Naturschutzgerechte Wiesenpflege zur Erhaltung artenreicher Berg- und Nasswiesen

Das Ost-Erzgebirge ist unbestritten die Schwerpunktregion Sachsens, wo noch halbwegs ausreichend Mähwiesen mitsamt deren typischer Artengarnitur vorkommen, so dass deren langfristiger Erhalt durchaus gute Chancen hat. Dafür sind allerdings große Anstrengungen erforderlich. Das Naturschutz-Großprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“ sowie das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben zur Wiederherstellung artenreicher Bergwiesen rund um Oelsen haben vielversprechende Ergebnisse gebracht.

Doch darf hier nicht haltgemacht werden. Die immer schwierigeren ökonomischen Rahmenbedingungen für naturschutzgerechte Grünland-Landwirtschaft einerseits und Umweltzerstörungen (Nährstoffeinträge über die Luft, Baumaßnahmen, Aufforstungen) andererseits drohen vielerorts, den Lebensraum von Arnika, Schwalbenschwanz und Wachtelkönig weiter einzuschränken.

"Berg- und Feuchtwiesen - Schutz und Pflege der Grünlandvielfalt im Ost-Erzgebirge"

in der dritten Broschüre aus der 2009/2010 erschienenen Reihe "Naturschutz praktisch" hat die Grüne Liga Osterzgebirge zahlreiche Erfahrungen aus ihrer nunmehr zwanzigjährigen Wiesenpflegepraxis aufbereitet. Das 20seitige Heftchen kann man sich zuschicken lassen oder hier als pdf aus dem Internetz holen.

Wiesenbroschuere_fuer_Internet.pdf

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2.0 M

Naturschutzgerechte Wiesenpflege

Jede Wiese ist anders. Ein „Schema F“ für optimale Pflege gibt es nicht. Ganz im Gegenteil: sowohl zeitliche als auch räumliche Heterogenität sind wichtig, um für möglichst viele Arten gute Lebensbedingungen zu gewährleisten. Und dennoch lassen sich einige allgemeine Pflegegrundsätze für bestimmte Wiesentypen formulieren:

Bergwiesen    Hügellandswiesen    Feuchtwiesen       Nasswiesen

praktische Wiesenpflege mit der Grünen Liga Osterzgebirge
Die wertvollsten, artenreichsten Biotope sind häufig dort zu finden, wo trotz staatlicher Fördermittel eine kostendeckende Pflege nicht möglich ist. Zum Glück gibt es Naturschützer, die nicht nur auf’s Geld gucken. Die Grüne Liga Osterzgebirge kümmert sich unter anderem um folgende Wiesen, für die immer Mäh-Helfer gesucht werden. Dabei handelt es sich teilweise um schwere körperliche Arbeit, die gemeinsam aber trotzdem viel Spaß machen kann.
Hier geht’s zu Übersicht der Grüne-Liga-Pflegewiesen.

Hinweis zur Förderung

Mit der Umsetzung des Vorhabens "GL.2 Biotoppflegemahd mit Erschwernis" konnte ein Beitrag zum Erhalt und zur Entwicklung von gefährdeten, wertvollen Grünland-FFHLebensraum- und Biotoptypen sowie Habitaten spezifischer, schutzbedürftiger Arten auf den geförderten Flächen geleistet werden.

Mit der Umsetzung des Vorhabens "GL.4 Naturschutzgerechte Hütehaltung und Beweidung" konnte ein Beitrag zur Erhaltung, Wiederherstellung und Entwicklung von Weidelandgebieten mit hohem Naturschutzwert geleistet werden. Durch den Erhalt und die Entwicklung artenreicher Magerrasenbiotope, Heiden und sonstiger Offenlandhabitate wurde zur Sicherung der Biologischen Vielfalt beigetragen und an der Wahrung der Kulturlandschaft mitgewirkt.

 

