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31.05.2010 16:02 Alter: 100 Tage

Wandern vom Wilisch zum Wieselstein

 

Mit der Grünen Liga in drei Tagen zu Fuß über das Osterzgebirge

an der Putzmühle im Pöbeltal

auf der Zinnbrücke bei Rehefeld

bei Obercarsdorf

zwischen Quohrener Kipsen und Hafterteich

Es gibt viele Leute, die stapfen im Urlaub schwer bepackt über Alpenkämme, auf dem Jacobsweg herrscht stellenweise Pilgerstau, und ganz Harte umkreisen die Annapurna-Gipfel im Himalaja. Langstreckenwandern mit Rucksack, Zelt und Campingkocher ist beileibe kein Randphänomen spleeniger Naturburschen mehr. Aber im Ost-Erzgebirge gehören Mehrtageswanderer noch nicht unbedingt zum Alltag.

Dabei gibt es viele gute Gründe dafür, die Natur des östlichen Erzgebirges nicht nur während eines Nachmittagsspaziergangs zu erleben, sondern auf einem ausgedehnten Fußmarsch über alle Höhenstufen. Zu einer solchen Tour hatte die Grüne Liga Osterzgebirge am letzten Mai-Wochenende wieder eingeladen. Insgesamt 14 Naturfreunde schnürten die Wanderschuhe und begabn sich gemeinsam auf die 70-Kilometer-Strecke, die am Freitag Nachmittag in Kreischa begann und Sonntag Nachmittag in Osek/Ossegg endete. Die Teilnehmer kamen aus Bärenstein und Freital, aus Dresden, Leipzig und Zwickau. Einige kennen sich schon lange von gemeinsamen Naturschutzeinsätzen, so zum Beispiel der in Dresden arbeitende Mathematiker Gleb Belov aus dem Ural oder Richard Myers, der australische Englischlehrer. Viele interessante Gespräche, auch über regionale Umweltprobleme, können sich auf einer solchen Langstreckenwanderung entfalten - Gespräche, aus denen mitunter neue Projektideen geboren werden. Der Alltag zwischen Fördermittelformularen und Biotoppflegeorganisation lässt inzwischen auch den Naturschützern viel zu wenig Zeit zu kritischen Reflexionen und vorausschauenden Planungen.

Bei alledem kommt auf einer Drei-Tage-Wanderung auch das Naturerleben nicht zu kurz. Es ist eindrucksvoll zu spüren, wie sich Klima und Vegetation zwischen dem wärmebegünstigten Gebiet nördlich des Wilischs bis hoch hinauf auf den 900 Meter hohen Erzgebirgskamm und dann wieder hinab am steilen Südrand des Gebirges verändern. Zahlreiche seltene Pflanzenarten konnten die Wanderer entdecken, und auf dem moorigen Hochplateau rund um die Flöha-Quelle kollerte sogar ein Birkhahn im dichten Nebel.

Übernachtet wurde in Zelten. Diese durften diesmal im ehemaligen Naturschutzzentrum (jetzt: Waldschule) Schwarzbachtal aufgebaut werden - ganz herzlichen Dank, Jane Klaus! - sowie in Nové Mésto/Neustadt. Dort hatte bereits im letzten Jahr die Drei-Tage-Wanderung der Grünen Liga ("Tapsen von Teplitz nach Tharandt") Station gemacht. Unweit des Stürmers besitzt die Familie des tschechischen Umweltaktevisten Jan "Honza" Kotera eine kleine Hütte. Diese kennen einige Mitstreiter der Grünen Liga Osterzgebirge bereits von früheren Tschechisch-Lernversuchen, und in hier hatte Honza auch große Teile des "Naturführers Ost-Erzgebirge" geschrieben bzw. übersetzt. Die Zusammenarbeit mit den tschechischen Umweltschützern ist seit langem eine große Bereicherung für die Grüne Liga Osterzgebirge - und für die Natur beiderseits der Grenze.

Der geplante Höhepunkt der Wanderung, nämlich der höchste Punkt des Ost-Erzgebirges, fiel am Sonntag Mittag dann aber leider ins Wasser. Es goss so heftig, dass die Wanderfreunde den 956 m hohen Wieselstein (Loucna) rechts liegen lassen mussten und vom Erzgebirgskamm geradewegs ins Nordböhmische Becken abstiegen. Aber es wird mit Sicherheit auch nächstes Jahr wieder eine Drei-Tage-Wanderung geben.