Phase II des Naturschutzgroßprojektes "Bergwiesen im Osterzgebirge"

Projektziele:

  • Sicherung und Aufwertung der extensiv genutzten Kulturlandschaft mit ihren bundesweit bedeutsamen Biotoptypen (Bergwiesen, Borstgrasrasen, Feuchtwiesen, Steinrücken und Mooren) durch Biotoppflege und extensive landwirtschaftliche Nutzung;
  • Überführung naturferner Nadelholzbestände in standortheimische Wälder;
  • Erhaltung der Populationen bundesweit vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten wie Birkhuhn, Wachtelkönig, Arnika und verschiedener Orchideen

Gegenstand der Förderung:

  • Erwerb privater Flächen in den Kerngebieten zur Sicherung biotopeinrichtender Maßnahmen und der nachhaltigen naturschutzgerechten Pflege;
  • Durchführung biotopeinrichtender und -lenkender Maßnahmen (Mahd mit und ohne Nachbeweidung, Entbuschung, Auflichtung von Feldgehölzen, Instandsetzung von Steinrücken und Trockenmauern, Schaffung von Gehölzstrukturen und Ackerrandstreifen, Förderung standortheimischer Wälder, Grabenstau in Moorbereichen);
  • projektbegleitende Informationsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit (Besucherlenkung, Tourismuskonzepte, Infotafeln, Broschüren, DVD, Internet, Presse)

Bedeutung der Projektfortführung in den Erweiterungsgebeiten der zweiten Phase:

  • Fortführung und Weiterentwicklung von in der ersten Förderphase erfolgreich angewandten Pflegemaßnahmen;
  • Steigerung des naturschutzfachlichen Mehrwertes des Gesamtgebeites durch die Ausweitung der Kerngebiete sowie Entwicklung und Schutz von großen zusammenhängenden Bergwiesenkomplexen;
  • Verbesserung der Biodiversität durch spezielle Artenschutzmaßnahmen für die vom Aussterben bedrohten Arten im Projektgebeit;
  • Verbesserung des Biotopverbundes entlang der sächsisch-tschechischen Grenze im Osterzgebirge zwischen Zinnwald und Oelsen sowie dem tschechischen Naturpark "Východní Krušne hory"

Träger:

Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Stadt Altenberg, Förderverein für die Natur des Osterzgebirges

Förderung:

3,4 Mio Euro

(65 % Bundesförderung/Bundesamt für Naturschutz; 28 % Freistaat Sachsen; 7 % Projektträger)

Projektlaufzeit:

1.12.2010 - 31.8.2015

Lage des Naturschutzgroßprojektes "Bergwiesen im Osterzgebirge"

Naturschutz-Großprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“

Das Bundesamt für Naturschutz fördert seit dreißig Jahren in "Gebieten von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung" sogenannte Naturschutz-Großprojekte. Das 50. Vorhaben dieser Art fand unter dem Titel "Bergwiesen im Osterzgebirge" zwischen 1999 und 2008 in der Umgebung von Altenberg und Geising statt und umfasste rund 2700 Hektar. Im Vordergrund standen einerseits die Erhaltung der artenreichen Bergwiesen- und Steinrückenlandschaft und andererseits die Schaffung günstiger Lebensraumbedingungen für die im Kammgebiet lebende Birkhuhnpopulation. Dementsprechend gibt es im Projektraum zwei Kerngebiete: Geisingberg (rund 300 Hektar) und Grenzwiesen Fürstenau (rund 450 Hektar). In diesen Kerngebieten konzentrieren sich die praktischen Maßnahmen des Naturschutz-Großprojektes, insbesondere Entbuschung brachgefallenen Grünlandes, Wiesenmahd, Auf-Stock-Setzen von Steinrücken, Wiederherstellung alter Trockenmauern, Pflanzung von Gehölzen sowie Moorrenaturierung. Die Durchführung erfolgt unter fachlicher Leitung des Projektmanagers durch Landwirte, Grundeigentümer und Naturschutzvereine.
Festgelegt sind die Maßnahmen in einem detaillierten Pflege- und Entwicklungsplan. Für das gesamte Projekt wurde rund 5 Millionen Euro bereitgestellt, zu 75 % vom Bundesumweltministerium, zu 20 % vom Land Sachsen und 5 % von den Projektträgern Landratsamt Weißeritzkreis, Stadt Altenberg und Stadt Geising.
2008 endete das Naturschutz-Großprojekt, 2009 wurde es „abgewickelt“. Derzeit hoffen die Naturschützer der Region noch immer auf eine Weiterführung des Projektes, notfalls auch in bescheidenerem Umfang, finanziert durch Geld des Freistaates Sachsen. Neue Entwicklungen in diese Richtungen sind derzeit allerdings nicht bekannt.

