Naturschutzeinsätze

Ein großer Teil der Biotoppflege im Ost-Erzgebirge wird heute von professionellen Landschaftspflegeunternehmen durchgeführt. Dazu zählen unter anderem:

  • die Naturbewahrung GmbH des Fördervereins für die Natur des Osterzgebirges,
  • die Osterzgebirgische Landschaftspflege GmbH des Landschaftspflegeverbandes,
  • die Beschäftigungsgesellschaft Pirna.

Auch zahlreiche Landwirte der Region haben inzwischen die staatlich geförderte Landschaftspflege als wirtschaftliches Standbein entdeckt und sind zu wichtigen Partnern des Naturschutzes geworden. Trotzdem: es gibt im Ost-Erzgebirge viele wertvolle Biotope, die so abgelegen, so steil oder nass sind, dass sich trotz staatlicher Fördermittel deren Pflege durch Unternehmen nicht rentiert. Und es gibt nicht wenige Lebensräume stark gefährdeter Pflanzen und Tiere, für deren Erhalt besonderer Naturschutz-Sachverstand erforderlich ist. Die wichtigsten dieser Biotope werden von Naturschutzvereinen intensiv betreut. Die Grüne Liga Osterzgebirge organisiert alljährlich mehrere Wochenendeinsätze sowie das zweieinhalbwöchige Heulager. Dabei werden Biotoppflegearbeiten verbunden mit Wissensaustausch und jeder Menge Spaß. Praktischer Naturschutz kann richtig schön sein! 

Die Anreise ins osterzgebirgische Bielatal bei Bärenstein ist einfacher, als man denkt:
S-Bahn 1 (Richtung Schöna) bis Heidenau. Ab Heidenau mit der Müglitztalbahn (Richtung Altenberg) bis Bärenstein.
In Bärenstein läuft vom Bahnhof nach rechts ca. 650 m in die Richtung, aus der man gekommen ist, biegt dann nach links in die Bielatalstraße Richtung Hirschsprung ein. Nach ca. 20 min erscheint auf der rechten Seite ein Gebäudekomplex mit markantem rosa Anstrich – das Ziel ist erreicht.
Wir zeigen Euch auch gern den schöneren Weg durch die Wiesen und über die Hügel, für den man aber ein kleines bisschen Ortskenntnis braucht.
Die Müglitztalbahn verkehrt wochentags stündlich und am Wochenende zweistündlich. Aktueller Fahrplan vom 13.12.09 bis 11.12.2010 unter:
http://www.vvo-online.de/remoteimage/mentz.do/standard/TTB/000040cb.pdf
Unter www.vvo-online.de kann man sich auch unter „Fahrplanauskunft“ seinen persönlichen Reiseweg berechnen  lassen: Startort und Starthaltestelle eingeben und bei Zielort „Bärenstein (Kr PIR)“, Zielhaltestelle „Bahnhof“.

Wwoofers welcome! 
(„willing workers on organic farms“ = „freiwillige Helfer auf Biohöfen“ - die Biotoppflegebasis Bielatal bei Bärenstein ist als Einsatzstelle anerkannt)

Heulagerei

eine etwas andere Betrachtung von Enrico Keydel, lyrico@gmx.net

Montag, 12. Juli 2010

Dieser Bericht muß noch reifen, muß trocknen.
Du kannst ih
nicht gleich nach dem Mähen verstehen.

Dieser Bericht muß fertig werden vor dem Regen, vor dem Gewitter. - Der Morgentau macht das Kraut nicht fett. Das trocknet schnell in diesen heißen Tagen. Die Wolken lassen sich zählen.

Über uns ein Rotmilan, der sein Ziel einkreist, wie ich meine Worte. Es ist Juli. Der macht das Heu. Denn „immer wieder wächst das Gras…“ (singt Gundermann). Und hier im Bielatal und Umgebung dazu auch zahlreiche seltene Pflanzen, die es zu erhalten gilt, wie feine Poesie. Damit es nicht zuwächst das Seltene. Und nicht vertrocknet.

Mit der Sense über die Wiese. Als Meditation. Gelingt mit dem richtigen Schwung fast mühelos. Dem Rhythmus der Jahreszeiten nachzuspüren und seinen eigenen Rhythmus zu finden. Auf trockener, staubiger Erde.

Oder Feuchtwiesen. Im Schlamm einsinken und es gut finden, dieses schlurpende Geräusch beim Herausziehen der Beine.