Bergwiesenpflege

typische Pflanzenarten: Bärwurz, Perücken-Flockenblume, Wald-Storchschnabel, Weicher Pippau, Kanten-Hartheu, Ährige Teufelskralle, Berg-Platterbse
Raritäten: Arnika, Stattliches Knabenkraut, Kleiner und Großer Klappertopf, Kreuzblümchen, Kopfige Teufelskralle, Hunds-Veilchen
naturschutzgerechte Pflege: Mahd und Heugewinnung, Schnittzeitpunkt je nach Heuwetter ab Mitte Juni, dabei Stellen mit spätblühende Arten stehenlassen; je nach Aufwuchs und Wetter zweiter Schnitt („Grummt“) ab Mitte August möglich; sehr günstig ist Nachbeweidung mit Schafen oder Ziegen (auch mit leichten Rindern möglich), Vorweide im April (außer bei Flächen mit besonderen Frühlingsblühern, z.B. Himmelschlüssel) oder gelegentliche Sommerweide statt Mahd schaden einer normalen Bergwiese kaum. Vorrangig benötigen die meisten Arten aber zu ihrem langfristigen Erhalt die Heumahd, im Optimalfall ganz traditionell mit Sense; außer bei Wiesen mit Arnika-Vorkommen ist wegen der zunehmenden Bodenversauerung eine gelegentliche, vorsichtige Kalkung sinnvoll.
ganz schlecht: Mulchen; Beweidung mit schweren Rindern oder Pferden im Frühling oder Frühsommer; zeitige Mahd (Juni) mit Silogewinnung; Düngung mit synthetischem Stickstoff oder Gülle

Hügellandswiesen („submontane Glatthaferwiesen“)

typische Pflanzenarten: Wiesen- und Rundblättrige Glockenblume, Margerite, Spitz-Wegerich, Wiesen-Labkraut, Wilde Möhre, Rauhaariger Löwenzahn, Wiesen-Flockenblume
Raritäten: Pech-Nelke, Heide-Nelke, Nickendes Leimkraut, Skabiosen-Flockenblume, Kriechende Hauhechel, Thymian
naturschutzgerechte Pflege: ähnlich wie bei Bergwiesen - Mahd und Heugewinnung, Schnittzeitpunkt je nach Heuwetter ab Anfang Juni, dabei Stellen mit spätblühende Arten stehenlassen; je nach Aufwuchs und Wetter zweiter Schnitt („Grummt“) ab Anfang August möglich; sehr günstig ist Nachbeweidung mit Schafen oder Ziegen (auch mit leichten Rindern möglich), Vorweide im April (außer bei Flächen mit besonderen Frühlingsblühern, z.B. Himmelschlüssel) oder gelegentliche Sommerweide statt Mahd schaden einer normalen Bergwiese kaum. Vorrangig benötigen die meisten Arten aber zu ihrem langfristigen Erhalt die Heumahd, im Optimalfall ganz traditionell mit Sense; wegen der zunehmenden Bodenversauerung ist eine gelegentliche, vorsichtige Kalkung sinnvoll.
ganz schlecht: Mulchen; Brachfallen; Beweidung mit schweren Rindern oder Pferden im Frühling; zeitige Mahd (Mai/Juni) mit Silogewinnung; Düngung mit synthetischem Stickstoff oder Gülle

Feuchtwiesen/Hochstaudenfluren

typische Pflanzenarten: Alantdistel, Wald-Engelwurz, Wiesen-Knöterich, Kuckucks-Lichtnelke, Wiesen-Schaumkraut, Scharfer Hahnenfuß, Rauhaariger Kälberkropf, Mädesüß
Raritäten: Trollblume, Breitblättrige und Gefleckte Kuckucksblume, Herbst-Zeitlose, Schwarzwurzel, Bach-Greiskraut, Alpen-Milchlattich
naturschutzgerechte Pflege: Mahd per Hand oder mit leichter Technik im Sommer (bei ausreichender Trockenheit mit Heugewinnung) oder Herbst; Beräumung des Mähgutes erforderlich (schwierige und sehr teure Angelegenheit!); bei starkem Aufwuchs zweiter Schnitt erforderlich; Nachweide nur in sehr trockenen Sommern
ganz schlecht: Befahren mit Technik; Beweidung mit Rindern oder Pferden; Düngung mit synthetischem Stickstoff oder Gülle; mehrjähriges Brachfallen; Entwässerung

Nasswiesen, Niedermoore („Kleinseggenriede“)

typische Pflanzenarten: diverse Seggen und Binsen, Sumpf-Veilchen, Kleiner Baldrian

Raritäten: Wollgras, Fettkraut, Sonnentau, Bach-Nelkenwurz, Fieberklee

naturschutzgerechte Pflege: Mahd per Hand oder mit leichter Technik im Spätsommer oder Herbst; Beräumung des Mähgutes erforderlich (schwierige und sehr teure Angelegenheit!); nur bei sehr nassen, mageren Wiesen ohne Gefahr von Gehölzaufwuchs ist Mahd in mehrjährigem Abstand möglich; für Sonnentau und Fettkraut ist Bodenverwundung erforderlich

ganz schlecht: Befahren mit Technik; Beweidung; Düngung jeglicher Art; mehrjähriges Brachfallen; Entwässerung

 