Eine kurze Übersicht findet man auch beim Bundesamt für Naturschutz (BfN)
link zu: www.bfn.de/0203_osterzgebirge.html

 

Ein ausführliches Fazit über das im Naturschutz-Großprojekt Erreichte zog Projektmanager Holger Menzer bei einer Tagung im November 2008:


Das Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“ 2000 - 2008
- Rückblick auf eine erfolgreiche Projektarbeit  von Holger Menzer, Projektmanager
Im Kammgebiet des oberen Osterzgebirges, dem Gebiet um Altenberg, Geising und Fürstenau, finden wir eine einzigartige Kulturlandschaft mit besonderer Eigenart und Schönheit sowie einer schützenswerten naturräumlichen Ausstattung mit einem bemerkenswerten Artenspektrum an Flora und Fauna.
Unter den rauen klimatischen Bedingungen und den landwirtschaftlich kargen Bodenverhältnissen schufen hier die Bergarbeiter und Bergbauern seit 500 Jahren die charakteristischen Steinrückenstrukturen und große Offenlandbereiche mit einem hohen Grünlandanteil. Schutzwürdige Arten wie Schlüsselblume, Trollblume, Feuerlilie und Arnika prägen die blütenbunten artenreichen Bergwiesen. Seltene Orchideenarten wie das Breitblättrige, Stattliche und Gefleckte Knabenkraut kann man hier bewundern.
Gleichzeitig ist das Gebiet Lebensraum gefährdeter Vogelarten wie dem Wachtelkönig, Raubwürger und dem Birkhuhn, das hier in seiner größten Population in deutschen Mittelgebirgen vorkommt. Aber auch bemerkenswerte heimische Tagfalter wie der Große Perlmutterfalter, der Schwalbenschwanz und der Dukatenfalter sind auf den Bergwiesen zu entdecken.
Das Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“ widmet sich seit 1999 der Pflege, dem Schutz und der Entwicklung dieser einzigartigen Kulturlandschaft. Innerhalb des Projektgebietes mit einer Fläche von 2.700 ha befinden sich die Kerngebiete mit einer Größe von insgesamt 890 ha. Das Fördervolumen des Projektes beträgt 5,4 Mio Euro, wovon 75 % durch den Bund, 20 % durch den Freistaat Sachsen und 5 % durch den Projektträger, den Landkreis Weißeritzkreis und dessen Nachfolger, den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, mit seinen Partnern den Städten Altenberg und Geising bereitgestellt werden.
Ziel des Projektes war die Wiederherstellung und Entwicklungspflege von besonderen Biotopstrukturen mit bundesweiter Bedeutung, wie z. B. Bergwiesen und Steinrücken.
Mit Projektmitteln wurden naturschutzfachlich wertvolle Flächen in den Kerngebieten angekauft, auf denen die verschiedenen Formen der ein- und mehrschürigen Wiesenmahd zur Anwendung kamen. Die Steinrückenpflege erfolgte nach fast 50-jähriger Nutzungsauflassung in Anlehnung an historische Nutzungsformen durch das fachgerechte „Auf-Stock-Setzen“.
 