Wir sensen das Gras, wenden das angetrocknete Gras zum Beispiel hier an einem Südhang in Lauenstein oder auf der Müllerwiese nahe des „Lagers für Arbeit und Erholung“ in Bärenstein, ein endemischer Ort, den es zu schützen gilt. Mit dem richtigen Schwung den geschnittenen Gräsern Licht und Luft zu geben, damit die Sonne. Und die Kinder sitzen im Schatten, um Getier zu entdecken, zu ruhen, großzuwerden mit dem Heu. – Ich denke beim Schloten an Hans Arp, einen surrealistischen Dichter, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebte, und über sich sagte „ich bin in der natur geboren“ Wie wahr. Die Glühwürmchen, die vielen Sterne, das Feuer, die Nacht. Wenn der Waldkauz ruft noch aufsein zu dürfen.

Das Gras von anderen Wiesen zum Trocknen. Was mir auch immer wieder in den Sinn kommt: „So viel Gras zum Trocknen, abertausende Halme, Blätter, Blüten – und alles unter der selben Sonne.“ (und denke dabei an ein bestimmtes Gedicht von Hilde Domin)

Während ich noch nach Worten, müssen wir schon wieder los, freiwillig. Die Maschinen wollen genutzt sein. Auch wenn etwas kaputt geht, machen wir weiter. Der Schweiß rinnt ins Gewitter. - Nein, keines in Sicht. Nur ein Gedanke, keine Ahnung von einem Gewitter in diesen Tagen. Noch längst nicht. Stattdessen der Satellitenfilm da auf unserer Haut. Und Wasser aus Flaschen, das in die Kehle. Wir tauschen Worte aus, lernen uns kennen, lernen uns schätzen. Die Worte trocknen schnell. Lassen neue Sätze wachsen zwischen uns. Daraus machen wir Ballen, zusammengehalten durch die gemeinsamen Erlebnisse in diesen Tagen.

An den Händen Blasen. Aber selbst die Bremsen, die nach Blut suchen, gebieten uns keinen Einhalt. Mir geht es so: Der Kopf kann leer werden auf den Wiesen, die Gedanken erleichtern. Zu Hause wartet ein Alltag, hier kommt der Alltag zur Ruhe. Und manchmal sind es die Namen der Blumen „Perückenflockenblume“ oder „Weidenröschen“, die wir einander viel zu selten sagen.

Diese Erde ist wie ein riesiger Kopf, deren Wiesen wir wie Haare durchkämmen. Das fördert die Durchblutung und macht frischen Sauerstoff. Auf unsere Strohhüte setzen sich Schmetterlinge, wie der Schachbrettfalter. Die richtige Technik, wie das Gras zum Trocknen gewendet werden kann, damit es am besten durch Luft und Hitze dörrt, können wir von den anderen lernen. Durch Schauen und Fragen. Riechst Du das Heu?

Dieser Bericht muß noch reifen, muß trocknen. Du kannst ihn  nicht gleich nach dem Mähen verstehen. Wir schloten uns das Heu zu, wir schwitzen gemeinsam; jeder auf seine Art.  Manchmal ist der Rotmilan auch ein Mäusebussard oder ein Kolkrabe.

Und „die“ kürzen immer mehr Fördermittel. Wartet nur ab mit den Jahren, ihr, die ihr das entscheidet, geht mit der Zeit, werdet in die Binsen gehen. Und die Käfer werden sich rechen. Denn für ausgestorbene Arten gibt es keine Ersatzteile und keinen Plan B.

Zurück zur Wiese. Was auch immer wir voneinander lernen, können wir doch nicht von Luft, Duft und Licht leben. In der Basisstation wird das Essen bereitet, das uns die Energie gibt, das Gras zu Heu zu spinnen. Ohne den Königslohn, jedoch mit dem Lohn der Mühen. Vier Mahlzeiten am Tag und ein Feuer am Abend. Und der Swimmingpool wartet auf unser Lachen.

Hier wächst nicht nur das Gras nach, sondern auch eine naturverbundene Generation kleiner Rumpelzwerginnen und –zwerge, die nicht fragen werden nach dem „Warum“, sondern einfach machen. (So schützen wir auch die seltene Art Mensch.)

Auf Wiedersensen bis zum nächsten Jahr (oder im Herbst…)!