Übersicht über die Grüne-Liga-Pflegewiesen im Ost-Erzgebirge

1. Hänge unterhalb der Alm Glashütte (Hartmannhang, Streuobstwiese Hübscher)

ca. 0,7 ha, artenreiche Magerwiesenbereiche mit Thymian, Pechnelke, Nickendes Leimkraut; außerdem größeres Vorkommen Stattliches Knabenkraut (ca. 50 Exemplare)
steiler Hang, teilweise Heumahd im Juni/Juli, teilweise Spätsommer/Herbst, sehr aufwendig und anstrengend

2. Wiese am Bremhang Glashütte (= Hruska-Wiese)

ca. 0,2 ha, artenreiche submontane Magerwiese mit Thymian, Pechnelke, Nickendes Leimkraut, Kriechende Hauhechel; angrenzend an großes Vorkommen von Stattlichem Knabenkraut
mäßig steiler Hang, Mahd Juni/Juli

3. Sonnenleitenwiese Glashütte

ca. 0,5 ha (kommt einem viel größer vor!), artenreiche submontane Magerwiese mit Thymian, Pechnelke, Kreuzblümchen, Nickendes Leimkraut; früher Vorkommen von Stattlichem Knabenkraut
unterer Teil sehr steiler Hang, oberer Teil mäßig steil, Heumahd ab Mitte Juni (je nach Wetter meist während Heulager Anfang Juli)

4. Hang zum Steinbächeltal Glashütte

ca. 0,1 ha, nur noch kleiner Teil einer größeren artenreichen Magerwiese unter anderem Mit Heidenelke, Kriechender Hauhechel und Kreuzblümchen, größerer Teil der Fläche seit einigen Jahren nun überwiegend von Rindern der Agrargenossenschaft abgefressen
abgelegen, aber relativ einfach zu mähen (Handmahd), ab Mitte Juni, sonst Zeitpunkt ziemlich egal

5. Nasswiese am Gemeindeamt Oberfrauendorf

ca. 0,2 ha, artenreiche Nasswiese mit größerem Vorkommen von Breitblättriger Kuckucksblume (300 bis 400 Exemplare, vor zehn Jahren nur etwa 30)
meist extrem nass mit viel Binsenaufwuchs, Mahd im Spätsommer; aufwendige Beräumung mit Plasteplanen, teure Entsorgung der Grünmasse

6. Wiese am Kohlberg Oberfrauendorf

ca. 0,2 ha, magere Bergwiese, ehemals Vorkommen von Arnika (kommt vielleicht wieder)
relativ leicht zu mähen, aber sehr weite Anfahrt; bei gutem Wetter Heu, sonst Mahdzeitpunkt weitgehend egal.

7. Mayenburgwiese Falkenhain

ca. 0,2 ha; Flächennaturdenkmal, magere Bergwiese/Borstgrasrasen, schönes Vorkommen von Schwarzwurzel, früher großer Bestand von Weißer Waldhyazinthe
eben, relativ leicht zu mähen, aber abgelegen; für Heu meist zu schattig; randlich viel Adlerfarn und Wolliges Reitgras (muß vorzeitig gemäht werden), sonst Mahd im Sommer

8. Arnikawiese im Schilfbachtal

ca. 0,3 ha; mäßig artenreiche Waldwiese, am oberen Rand mager mit Färber-Ginster u.a., kleines Vorkommen von Schwarzwurzel; durch aufwendige Pflege heute gut entwickelter Arnika-Bestand
mäßiger Hang, nicht allzu schwer zu mähen, aber mit Technik kaum erreichbar (isolierte Waldwiese), Mahdzeit Juni/Juli (Arnika aussparen)

9. FND Unteres Schilfbachtal

ca. 1 ha; artenreiche Bergwiese u.a. mit viel Kleinem Klappertopf, Perücken-Flockenblume, Weichem Pippau; Vorkommen von Stattlichem Knabenkraut (nach aufwendiger Pflege jetzt wieder ca. 50 Exemplare; teilweise Nasswiese
größerer Teil Heumahd durch Landwirt, Orchideenbestand und Nasswiesenbereiche Mahd durch Grüne Liga im Sommer, Nachbeweidung der trockenen Flächen mit Schafen

10. Wiesenkomplex Kleines Bielatal

ca. 4 ha Komplex von Berg- und Nasswiesen, unter anderem sehr viel Perücken-Flockenblume, Weicher Pippau, Kreuzblümchen, Breitblättrige Kuckucksblume (ca. 500 Ex), außerdem Gefleckte Kuckucksblume, Großes Zweiblatt, Fieberklee, Bach-Nelkenwurz, Thymian, Sterndolde, Schmalblättriges Wollgras und viele andere Arten
Pflege erfolgt größtenteils während des Heulagers (im Juli) und des Nachmäh-Wochenendes (Ende August) entsprechend eines detaillierten Pflege- und Entwicklungsplanes, ca. 1 ha Handmahd mit Sense; Nachweide von ca. 3 ha mit Schafen