Auch durch ersteinrichtende Maßnahmen der Entbuschung, der Neuanlage von Steinrücken- und Heckenstrukturen, der Instandsetzung von Trockenmauern und der Moorrenaturierung werden die, im Pflege- und Entwicklungsplan (PEP) formulierten, Pflegeziele realisiert. Auf ca. 25 ha Forstfläche wurden Lärchen-, Murraykiefern- und Blaufichtenbestände in naturnahen Bergmischwald umgewandelt.
Die Pflegeziele wurden durch verschiedene Schutz- und Entwicklungsmaßnahmen entsprechend des PEP erreicht und durch die Hauptzuwendungsgeber sehr positiv bewertet.
Die Zunahme von Zielarten und die Feststellung neuer Standorte nach der Pflege betätigte die Richtigkeit der angewandten Mahdformen zur Aushagerung der Flächen. Durch die konsequente Anwendung der portionierten Mahd in Abstimmung mit den Landwirten entwickelte sich die Region zu einem Hauptverbreitungsgebiet des Wachtelkönigs in Sachsen.
Im Projektverlauf erfolgte die endgültige Festsetzung der Schutzgebietsverordnung für das Naturschutzgebiet „Geisingberg“ in seiner jetzigen Größe mit 314 ha und die Verordnung für das Naturschutzgebiet „Grenzwiesen Fürstenau und Fürstenauer Heide“ mit 510 ha.
Die erfolgreiche Maßnahmeumsetzung führte auch zur Erhöhung der Attraktivität der Region und ihres Bekanntheitsgrades mit einer positiven Resonanz für einen naturverträglichen Tourismus.
Die wirtschaftliche Stabilisierung der beteiligten Betriebe und die Schaffung von Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit der Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen stellen bedeutende Synergieeffekte im Projektverlauf dar.
Im Förderzeitraum ist es gelungen, durch die frühzeitige Einbeziehung der vor Ort tätigen Landbewirtschafter und Bürger in die Planung und Umsetzung der Maßnahmen sowie eine umfassende Öffentlichkeitsarbeit, ein hohes Maß an Akzeptanz für die naturschutz-fachlichen Projektthemen zu gewinnen. Wichtigster Partner für eine dauerhafte Durchführung der Wiesenmahd sind die technisch gut ausgerüsteten, ortsansässigen Landwirte. In landwirtschaftliche Stoffkreisläufe eingebunden erfolgt die Nutzung des Mähgutes als Tierfutter bis hin zur kostengünstigen Kompostierung nichtverwertbarer Grünmasse (Nasswiesenschnitt) und der Ausbringung auf Betriebsflächen.
Mit großem Interesse beteiligten sich alle Land- und Forstwirte, Naturschutzverbände und private Eigentümer an der praktischen Biotoppflege. Besonders hervorzuheben ist die engagierte Mitarbeit der Naturschutzvereine bei der Pflege von naturschutzfachlich sensiblen Flächen ohne landwirtschaftlichen Ertrag, die jedoch einen hohen Pflegeaufwand erfordern.
Mit dem Ziel einer langfristigen pfleglichen Nutzung und landwirtschaftlichen Bewirtschaftung der Flächen zur Erhaltung und Weiterentwicklung der geschützten Bergwiesen und der Möglichkeit ihrer touristischen Nutzung, verbindet das Naturschutzgroßprojekt gleichzeitig die Interessen aller Betroffenen in der Region und bietet gebietsspezifische Lösungen für eine langfristige Nutzung unter naturschutzfachlichen Gesichtspunkten.
Die einvernehmliche Zusammenarbeit der Zuwendungsgeber, Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) mit dem Projektträger Landratsamt Weißeritzkreis, nachfolgend Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gemeinsam mit den Partnerstädten Altenberg und Geising, ermöglichte eine ausgezeichnete Projektbeförderung und stellt eine wesentliche Grundlage für den erfolgreichen Projektverlauf dar.
Die Erreichung der Projektziele in der ersten Förderphase, die breite Resonanz unter den Landwirten und der regionalen Bevölkerung sowie die einvernehmliche Zusammenarbeit der Projektträger stellen eine hervorragende Voraussetzung für eine erweiterte Fortführung dar. Diese wird von allen Projektpartnern befürwortet. Der Antrag dazu wurde im Mai 2008 im Bundesumweltministerium eingereicht.