Enrico Keydel Louisenstraße 83 01099 Dresden www.worthandel.de

 

 

Das folgende Dokument wurde an der sächsisch-brandenburgischen Grenze abgefangen und uns über dunkle Kanäle zugespielt:

Geheimer Bericht über das Heulager 2010 (1. Woche)

Von einem preußischen Schulmeister in sächsischen Diensten

In den ersten Julitagen konnte ich ein gar seltsames Zusammentreffen unterschiedlichster Leute (aus Sachsen, böhmischen Landen, Australien und sogar aus Preußen) beobachten, deren ganzes Bestreben es war, ohne Entlohnung Gras zu mähen und Heu zu ernten, um auf den Bergwiesen die Vielfalt seltener Blumen zu erhalten und zu vermehren. Zum Lohne gab es lediglich freie Kost, die allerdings vorzüglich war, und Schlafplätze auf einem Dachboden und in Zelten. An Schlaf war allerdings bei vielen nicht zu denken, da es gar schreckliche Schnarcher unter dem dort versammelten Volke gab. So soll sich eines Nachts sogar das Dach leicht angehoben haben, allerdings möchte ich dem Zeugen nicht recht trauen, da er dem Biere recht zugetan war. Damit kein falscher Eindruck entstehe, dem Gerstensaft wurde kaum zugesprochen und nur an Eingeweihte gegen einen geringen Obolus weitergereicht – bei der Qualität der sächsischen Biere für mich völlig unverständlich. Branntwein konnte ich gar nicht observieren, wo es doch ein Leichtes wäre, aus dem selbst hergestellten Apfelsafte solch Getränk zu fabrizieren. Lediglich der Unart des Tabakschmauchens konnte sich ein katholischer Postmeister aus G. (vom sächsischen Datenschutzbeauftragten gekürzt) nicht enthalten.

Des Tages wurde hart gearbeitet, selbst am Sonntag zogen die Scharen aus, um eine reiche Ernte einzufahren. Das Wetter machte es ihnen leicht, lediglich zu Beginn der Woche gab es einige Regengüsse. Opfer derselben wurden aber nur zwei leichtsinnige Jugendliche, die nicht fähig waren, ihre Zelte zu verschließen, so dass ihre Schlafstätten nass wurden und sogar ein Handy kaputtging. Der, dem das geschah, langweilte sich deswegen so sehr - er hatte ja vorher nichts anderes zu tun, als an den Knöpfchen dieses Dings zu drücken - dass er sich später sogar an einigen (wenigen) Arbeiten beteiligte.

Nach der Arbeit vergnügten sich die Leut beim gemeinschaftlichen Bade, wobei sie fast alle völlig schamlos ihre Körper entblößten und ins labend kühle Nass sprangen, Männlein und Weiblein bunt durcheinander! Zu Unzucht ist es dabei dennoch nicht gekommen, jedenfalls konnte ich dergleichen nicht beobachten. Eine typisch sächsische Sitte, das ausgiebige Kaffeetrinken, wurde mit großer Inbrunst gepflegt, kein Weg war zu weit, um rechtzeitig eine Tasse zu erlangen. Bei vielen konnte ich danach einen erlahmenden Arbeitswillen erkennen. Sollte Preußen je wieder Bestrebungen haben, sächsische Ländereien zu erobern, so möge der Feldzug zur Kaffeezeit beginnen!

Abends saß man beim Lagerfeuer, sang Lieder und führte aufrührerische Reden über Anarchie und Bürgergeld. An einigen Abenden zeigte man Bilder aus Böhmen oder der Slowakei, der Ortschronist berichtete von der Geschichte des Bielatals, wobei das besondere Interesse der Zuhörer dem „Institut für angewandte Menschenkenntnis“ galt. (Das Heulager ist ja ebenfalls ein Panoptikum verschiedenster Individuen.) Der Mieter des Rennerhauses, ein gewisser J.W. (Name der Redaktion bekannt), interessierte sich besonders für alte Konzessionen zum Branntweinbrennen – ich werde in den nächsten Jahren beobachten, ob er derartige Bestrebungen weiterverfolgt. Derselbe führte eine kleine Schar am Sonntage zur naturkundlichen Exkursion zum Geising, allerdings wurde ob der großen Hitze die geplante Strecke reichlich gekürzt.

Das erstaunlich gute Miteinander wurde kaum getrübt, lediglich der Küchendienst hatte zu kämpfen mit allerlei halbgeleerten Flaschen, herumstehenden angebrochen Joghurtbechern oder dem Stibitzen von Zutaten aus der Küche. Im Gegensatz zu einigen etwas unordentlichen sächsischen Landeskindern tat sich – natürlich – eine Preußin durch besondere Reinlichkeit hervor, sie wischte sogar den Tisch vor dem Decken desselbigen ab!

Neidvoll blickte ich auf die große Kinderschar, die sich des Tags mit der Baderei , dem Fangen von  Heupferdchen und Spielen am Bach vergnügte.

Als Fazit dieser Woche möchte ich den großen Fleiß und die vielen guten Taten hervorheben. Doch trotz der Energie der Leute sehe ich keinerlei Grund zur Furcht für Preußen, da die Versammelten allesamt zum Kriegsdienste keinerlei Lust zeigen, dafür umso mehr zum Schutze der Natur.