11. Nasswiese am Sportplatz Bärenstein

ca. 0,5 ha Nasswiese (kleiner Rest der ehemals ausgedehnten Auwiesen vor Bärenstein, die heute fast vollständig überbaut sind), Fieberklee, Bach-Nelkenwurz, Schmalblättriges Wollgras, Teufelsabbiß, Breitblättrige Kuckucksblume
meist sehr nass, extrem aufwendige Mahd und vor allem Beräumung (Gras muß auf Plastikplanen durch den sumpf und dann eine Böschung hochgezogen werden), sehr teure Entsorgung der Nasswiesen-Grünmasse; Mahd meist am letzten Heulager-Sonnabend (oder später)

12. Grasnelkenwiese Bärenstein = Wiese am Huthaus

ca. 0,2 ha; magere Frischwiese, unter anderem mit dem größten (und inzwischen wohl letzten) Vorkommen von Grasnelke im Müglitztal, sehr individuenreich
ebene, langgezogene Fläche zwischen Bahndamm und Straße (dadurch immer viel Schotter und Müll), Heumahd ab Ende Juni, eigentlich zwei Schnitte erforderlich

13. Wiese am Mendesbusch zwischen Bärenstein und Altenberg

ca. 0,3 ha; Bergwiesenstreifen zwischen zwei Steinrücken im Biotopverbundkorridor Geisingberg - Bielatal

relativ einfache Heumahd, möglichst früh im Jahr, ab Mitte Juli sehr schattig (schwierig für Heu) (siehe „Karte Oberes Müglitztal mit Wiesen.jpg“)

14. ehemaliger Skihang Lauenstein

ca. 1,2 ha; großer, heterogener Wiesenhang mit großen, relativ artenreichen Bergwiesenbereichen, früher Vorkommen von Stattlichem Knabenkraut (auf den angrenzenden Steinbruchwiesen noch vorhanden)
Staffelmahd (zwei verschiedene Termine im Sommer) mit Heugewinnung, aufgrund der Größe sehr aufwendig, bei entsprechendem Wetter während des Heulagers

15. Steinbruchwiesen Lauenstein

zwei durch eine Steinrücke getrennte Wiesen, reichlich 1 ha; sehr artenreiche Bergwiese mit jetzt wieder größerem Vorkommen von Stattlichem Knabenkraut, Großem Zweiblatt, Hunds-Veilchen, Sterndolde und vielen anderen Arten; ein Teil der Wiesen wurde in den 1990ern vom Steinbruch abgebaggert, seither unterstützt das Steinbruchunternehmen auch die Pflege
Staffelmahd, d.h. Heumahd ab Ende Juni auf einem Teil der Fläche (bei Heuwetter während des Heulagers), Mahd der Orchideenbereiche ab Ende Juli/Anfang August

16. Wiese an der Sachsenhöhe Lauenstein

ca. 1,2 ha, große Waldwiese am Osthang der Sachsenhöhe mit typischem Bergwiesencharakter
sehr isolierte, mit Fahrzeug nicht erreichbare Fläche, schwieriger Anfahrtsweg mit Einachsmäher, teilweise Mahd mit Freischneider, mäßig steiler Hang; Mahdzeitpunkt ab Mitte Juni weitgehend egal

17. Wiese an der Bahnlinie Geisingberg

ca. 0,3 ha, bis vor wenigen Jahren völlig verbuschte Feuchtwiese zwischen Bahndamm und Wanderweg „Alte Bärensteiner Straße“, Trollblumen, randlich einige Feuerlilien
aufwendige Mahd wegen Schotter (Bahndamm) und Gehölzaustrieb, Grünmasse muß teuer entsorgt werden

18. Trollblumenwiese am Nordwestfuß Geisingberg

ca. 0,5 ha, bis vor wenigen Jahren noch vollkommen verbuschte (bzw. mit Hybridpappeln bepflanzte) Nasswiese, heute wieder mit herrlichem, großem Trollblumenbestand, außerdem u.a. Sumpf-Dotterblume, Bach-Nelkenwurz
sehr schwierige, anstrengende Mahd und Beräumung, zur Entsorgung muß die Grünmasse zuerst von der wiese geschleppt, dann auf den Autohänger geladen und etwa einen Kilometer bis zum Container-Standplatz gefahren werden (sehr teuer und langwierig); Mahdzeitpunkt ab Mitte Juni egal, aber wegen Arbeitseufwand möglichst während des Heulagers