und unentgeltlich - nur bei den Kosten für Verpflegung und ein Informationsfaltblatt helfen EU-Fördergelder aus dem neuen „Ziel-3“-Topf.
Den gesamten Sonnabend nun sind die deutschen und tschechischen Naturfreunde gemeinsam schwer am Arbeiten. Fürchterlich dorniges Gesträuch wird gerodet, zwischen halbmeterhohen Ameisenbergen das verfilzte Gras gemäht. Der Rauch der Feuer beißt in den Augen, Anstrengung und Hitze treiben den Schweiß aus allen Poren. Und dennoch: das gemeinsame Arbeiten in und für die Natur macht Spaß, ungeachtet aller Sprachbarrieren. Ob abends am Lagerfeuer oder am Sonntagmorgen beim Aufstieg auf den Lipská hora - die Naturschützer verbindet nicht nur die gemeinsame Sorge um seltene Pflanzen. 
Auch künftig werden sie zusammenarbeiten: zum Beispiel am ersten Oktober-Wochenende bei der Beerntung alter Obstbestände im Müglitztal und am Kloster Osek (freiwillige Helfer sind auch dabei sehr willkommen!). Und natürlich nächstes Jahr wieder im September im Böhmischen Mittelgebirge. 
Inzwischen will die Grüne Liga Osterzgebirge versuchen, etwas über die Vergangenheit des Gebietes am Lipská hora, zwischen den Dörfern Lhota/Lhotta und Mrsklesy/Merskles, herauszufinden, als hier noch sudetendeutsche Bewohner lebten. Wer entsprechende Geschichten zu erzählen weiß oder über alte Aufzeichnungen verfügt, kann diese gern mitteilen: jens@osterzgebirge.org, Tel. 035054-28649. 
Jens Weber.

 

 

 

Pflanzenauswahl  auf der Pflegefläche am Lipska hora:

Art (dt.)Art (lat.)
Kleiner OdermennigAgrimonia eupatoria
Großes WindröschenAnemone sylvestris
Berg-Aster Aster amellus
Kicher-TragantAstragalus cicer
Aufrechte WaldrebeClematis recta
Herbstzeitlose Colchicum autumnale
Blut-StorchschnabelGeranium sanguineum
Weiden-AlantInula salicina
Gelber LeinLinum flavum
Sichel-LuzerneMedicago falcata
Kamm-WachtelweizenMelampyrum cristatum
Dornige HauhechelOnonis spinosa
NatternzungenfarnOphioglossum vulgatum
DostOriganum vulgare
Schopf-KreuzblümchenPolygala comosa
Wiesen-PrimelPrimula veris
Wiesen- und Quirl-SalbeiSalvia officinale, S. verticilata
Kleiner WiesenknopfSanguisorba minor
SchwarzwurzelScorconera hispanica
Gelbe SpargelerbseTetragonolobus maritimus
Großer BocksbartTragopogon dubius

 

 

„Ein bißchen ist es wie im Paradies“, meint Ellen Gießmann, als sich das warme Licht der Morgensonne über den Naturschützern ausbreitet, die mit dampfendem Tee in ihren Tassen rund um das frisch entfachte Lagerfeuer sitzen. Ein paar Vögel zwitschern in den Dornsträuchern, vom gegenüberliegenden Waldhang klingt noch gedämpftes Brunftgebrüll etwas verspäteter Rothirsche herüber, und hier auf der Wiese erwachen langsam die Gespräche - auf Tschechisch, auf Deutsch, leicht radebrechend auch auf Englisch. Zweiundzwanzig Helfer der Umweltvereine Grüne Liga Osterzgebirge und Tým Bořena (das „Borschen-Team“) haben hier am Fuße des Lipská hora (auf alten deutschen Karten: „Hora-Berg“) ihre Zelte aufgeschlagen. Sie kommen unter anderem aus Glashütte und Dubí, aus Krupka und Grumbach, aus Dresden und Prag. 
Nach dem Frühstück mit böhmischen Hörnchen und Bärensteiner Schafskäse wollen sie sich an die Arbeit machen. Oh doch, es ist wirklich reichlich und harte Arbeit, die hier auf die jungen und älteren Naturfreunde wartet!

Lage

Da liegt das Arbeitsgebiet, am Südhang des Lipská hora (zu deutsch: Lipaier Berg, Horsthora oder meist einfach Hora):